Reaktionen
Kritik an Erdogans Bildungs-Plänen wächst

Nicht nur Grünen-Vorsitzende Claudia Roth hat den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan wegen seiner Äußerungen zur Integrationspolitik kritisiert. Auch das Zentrum für Türkeistudien sieht keinen Bedarf an türkischen Schulen in Deutschland. Die Reaktionen auf die Rede hält der Direktor des Instituts aber trotzdem für übertrieben.

HB ESSEN. Das Zentrum für Türkeistudien (ZfT) in Essen hat Unverständnis für die harschen Reaktionen auf die Kölner Rede des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan geäußert. ZfT-Direktor Faruk Sen erklärte am Dienstag in Essen, dieser habe in der Kölnarena nichts gesagt, „was nicht auch eigentlich Konsens in der deutschen Integrationspolitik ist“. Den Vorschlag Erdogans zur Gründung türkischer Bildungseinrichtungen in Deutschland lehnte Sen allerdings ab.

Die Zuwanderungskommission der Bundesregierung habe bereits 2001 die Maxime von der Integration als Chancengleichheit ausgegeben, die nicht im Widerspruch zur Bewahrung kultureller Identität stehen dürfe. Nichts anderes habe der türkische Regierungschef gefordert, sagte Sen. „An dem Jahrzehnte alten Streit darüber, wie viel Anpassung erfolgreiche Integration erfordert, nun eine politische Auseinandersetzung zu entzünden, zeugt von großer Unkenntnis der gesamten Diskussion der letzten Jahre.“

Der ZfT-Direktor sagte, Assimilation sei zwar der sicherste Weg zu gesellschaftlicher Teilhabe. „Wer sich nicht mehr von den Deutschen unterscheidet, hat selbstverständlich die größte Chance auf Gleichbehandlung.“ Doch nicht alle Einwanderer wollten oder könnten diesen Weg gehen. Dass sich viele Türken Deutschland nicht zugehörig fühlten, liege jedoch nicht in erster Line am Verhalten der türkischen Regierung, „sondern an der jahrzehntelangen Politik der Bundesrepublik, die eher auf Rückkehr der Zuwanderer statt auf Integration und Einbürgerung gesetzt hatte“.

Zugleich lehnte Sen den Vorschlag Erdogans ab, in Deutschland türkische Bildungseinrichtungen zu gründen. Den Hinweis auf die Existenz deutscher Schulen und Universitäten in der Türkei lasse er nicht gelten: „In einem Fall handelt es sich um ein Elitenphänomen, während bei Erdogans Vorschlag die Gefahr bestünde, Chancenungleichheit zu reproduzieren.“

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