Reallöhne sind stark gestiegen
Niedrige Inflation beschert Deutschen dickes Lohnplus

2015 hatten die Deutschen so viel mehr im Geldbeutel wie seit 2008 nicht mehr: Niedrige Inflation und Ölpreisverfall ließen die Reallöhne um 2,5 Prozent steigen. Besonders eine Einkommensgruppe profitiert besonders.

Berlin, WiesbadenDie niedrige Inflation hat den Deutschen 2015 das größte Lohnplus seit mindestens zwölf Jahren beschert. Die Reallöhne kletterten um 2,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Dies sei der höchste Anstieg seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 2008.

Wegen der geringen Teuerung schlugen die Lohnerhöhungen nahezu vollständig auf die Reallöhne durch, so dass die Menschen eine höhere Kaufkraft hatten, wie aus der am Donnerstag veröffentlichten Auswertung des Statistischen Bundesamtes hervorgeht.

2014 hatte es ein Plus von 1,7 Prozent gegeben. Und 2013 waren die Reallöhne sogar leicht gesunken. Damals lag die Inflationsrate noch bei 1,5 Prozent, 2015 jedoch nur bei 0,3 Prozent. Hauptgrund für die niedrigen Lebenshaltungskosten ist der Ölpreisverfall. Die Nominallöhne, bei denen die Veränderungen des Preisniveaus ausgeklammert werden, legten im vorigen Jahr mit 2,8 Prozent etwas stärker zu als 2014. Damals wurden 2,6 Prozent erreicht.

„Es zeigt sich, dass vor allem Beschäftigte mit eher durchschnittlichen Verdiensten hohe nominale Zuwächse aufwiesen“, teilte eine Statistikerin mit. In den östlichen Bundesländern blieb dabei mehr hängen: Das nominale Plus lag bei 3,9 Prozent, im Westen nur bei 2,5 Prozent: „Da die Durchschnittsverdienste im Osten niedriger sind als im Westen, passt das ins Bild.“

Die meisten Experten rechnen auch für dieses Jahr mit einer sehr niedrigen Inflation. Gleichzeitig dürften die Löhne erneut deutlich kräftiger zulegen als die Preise. Für die Tarifrunde 2016 hat sich die IG Metall für eine Lohnforderung in Höhe von 4,5 bis 5,0 Prozent ausgesprochen. Die Metall- und Elektroindustrie ist mit über 3,5 Millionen Beschäftigten die größte Branche, über deren Löhne im laufenden Jahr verhandelt wird.

Der Einfluss des zum Jahresbeginn 2015 eingeführten Mindestlohns lasse sich auf der vorliegenden Grundlage nicht beziffern, erklärten die Statistiker. Es gibt aber einige Hinweise auf die Wirksamkeit der Vorgabe des Stundenlohns von 8,50 Euro. So erklärte etwa das Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung im Januar, der Mindestlohn habe dazu beigetragen, dass die effektiven Bruttoeinkommen erstmals seit längerer Zeit stärker gestiegen seien als die Löhne von Tarifbeschäftigten. Deren Gehälter hätten real um 2,4 Prozent zugelegt. Besonders stark gestiegen sind im zurückliegenden Jahr die Löhne der ungelernten Arbeiter (+4,1 Prozent) und der geringfügig Beschäftigten (+4,7 Prozent). Im Osten mit seiner niedrigeren Gehaltsstruktur stiegen die Nominallöhne ebenfalls stärker (+3,9 Prozent) als im Westen (+2,5 Prozent).

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%