Reaktionen auf Wahlergebnisse
In Deutschland wächst die Angst vor US-Protektionismus

Der Ausgang der Kongresswahlen in den USA ist bei Wirtschaftsvertretern und Experten in Deutschland auf gemischte Reaktionen gestoßen. Der Präsident der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland, Fred B. Irwin, sorgt sich nach der Kongresswahl vor Protektionismus in den USA. "Das ist meine große Angst", sagte Irwin am Mittwoch.
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HB BERLIN. "Wenn eine Nation wie die USA solche wirtschaftlichen Probleme hat, gibt es immer starke protektionistische Tendenzen", so Irwin mit Blick auf die großen wirtschaftlichen Probleme in den USA. Noch gebe es bloß Hinweise auf Versuche der Abschottung. "Nicht nur auf Bundesebene, sondern auch in den Bundesstaaten und auf kommunaler Ebene. Man muss sehr wachsam sein."

Ähnlich kritisch äußerte sich auch der Chef des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) Dennis Snower. Er warnte: "Die Gefahr protektionistischer Maßnahmen wird größer." Der Druck auf Präsident Barack Obama werde wegen der hohen Arbeitslosigkeit immer größer. Snower sieht aber auch die Chance, dass mit der Stärkung der Konservativen Obama stärker zur Bekämpfung des Schuldenproblems getrieben wird. Im Umgang mit den exorbitant hohen Schulden fehle es dem Land an einer mittelfristigen Strategie, was ein großer Fehler sei.

Weniger skeptisch sieht DIHK-Außenhandelschef Axel Nitschke die Nachrichten aus den USA. "Wir erwarten vom Ausgang der US-Wahlen nur punktuelle Korrekturen der amerikanischen Wirtschaftspolitik." Er sprach immerhin von der Möglichkeit, dass die neue republikanische Mehrheit im Repräsentantenhaus die Rolle der USA "als handelspolitischen Impulsgeber" wiederbeleben könnte. Eine Gelegenheit für eine aktivere Rolle der USA in der Handelspolitik könnte bereits der bevorstehende G20-Gipfel in Südkorea bieten.

Jens Nagel vom Handelsverband BGA erklärte, auf die Handelspolitik sollte sich der Wahlausgang nicht groß auswirken. Die Handelsbeziehungen seien ohnehin schwieriger geworden zwischen beiden Ländern. Allerdings hofft Nagel, dass die USA nach der Wahl den Doha-Verhandlungen über einen freieren Welthandel neue Impulse geben könnte. Nagel beklagte, zwischen beiden Ländern sei eine zunehmende Entfremdung wegen wirtschaftspolitisch unterschiedlicher Positionen aufgekommen, die auch der Handel atmosphärisch spüre.

Eine Entfremdung in den deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen sieht der Präsident der Amerikanischen Handelskammer, Fred B. Irwin, allerdings nicht: "Egal wer Präsident oder Bundeskanzler ist oder welche Parteien die Mehrheit haben: Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den USA und Deutschland waren immer gut." Irwin weiter: "Das Handelsvolumen zwischen den USA und Deutschland beträgt 500 Millionen Dollar - und zwar pro Tag." Es gebe zwar kaum Neuinvestitionen von US-Unternehmen in Deutschland. "Das liegt aber daran, dass schon so viele Firmen hier sind." Amerikanische Unternehmen hätten 35 Mal so viel in Deutschland investiert wie in China.

Die USA sind Deutschlands größter Handelspartner außerhalb der EU. Allerdings schickt sich China an, die Vereinigten Staaten von dieser Position zu verdrängen.

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  • in den Amerikanischen Nachrichten bekamen wir zu sehen das die Deutsche Wirtschaft so stark ist wie lange nicht,die Amerikanische nicht !Das es mehr offene Stellen gibt als Arbeitssuchende,in Amerika nicht !Das der Finanzminister einen warmen Geldregen verspürt, in Amerika nicht !Das Großunternehmen stärker besteuert werden sollen (Frau Kraft ),in Amerika nicht!Das Energie in Deutschland sehr teuer werden wird,in Amerika nicht !
    Warum sollten Amerikanische (Patriotische)Unternehmen ausgerechnet in Deutschland einen müden Dollar investieren ? Wo es Euch doch sooooo gut geht ,und Wirtschafts und Steuerpolitisch Deutschland ein so industriefeindliches Land ist ?

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