Reaktionen zum TV-Duell
„So nicht noch einmal!“

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Im Netz macht der Hashtag #fragendiefehlen die Runde

Die Berliner CDU fühlte sich nach dem Duell im Bundestagswahlkampf bestätigt. „Die Bundeskanzlerin hat wieder einmal gezeigt, warum die überwiegende Mehrheit der Deutschen ihr vertraut und die Zukunft unseres Landes in bewährten Händen lassen will“, sagte CDU-Fraktionschef Florian Graf. „Ihre Kompetenz, ihre Verlässlichkeit und ihre Souveränität, Eigenschaften, die sie auch in der Diskussion mit ihrem Herausforderer unter Beweis gestellt hat, machen Sie zu der besten Kanzlerin für unser Land“, fügte Graf hinzu.

Für den CDU-Landesvorsitzenden Vincent Kokert ist Merkel als klare Siegerin hervorgegangen. „Merkel hat mit ihren Argumenten klar gewonnen und sicher viele Menschen überzeugt“, sagte Kokert. Schulz sei bei vielen Themen nicht sattelfest gewesen und habe keine ernsthaften Alternativen aufgezeigt. Kokert warnte seine Partei davor, sich siegesgewiss zurückzulehnen. „Wir wissen: Diese Wahl ist noch nicht entschieden“, sagte er. „Darum werden wir die nächsten drei Wochen intensiv nutzen und für jede Stimme kämpfen.“

CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg wertete Schulz' Auftritt als Bewerbung für das Amt des Außenministers. „Wir haben heute, wenn man es etwas flapsig sehen kann, eine Bewerbungsrede eines künftigen Außenministers vor den Augen der Nation gesehen - bei der künftigen Chefin im Zweifelsfall“, sagte Guttenberg in der ARD-Sendung „Anne Will“ und fügte hinzu: „Wobei ich auch hoffe, dass die nächste Konstellation keine Große Koalition ist.“

Der Vorsitzende der Mittelstandsvereinigung von CDU und CSU, Carsten Linnemann, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Debatte sei grundsätzlich spannend gewesen mit einem streitlustigen Kontrahenten. „Schulz ist rhetorisch geschickt, ein Meister der markigen Worte. Sein Problem ist aber, dass seine Einwände nicht auf fruchtbaren Boden fielen. Schließlich hat die SPD im Bundestag die Entscheidungen der Großen Koalition immer mitgetragen.“

Merkel habe sich einmal mehr als Politikerin mit kühlem Kopf und Besonnenheit gezeigt, gepaart mit hoher Sachkenntnis, sagte Linnemann. Zudem habe sie in ihrem Schlussstatement klar erkennen lassen, dass sie die zentralen Herausforderungen der Zukunft, wie die Digitalisierung, angehen wolle.

Aus Sicht der saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) lag Martin Schulz (SPD) beim TV-Duell in einigen Fragen falsch. „Mich hat an der ein oder anderen Stelle gewundert, dass Martin Schulz nicht ganz faktensicher war“, sagte Kramp-Karrenbauer. „Etwa beim Thema Abschaffung der Kita-Gebühren in Hessen.“ In außenpolitischen Fragen sei ihr Eindruck, dass Schulz' Position nicht abgestimmt war mit der SPD. Der Spitzenkandidat hatte den Abbruch der EU-Beitrittsgespräche mit der Türkei gefordert.

Die Generalsekretäre von CDU und SPD, Peter Tauber und Hubertus Heil, hoben die Stärken ihrer jeweiligen Spitzenkandidaten im TV-Duell hervor. Tauber sagte am Sonntagabend im ZDF, die Menschen hätten Kanzlerin Angela Merkel (CDU) „besonnen, ruhig und bodenständig“ erlebt. Heil sagte, SPD-Herausforderer Martin Schulz habe „Kanzlerformat“ gezeigt und deutlich gemacht, dass er gestalten wolle, statt nur die Gegenwart zu verwalten.

Nach Ansicht des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther hat Merkel das Fernsehduell eindeutig gegen ihren Herausforderer Martin Schulz gewonnen. „Angela Merkel war stark und überzeugend“, sagte der CDU-Politiker. „Ich fand sie deutlich souveräner als ihn.“ Schulz sei nach seinem Eindruck sehr aggressiv aufgetreten.

Merkel habe auf alle Fragen gut reagiert und sich nicht überraschen lassen, auch nicht, als Schulz in der Türkei-Frage eine überraschende Position bezogen habe, sagte Günther. Dies bezog sich auf das Plädoyer von Schulz für einen Stopp der EU-Beitrittsverhandlungen mit Ankara. „Ich fand ihn erstaunlich nervös“, sagte der Kieler Regierungschef über den SPD-Kanzlerkandidaten. Die Chance, die ein solches TV-Duell biete, habe er nicht genutzt. In der Sendung seien die Probleme in Deutschland zu kurz gekommen, sagte Günther. Es sei nicht langweilig gewesen, sondern es hätten sich durchaus Unterschiede offenbart.

