Rechtsgutachten
Neue Runde im Streit um das alte Diplom

Die Wahl zwischen den Uni-Abschlüssen Diplom und Master ist umstritten. Mecklenburg-Vorpommerns Sonderweg wird in einem neuen Gutachten stark angezweifelt, die Arbeitgeber stemmen sich sowieso dagegen.
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BerlinMit aller Macht versuchen die deutschen Arbeitgeber, die Rückkehr zum "Diplom"-Grad in Mecklenburg-Vorpommern zu verhindern und so einer Rückabwicklung der Bologna-Reform auch anderswo im Keim zu ersticken. Ein für die Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeber BDA erstelltes Gutachten kommt zu dem Schluss, dass der Schweriner Sonderweg nicht mit der neuen bundesweit geltenden gestuften Bachelor-Master-Struktur vereinbar ist.
Daher verstoße sie auch gegen die entsprechende Vereinbarung der Bundesländer über die Bologna-Reform, heißt es in der Expertise, die dem Handelsblatt vorliegt. Die neue Regelung sei "Fremdkörper" für die Systematik aller anderen Länder und des Bundes und widerspreche der Landesverfassung, schreibt der Hamburger Staatsrechtler Hans-Heinrich Trute.
Die BDA fordert daher von Mecklenburg-Vorpommern, die Diplomvergabe schnellstens wieder zu kippen, heißt es in einem Brief des Mitglieds der BDA-Hauptgschäftsführung, Peter Clever, an die Bildungspolitiker in Bund und Ländern sowie alle Schweriner Abgeordneten. Der Streit um das Diplom habe die Hochschulen "lange genug von den eigentlichen Herausforderung abgelenkt". Viel wichtiger sei es, vor allem die Lehre zu verbessern und die neuen Abschlüsse Bachelor und Master mit Leben zu erfüllen.
Mecklenburg-Vorpommern hatte Ende 2010 ein neues Hochschulgesetz verabschiedet: Danach dürfen die Hochschulen einzelnen Studenten auf Antrag anstatt einem Master- oder Bachelor-Zeugnis das alte Diplom verleihen. Voraussetzung ist ein mindestens achtsemestriges Studium.

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Kommentare zu " Rechtsgutachten: Neue Runde im Streit um das alte Diplom"

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  • Was Rot-Grün da installiert hat, ist nichts anderes, als die Bildung in Deutschland noch mehr zu verschlechtern.
    So ein Bachelor ist ein Witz, wir züchten uns haufenweise Halbgebildete ran. Der Dipl.-Ing. aus Deutschland war weltweit anerkannt, geschätzt und geachtet, nun hat man ihn mit dieser obskuren Reform gekippt.
    Dass einige in der Wirtschaft das gut finden, ist doch klar. Sie brauchen doch keine Gehälter mehr zahlen wie früher bei einem Dipl-Ing.
    Rückkehr zu den alten Studiengängen in allen Bereichen muß dringend erfolgen
    Ich habe vor vielen Jahren mal in einer englischen Firma gearbeitet und diese Bachelor-Ing. kennen gelernt. Die konnten nicht mal mit den detuschen Technikern konkurieren

  • Jeder Kleinstaat darf machen was er will - das ist Bildung in Deutschland.

    und, wir brauchen keine denkenden Menschen sondern billige Akademiker. Und dafür ist Bacheler/Master geeignet.

    Weg mit dem Diplom, welches zur Achtung des Wissenschafststandorts Deutschland in der Welt beigetragen hat.

  • Bei einem deutschen Uni-Diplom weiß jeder, wo er dran ist, bei den diversen Bologna-Abstufungen ist das fraglich. MV macht es deshalb richtig. Nicht alles, was neu ist, ist auch gut oder besser.

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