Reaktionen auf OECD
Top-Ökonom fordert „Krisenprogramme“ gegen Flaute

Die Unsicherheiten für die deutsche Wirtschaft nehmen zu. Nicht nur die OECD sieht die Lage düster. Auch die EZB äußerte sich besorgt. Ein Top-Ökonom sieht es genauso und fordert, rasch Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
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DüsseldorfDie Einschätzung der OECD, wonach das deutsche Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal schrumpfen werde, hat bei Wirtschaftsforschern in Deutschland ein geteiltes Echo ausgelöst. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) widersprach der Prognose vehement, während der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, ebenfalls zu einer düsteren Einschätzung kommt. „Die Befürchtungen der OECD sind leider berechtigt“, sagte Horn Handelsblatt Online. „Während die Konjunktur in Deutschland noch bis in den Sommer hinein sehr kräftig aussah, sind die Zeichen für einen Abschwung im kommenden Winter unübersehbar.“

IMK-Chef Horn glaubt, dass nicht der Konsum die Schwachstelle der Konjunkturdynamik sein werde, sondern die Exporte und in der Folge die Ausrüstungsinvestitionen. „Ursächlich hierfür sind die weltwirtschaftliche Abkühlung, das Auslaufen der Konjunkturpakete und die Folgen der Krise im Euroraum“, sagte der Ökonom.

Einzig die Euro-Krise sei derzeit wirtschaftspolitisch zu beeinflussen. „Denn die Austeritätsprogramme haben die Wirtschaften in den Krisenländern teilweise abstürzen lassen, was die Finanzmärkte zusätzlich verunsichert hat“, analysiert Horn weiter. „Diese Turbulenzen werden auf Dauer den Investitionsprozess in der Realwirtschaft gefährden.“ Nötig sind daher aus Horns Sicht „Krisenprogramme“, die ohne eine „Austeritätsrezession“ auskommen. „Ansonsten verheißt der konjunkturelle Ausblick auf 2012 nichts Gutes.“  

DIW-Konjunkturexperte Simon Junker geht zwar auch davon aus, dass sich das Wachstum in den kommenden Quartalen abschwächen werde. Doch: „Die Zuwächse werden unserer Einschätzung nach bis Ende 2012 noch überdurchschnittlich ausfallen“, sagte Junker Handelsblatt Online. „Eine Rezession ist keinesfalls in Sicht.“ Das liege unter anderem daran, dass das Mini-Wachstum von 0,1 Prozent im Frühjahr die wahre Entwicklung unterschätze. So sei der Bau witterungsbedingt in den ersten Monaten des Jahres „außerordentlich stark“ gewesen, während es im zweiten Quartal eine leichte Gegenbewegung gegeben habe, erläuterte Junker.

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  • Teil II
    Und so lange sich die Milliardenvermögen einer kleinen Clique immer stärker anhäufen und dieses Kapital dem Volk entzogen wird, wird sich die Abwärtsspirale immer schneller drehen.
    Nur ein Reset im Finanzsystem und einer Aufteilung in Geschäfts- und Zockerbanken ist die Grundlage für eine halbwegs Erholung der westlichen Industriestaaten. Wir haben ja noch das demografische Problem und weitgehend gesättigte Märkte.

  • Noch exklusiver!
    In den letzten 3 Jahren haben die Staaten weltweit ca. 32,5 Bio. $ aufgewendet, natürlich alles auf Pump, um die Bankster zu retten und um einen selbsttragenden Aufschwung einzuleiten.
    Doch alle Konjunkturstrohfeuer sind wirkungslos verpufft, ohne den gewünschten Erfolg. Bis Ende 2011 laufen alle Konjunkturstrohfeuerpakete aus, doch jetzt sind die Folgen schon sichtbar - für die einen schneller, für die anderen langsamer, bzw. überhaut nicht.
    Die derzeitige Lage ist um ein Mehrfaches gefährlicher, als noch 2008, zu Beginn der Finanzkrise. In den westlichen Ind.staaten brechen die Steuereinnahmen weg und die Ausgaben für Soziales und Kapitaldienst explodieren. Unser erträumter Aufschwung – eine Fata-Morgana. Außer in DE, der Insel der Seeligen, hat durch Produkte Made in Germany und Niedriglöhner in den BRICS neue Absatzmärkte gewonnen, die unsere Exportrechnungen auch bezahlen können, nicht wie die PIIG(F)S, die sich alles schenken lassen, von den stupid Germans.

    Und jetzt sollen neue Schulden wieder für ein paar Monate weiterhelfen? Und dieses Spiel wiederholen wir in immer kürzeren Abständen mit immer größeren Billionenpaketen? Wer hat da in der Schule nicht aufgepasst.
    Kapitalismus lebt und atmet mit dem ständigen, möglichst schnellen, routieren des Kapitals. Eben keine Anhäufung, Aufbewahrung, Anraffung,...sondern investieren, bezahlen, kaufen, leihen und tilgen,...Kapitalismus heißt Geldzirkulation. Das was die Finanzmärkte daraus gemacht haben ist ein Selbstzweck geworden der nur dazu dient einzelne immer mehr zu bevorteilen. Wenn wir eine Währung hätten in der es keine Zinsen mehr gäbe, weder negative noch positive Zinsen, dann gäbe es keinerlei Anreize mehr zum Anhäufen von Geld. Sondern es auszugeben, zu investieren oder anderen für ihre guten Ideen - und DAS ist doch gerade die schöpferische Kraft des Kapitalismus - zu überlassen und später an deren Gewinnen teilzuhaben.

  • Gesterm noch für das volle Programm der Subventionen, heute schon Euroskeptiker. Wie oft will sich die fdp noch wenden, um an den sagenhaften Fleischtöpfen dran zu bleiben?

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