Reaktionen
Glos-Rücktritt überschattet Sicherheitskonferenz

Einen Moment lang wirkte es, als könnte Michael Glos die Münchner Sicherheitskonferenz aus dem Tritt bringen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer - alle sind von dem Brief überrascht worden.

HB MÜNCHEN. Gerade hat sich Steinmeier im Gartenrestaurant des bayerischen Hofes um kurz vor halb fünf vor den Kameras postiert, da jagt eine Eilmeldung über die Handys der Journalisten: Glos tritt zurück. Den Wind der Veränderung hatten die meisten zwar erwartet - aber eher aus Washington, und nicht aus dem Wirtschaftsministerium.

Steinmeier glaubt noch an einen Scherz, als die erste Frage zu dem Rücktritt und nicht etwa zur neuen US-Politik gestellt wird. Nein, davon wisse er nichts. Deshalb könne er sich dazu auch nicht äußern. Dass ihn der Rücktritt des CSU-Kabinettskollegen wirklich überrascht, ist offensichtlich. Denn noch beim Mittagessen hatte Steinmeier selbst neben Seehofer gesessen. Man versteht sich über die Parteigrenzen hinweg. "Da wusste Seehofer mit Sicherheit noch nichts, sonst hätte er sicher eine Anspielung gemacht", frotzelt Steinmeier.

Ein paar Räume weiter im Bayerischen Hof geht es Seehofer selbst nicht viel anders. Denn es gehört zum Reiz einer solchen internationalen Konferenz, in der hunderte von Politikern und Journalisten auf engem Raum versammelt sind, dass sich Neuigkeiten blitzschnell verbreiten. Also stellen Kamerateams den nach draußen eilenden Seehofer noch im Eingangsbereich. Der sagt nur kurz angebunden: "Ich muss erst mal mit ihm reden, ich bin doch gerade erst rausgekommen." Dann eilt er in die Staatskanzlei. Auch der parlamentarische Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Christian Schmidt (CSU), reagiert verblüfft.

Und der Kanzlerin ging es nicht anders. Eigentlich war Angela Merkel stolz darauf, dass sie ihr Kabinett in dieser Legislaturperiode so gut zusammengehalten hat. Jetzt zerschlägt Glos ihr Konzept - und will damit offenbar der CSU die Besetzung des Postens des Wirtschaftsministers auch nach der Bundestagswahl sichern. Denn ein frischer CSU-Minister, der sich bis September bewährt, wäre bei einer Unionsbeteiligung in der Regierung schwerer auf einen anderen Posten abzudrängen, so der Hintergedanke.

Die Neuigkeit schlägt deshalb Wellen bis nach Wiesbaden, wo der frisch gewählte Ministerpräsident Roland Koch als heißer Kandidat für den Posten des Wirtschaftsministers nach der Bundstagswahl gehandelt worden war. Nun jedoch prescht die CSU vor. Statt in der gemeinsamen Pressekonferenz mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy noch Fragen zu beantworten, eilte die Kanzlerin nach kurzen Statements von dannen. Denn Glos hatte nun auch sie telefonisch von seinem Schritt informiert. Nun muss die Kanzlerin die Unions-Aufstellung in der Bundesregierung sortieren.

Auch für Seehofer und den CSU-Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg, eigentlich einem Transatlantik-Fan, ist die Münchner Sicherheitskonferenz damit erst einmal beendet. Denn nun gibt es plötzlich drängendere Themen als die Abrüstung oder die richtige Antwort auf das iranische Atomprogramm. Es geht um die Macht - und um Posten.

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