Rechter Anschlag
Attentat auf Polizeichef: Nachdenken über NPD-Verbot

Nach dem Messer-Attentat auf einen Polizeichef in Passau sieht Bayerns Innenminister Herrmann "ganz neue Gefahren" am Horizont aufziehen. Und: Sollte sich der Verdacht bewahrheiten, dass Rechtsradikale hinter dem Angriff stecken, will Herrmann ein Verbot der NPD auf die Tagesordnung setzen. Der Täter indes ist noch auf freiem Fuß, das Opfer und seine Familie unter Polizeischutz.

HB PASSAU/REGENSBURG. Die Messerattacke auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl könnte Auswirkungen auf den Umgang der Politik mit der NPD haben. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann sagte der „Passauer Neuen Presse“ , dass zwar zuerst geklärt werden müsse, ob es sich definitiv um einen rechtsextremistischen Täter handele. „Wenn es aber so ist, dann wird man in der Tat über ein Verbot der NPD neu nachdenken müssen“, wurde der CSU-Politiker zitiert.

Zum Verbot der NPD gab es bereits einen Anlauf der rot-grünen Regierung unter dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder. Das Verfahren scheiterte jedoch im Jahr 2003, weil die rechtsextremistische Partei von V-Leuten durchsetzt war. Herrmann sagte, die Behörden beobachteten seit geraumer Zeit eine zunehmende Radikalität und Gewaltbereitschaft der rechten Szene. Es handele sich um eine neue Qualität der Gewalt: „Hier wurde jemand außerhalb des eigentlichen dienstlichen Geschehens angegriffen, wurde in seinen Privatbereich hinein verfolgt und aufgesucht. Das gab es in der jüngeren Vergangenheit nicht - auch nicht im rechtsextremistischen Bereich. Da müssen wir uns jetzt offensichtlich auf ganz neue Gefahren gefasst machen.“

Der Chef der Passauer Polizei ist durch die brutale Messer-Attacke eines mutmaßlichen Neonazis schwer verletzt worden. Polizeidirektor Alois Mannichl war am späten Samstagnachmittag vor seinem Wohnhaus in Fürstenzell bei Passau von einem unbekannten glatzköpfigen Mann niedergestochen worden.

Der 52 Jahre alte Beamte war in den vergangenen Monaten mehrfach gegen Rechtsextremisten vorgegangen. Mannichl ist deswegen insbesondere im Internet von den Rechten scharf kritisiert worden. Trotz einer Großfahndung in Niederbayern und dem angrenzenden Österreich konnte der Täter zunächst nicht gefasst werden. Sollten sich die bisherigen Ermittlungsergebnisse bestätigen, sei das „eine Eskalation der Gewalt“, betonte Innenminister Herrmann. Eine derartige Tat habe es in Bayern seit Jahrzehnten nicht gegeben. Man werde mit aller Härte und Konsequenz gegen den Rechtsextremismus vorgehen, betonte der CSU-Politiker auf der Pressekonferenz.

Der etwa 1,90 Meter große Mann hatte Mannichl vor der Tür seines Reihenhauses in der Dunkelheit aufgelauert, ihn zunächst mit nationalistischen Parolen beleidigt und ihm dann ein Messer in den Bauch gerammt. Die elf Zentimeter lange Klinge verfehlte das Herz nur knapp. „Das ist eine Sache von zwei Zentimetern gewesen“, betonte Herrmann. Nach einer Notoperation ist der Polizeichef außer Lebensgefahr. Die Ärzte hoffen, dass Mannichl zu Weihnachten wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden kann. Das Opfer wurde ebenso wie seine Familie unter Polizeischutz gestellt.

In Passau hatte es in diesem Jahr mehrere Polizeiaktionen gegen die rechte Szene gegeben. Im Juli hatten Rechte nach der Beerdigung eines ehemaligen Neonazi-Funktionärs in der Stadt randaliert und mehrere Menschen angegriffen. Da bei der Beisetzung auch eine Hakenkreuzflagge in das Grab geworfen wurde, hatten die Ermittler später das Grab öffnen und die Fahne entfernen lassen.

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