Reaktionen zur Wahl von Nahles
„Eine gigantische Dummheit“

Katzenjammer bei der SPD: Der angekündigte Rückzug von Parteichef Franz Müntefering lässt führende Genossen mit der eigenen Partei hadern. Tenor: Die Anhänger von Andrea Nahles hätten wohl das strategische Denken verlernt.

HB BERLIN. Der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises in der SPD, Johannes Kahrs, reagierte mit scharfen Worten auf die Nominierung der Parteilinken Nahles zur künftigen Generalsekretärin durch den Parteivorstand. "Ich halte das Ganze für eine gigantische Dummheit“, sagte Kahrs der Netzeitung. "Hier wird der Parteivorsitzende der Eitelkeit von Andrea Nahles geopfert.“ Dies sei eine Schwächung der SPD in den Koalitionsverhandlungen. "Ich kann nur hoffen, dass die Vernünftigen in der SPD Franz Müntefering überzeugen können, wieder zu kandidieren.“

Fraktionsvize Ludwig Stiegler sagte: "Es ist ein Unfall passiert, weil Leute entschieden haben, ohne das Ende zu bedenken. Wir müssen uns jetzt neu aufstellen." Über die Nachfolge Münteferings solle die Partei jetzt "ein paar Tage die Klappe halten". In den Koalitionsverhandlungen mit der Union werde sich die SPD hinter Müntefering „scharen, damit kein Schaden entsteht“.

Stiegler warnte zugleich davor, Unmut nun auf Nahles abzuladen. Diese hatte sich bei der Abstimmung über den Posten des Generalsekretärs im SPD-Vorstand mit 23 zu 14 Stimmen gegen Münteferings Kandidaten, Bundesgeschäftsführer Kajo Wasserhövel, durchgesetzt. „Es gab um sie herum Leute, die sie bestärkt und motiviert haben."

Stieglers Kollege an der Fraktionsspitze, Joachim Poß, sagte, er könne die Naivität mancher hochrangiger Sozialdemokraten "nicht nachvollziehen". Der SPD-Agrarminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus, sagte, er sei maßlos enttäuscht. "Ich hätte gedacht, dass die Partei etwas reifer ist."

Der Hamburger SPD-Landesvorsitzende Mathias Petersen kündigte an, sich dafür einzusetzen, "dass Franz Müntefering seinen Rückzug noch einmal überdenkt". Gerade in der jetzigen Situation sei er für die Partei und für das Land "außerordentlich wichtig“, sagte Petersen. "Ich bin entsetzt über das Verhalten derjenigen im Bundesvorstand, die Müntefering das Vertrauen entzogen haben. Das war falsch und dumm."

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