Reaktionen
Wie Facebook zu Edathys Sprachrohr wird

Sebastian Edathy ist abgetaucht, doch über Facebook kommuniziert der Politiker mit der Öffentlichkeit. Und fand sich jetzt in einem SMS-Schlagabtausch mit der Bild-Chefredaktion.
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DüsseldorfLeverkusen-Stürmer Stefan Kießling hat es getan, Schauspielerin Katja Riemann machte es und der Kölner Zoo ebenfalls: Sie alle haben ihre Facebook-Seite zeitweise vom Netz genommen. Stehen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Unternehmen oder Einrichtungen in der Kritik, entlädt sich die fast immer auch in den Sozialen Netzwerken – gerne auch mal deutlich unter der Gürtellinie. Vielen Seiteninhabern wird das einfach zu viel.

Nach seinem Phantomtor gegen Hoffenheim musste sich Stürmer Kießling wüste Beschimpfungen gefallen lassen. Ähnlich erging es Katja Riemann nach ihrem missglückten „NDR“-Interview. Der Kölner Zoo stand im August 2012 in der Kritik, nachdem der Direktor einen Tiger erschoss, der wiederum eine Pflegerin tödlich verletzt hatte. Sie alle entschieden sich für den drastischen Schritt und schalteten den Facebook-Auftritt zeitweise offline - die Notbremse der sozialen Netzwerke.

Jemand der diese Notbremse bisher nicht gezogen hat, ist Sebastian Edathy. Obwohl deutschlandweit die Diskussion nicht abreißen will, fast täglich kommen neue Erkenntnisse in der Causa Edathy ans Licht. Viele sind über das Verhalten des Ex-Bundestagsabgeordneten schockiert – auch auf Facebook. Doch Edathy hat sein Facebook-Profil nicht vom Netz genommen. Mehr noch: Er nutzt es als Sprachrohr zur deutschen Öffentlichkeit. Er teilt nicht nur Artikel und Kommentare, sondern auch seine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und einen SMS-Kontakt mit der „Bild“-Chefredaktion. Auch von einer Presseerklärung erfuhr die Öffentlichkeit via Facebook. Dort kündigte er an, dass er sich am Montag zu den Vorwürfen äußern will.

Dass Edathy wirklich alles teilt, darf nun auch Bild-Chefredakteur Kai Diekmann erfahren. Ein SMS-Duell zwischen seinen Angestellten und Ex-Bundestagsabgeordneten landete am Sonntag auf Facebook. „Wenn das Jagdfieber jedes Anstands-Gefühl überschreitet, hat man´s mit Bild zu tun“, eröffnet Edathy. Nach einem SMS-Schlagabtausch fragt ein namentlich ungenannter Bild-Macher schließlich: „Warum so aggro?“. Einen Screenshot der virtuellen Unterhaltung veröffentlichte Edathy auf Facebook, versehen mit den Worten „Chefredaktion ‚Bild‘ at ist best.“ Inzwischen hat Edathy das Foto wieder entfernt und stattdessen eine Pressemitteilung gepostet.

Doch Edathys Verbleiben auf Facebook hat nicht nur mit Mitteilungsfreude zu tun. Auf dem Sozialen Netzwerk erfährt der ehemalige Bundestagsabgeordnete vor allem eins: Unterstützung. Rund 4.430 Abonnenten zählt seine Seite, knapp 4.560 Menschen sind mit ihm befreundet. Und die scheinen ihm die Treue zu halten.

Der von Edathy veröffentlichte Beitrag eines Kommentars der „Süddeutschen Zeitung“ erreichte 330 Gefällt mir-Klicks, 106 Kommentare. Darunter viele Stimmen wie die von Invi S.: „Was soll Herr Edathy denn noch alles nachweisen, wo doch bereits die Staatsanwaltschaft verfassungswidrig ermittelt? Ein Ermittlungsverfahren hätte gar nicht eröffnet werden dürfen.“ Auch Sören S. findet: „Ja, der Erwerb von Nackbildern von Kindern oder Jugendlichen ist unmoralisch. Aus einen am Boden Liegenden einzutreten, ist es auch! Wenn jeder von uns für die eigenen moralischen Verfehlungen so teuer bezahlen müsste wie Sebastian Edathy, dann Gute Nacht.“

Auch unter der Ankündigung zur Presseerklärung ist der Ton ähnlich: Melanie K. schreibt: „Dem noch hinzu zufügen. Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Das wurde in diesem Fall leider vergessen. Sebastian wird jetzt schon wie ein Straftäter behandelt obwohl er bislang keiner ist. Mir fehlen die Worte...“ Martin M. meint: „Ist leider wie bei Wulff. Die Staatsanwaltschaft hat nichts – strafrechtlich Relevantes – in der Hand und um von den eigenen Versäumnissen nun abzulenken wird alles Mögliche vorgekarrt, was sich recherchieren ließ, um einen Menschen zu ruinieren.“ Zwar kommt auch immer wieder in den Kommentaren die Diskussion über eine mögliche Schuld Edathys auf, der große Shitstorm bleibt allerdings aus – zumindest bisher.

Korrektur: In einer älteren Versions dieses Artikels stand fälschlicherweise, Bild-Chefredakteur Kai Diekmann selbst habe sich per SMS mit Sebastian Edathy ausgetauscht. Das stimmt nicht. Die Nachrichten stammten von einem anderen Mitglied der Chefredaktion des Blattes. Wir haben den Artikel angepasst.

Kommentare zu " Reaktionen: Wie Facebook zu Edathys Sprachrohr wird"

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  • Es ist erschreckend wie wenig die Unschuldsvermutung noch Wert in unserer Gesellschaft hat. Keine Beweise, aber alle verurteilen. das hat schon etwas "Mob-Artiges"! Ich bin mal gespannt wie schnell der Fall Edathy aus der Presse verschwindet, wenn nichts neues kommt! das hat schon etwas von einer Kampagne. Was lernt man im ersten Semester Jura: Im Zweifel für den Angeklagten ... Herr Edathy ist ja nochmal nicht einmal angeklagt! Also liebe Wutbürger: tut euch die Ruhe an. in unserem Staat wird nicht mehr gesteinigt und in diesem Sinne ist die Bibel sehr Weise!!

  • Wo bleibt der Haftbefehl gegen diesen Kriminellen?
    Hier besteht doch ganz klar eine Fluchtgefahr.

  • Nicht vergessen, dass Edathy sich beim NSU-Skandal als Vorsitzender des Untersuchungsausschusses gegen Staatsanwaltschaft und BKA profiliert hat. Jetzt kommt die Retourkutsche. Und es wird darauf rauslaufen, dass Edathy's Leben und Karriere zerstört sind. Wir lernen, das BKA und die Staatsanwaltschaft praktisch ebenso außerhalb parlamentarischer Kontrolle agieren wie die Bild-Zeitung. Wer das nicht wulft, wird es auf die harte Tour lernen.

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