Rechnungshof moniert grobe Mängel: Bundesagentur soll Firma bei Online-Jobbörse begünstigt haben

Rechnungshof moniert grobe Mängel
Bundesagentur soll Firma bei Online-Jobbörse begünstigt haben

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat nach einem Pressebericht den eigenen Verwaltungsrat beim Projekt Online-Jobbörse getäuscht. Dies gehe aus einem Bericht der Innenrevision hervor, der dem „Münchner Merkur“ (Donnerstag) nach eigenen Angaben vorliegt.

HB MÜNCHEN/FRANKFURT/BERLIN. Die internen Ermittler werfen der BA-Spitze vor, eine Firma begünstigt zu haben. Der Management- und Technologie-Dienstleister Accenture hatte danach Einfluss darauf, dass ein Auftrag von drei Millionen Euro nicht an einen Mitbewerber vergeben wurde. Dem Bericht zufolge verheimlichte die Projektgruppe für den „Virtuellen Arbeitsmarkt“ gegenüber dem Verwaltungsrat, dass Accenture „in enger Abstimmung mit der BA“ die Markterkundung für den so genannten Job-Roboter betrieben hat. „Damit hatte der spätere Auftragnehmer Einfluss auf das Ergebnis der Erkundung“, kritisieren die Ermittler. Beim Job-Roboter handelt es sich um eine Suchmaschine, die selbstständig nach offenen Stellen im Internet fahndet.

Die internen Ermittler bemängeln zudem, dass der Auftrag mit einem Volumen von drei Millionen Euro nicht europaweit ausgeschrieben wurde. Die Online-Jobbörse hatte bereits mehrfach für Negativ- Schlagzeilen gesorgt. So stiegen allein die Ausgaben für Accenture von 65 auf 98 Millionen Euro.

Fast jede dritte Suchabfrage fehlerhaft

Die Stellenvermittlung über die Online-Jobbörse soll zugleich schwere Mängel aufweisen. Zu dieser Einschätzung gelangt der Bundesrechnungshof in seinem Prüfungsbericht an den Wirtschaftsausschuss des Bundestages, berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Fast jede dritte Suchabfrage habe zu fehlerhaften Ergebnissen geführt, heiße es in dem 25 Seiten umfassenden Prüfbericht. Der weit überwiegende Teil der Bewerberprofile und Stellenangebote sei „unvollständig, nicht aussagekräftig oder nicht schlüssig“ gewesen.

Die Vermittlung über den „Virtuellen Arbeitsmarkt“ habe sich damit „im Vergleich zu den bisherigen Selbstinformationssystemen nicht verbessert“, sondern sei teilweise sogar erschwert worden, schreiben die Gutachter. Zudem weise der elektronische Stellenmarkt Defizite in der Funktionstüchtigkeit und Benutzerfreundlichkeit auf. Die Bundesagentur hat für den Aufbau der Internet-Börse etwa 100 Millionen Euro ausgegeben.

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