„Dass es kein Unterhaltungsfeuerwerk werden würde, habe ich gewusst“, sagte Moderator Thomas Gottschalk in der ARD. „Aber es war ja nichtmal ein Feuerwerk.“ Der Satiriker Jan Böhmermann twitterte: „Das #TVduell ist geeignet, Menschen dazu zu animieren, sich aus der Politik zurückzuziehen, selbst wenn sie gar nicht in der Politik sind.“

Das Netz zeigte sich vor allem von der Themenauswahl des Duells enttäuscht. Unter dem Hashtag #fragendiefehlen schrieben Menschen auf Twitter am Sonntagabend, was sie die Kontrahenten stattdessen gefragt hätten. Viele vermissten zum Beispiel Fragen zu sozialer Gerechtigkeit oder Digitalisierung. Eine Nutzerin fragte in Richtung Martin Schulz: „Wann wird Bildung in Deutschland wieder unabhängig vom sozialen Status?“ An die Kanzlerin gerichtet fragte ein anderer: „Frau Merkel, in ihrer Regierungszeit ist die Ungleichheit immer größer geworden. Wie ändern sie das?“

Inklusion, Video-Überwachung, Klima und Tierschutz waren einige der weiteren Themen, zu denen Fragen formuliert wurden. Zeitweise war der Hashtag einer der meistgenutzten im Zusammenhang mit dem TV-Duell.

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Im Netz macht der Hashtag #fragendiefehlen die Runde

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  • Mal ehrlich. Das TV-Duell (schon das Wort "Duell" ist falsch, denn hier duellieren sich nicht die Protagonisten sondern sie legen ihre Ansichten dar, wenn sie vernünftig danach gefragt werden, zeigt aber, was die Journaille gerne hätte) ist so unnötig wie ein Kropf. Wenn man auch nur annähernd das erfahren möchte, was die Kandidaten bzw. Parteien umsetzen wollen, kommt man nicht umhin, die Parteipramme zu lesen. Ohne diese Mühe kein wirkliches Wissen und keine vernünftige Entscheidungsgrundlage. Und mit d i e s e n Moderatorinnen kann so eine Aktion sowieso nur schief gehen.

  • Selbst LIDL ordnet sich unter.

    Es ist bis jetzt wahrscheinlich Niemandem aufgefallen – aber LIDL hat bei allen Produkten, bei denen üblicherweise ein christliches Kreuz zu sehen ist, in der Werbung rigoros entfernt.

    Man darf gespannt auf die nächste Werbeaktion sein, die eine „türkische Woche“ zum Gegenstand hat.


    Vielleicht überlegt auch „Jägermeister“ die Sache mit dem „Kreuz“?

  • @ Anno Nymicus

    Ich kann über die gestrige Giganten-Runde (das letzte Aufgebot?) nichts Schlechtes berichten.

    „….In der Realität allerdings idR gegen Deutsche,….“

    Das ist doch völlig logisch, wo es doch noch so viele Deutsche gibt, denen man ordentlich den Kopf (nebst Inhalt) waschen muss – wenn nötig, eben auch mit Wasserwerfern.

    „…Richtig: Bananenrepublik….“

    Sind Sie noch ganz Banane, solch einen Ausdruck zu verwenden?

    Wissen Sie denn gar nicht, dass Sie inzwischen mit Allem, was sich im Zusammenhang mit Bananen und Staat bisher so schön vermitteln ließ, strafrechtlich belangt werden können.

    Jüngst geschehen in Dresden, als einem Rentner, der seit längerem mit einer Deutschlandfahne, die statt Hammer & Sichel mit appetitlichen (West?)Bananen verziert war, dieses „staatsverachtende“ Stück Meinungsfreiheit weggenommen wurde, seine Personalien öffentlichkeitswirksam (zur allgemeinen Abschreckung) festgestellt wurden und nun ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft gegen ihn eingeleitet wurde.

    „…welche gerne bereit ist die eigene Bevölkerung der Fremdländischen unterzuordnen,…“

    Beispiel für das Handeln der Staatsgewalt in diesem Sinn gefällig?

    Das LG Dresden hat den Haupttäter wg. versuchten Mordes und faktischer Körperverletzung bei einem Angriff auf Ausländer, sowie versuchter Strafvereitelung und Zeigen des Hitlergrußes zu 9 Jahren und 10 Monaten Haft verurteilt.

    Im Vergleich dazu:

    Ein Deutscher wurde Todesopfer des Türken Cihan A.. Tathergang im Vergleich: versuchter Mord mit Todesfolge – also Mord.

    Ein Deutscher wurde Todesopfer eines Marokkaners. Tathergang im Vergleich: versuchter Mord mit Todesfolge – also Mord.

    Im Oktober 2012 wurde Jonny K. zu Tode geprügelt. Die Mörder, vier junge Männer im Alter zwischen 20 und 29 Jahren, jeweils mit Migrationshintergrund.


    Keiner dieser ausländischen Mörder erhielt eine vergleichbare Haftstrafe wie der Deutsche für die „Körperverletzung“.

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