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„Rechtspopulismus verharmlost“: FDP und Grüne greifen AfD-Chef Lucke frontal an

exklusivDie Anti-Euro-Partei wehrt sich mit scharfen Worten gegen den Vorwurf der rechten Unterwanderung – und provoziert damit Kritik. FDP und Grüne glaubt der Verteidigungsrede von AfD-Chef Lucke kein Wort.

Bernd Lucke, Professor der Volkswirtschaftslehre und Chef der Alternative für Deutschland. Quelle: ap
Bernd Lucke, Professor der Volkswirtschaftslehre und Chef der Alternative für Deutschland. Quelle: ap

BerlinFDP und Grüne haben dem Chef der Alternative für Deutschland, Bernd Lucke, mangelnde Sensibilität im Umgang mit Rechtspopulisten in seiner Partei vorgeworfen. „Die Art und Weise, wie Herr Lucke den Rechtspopulismus innerhalb seiner Partei verharmlost, zeugt von wenig Geschichts- und Verantwortungsbewusstsein. Herr Lucke muss sich fragen, ob er und seine AfD Teil unseres demokratischen Gemeinwesens sein oder am rechten Rand im Trüben fischen wollen“, sagte der Vize-Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Volker Wissing, Handelsblatt Online.

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Harsche Kritik äußerte auch Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck: "Die AfD ist wie ein Staubsauger für alles, was sich am rechten Rand der CDU und rechts davon tummelt", sagte Beck Handelsblatt Online. So sei Beatrix von Storch    Kopf einer "rechtspopulistischen Allianz" aus den Gruppierungen "Zivile Koalition" und "Initiative Familienschutz", die in letzter Zeit vor allem im Kampf gegen die Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften hervorgetreten ist. "Die Zweifel am gesellschaftspolitischen Kurs der AfD mehren sich", ist Beck überzeugt. "Sie ist ein rechtsoffenes Projekt, Mitglieder kommen auch aus gescheiterten anderen rechtspopulistischen Projekten."

Wer die Anti-Euro-Partei anführt

  • Bernd Lucke, Sprecher

    Bernd Lucke ist Professor für Makroökonomie an der Universität Hamburg, 2004 war er Berater der Weltbank. Lucke sieht sich als „Christdemokrat, der von seiner Partei verlassen wurde“ und so verließ er nach 33 Jahren Mitgliedschaft die CDU, in die er mit 16 eintrat. Er fordert eine geordnete Auflösung des Euro-Zwangsverbandes. Eine Option sei die Einführung von Parallelwährungen. Dafür müsste Deutschland eine Änderung der Verträge erzwingen.

  • Konrad Adam, Sprecher

    Der ehemalige FAZ-Redakteur vertrat schon 2003 die Meinung, dass die fehlende Einheit von Staatsvolk und Staat die EU geradewegs zur Despotie führen müsse. Denn die bürokratische Zentrale in Brüssel ziehe mehr und mehr Kompetenzen an sich, die nicht durch Volkszustimmung legitimiert seien. 2005 bezeichnet er die europäischen Politiker als „zeitgerecht regierende Tyrannen“, die sich von dem „Glauben an den Legitimationsbedarf jeglicher Herrschaft“ losgesagt hätten.

  • Frauke Petry, Sprecherin

    Frauke Petry wurde am 1. Juni 1975 geboren. Sie ist Mitglied des Sächsischen Gleichstellungsbeirats und Landesbeauftragte für Sachsen des Vereins zur Unterstützung der Wahlalternative 2013. Außerdem ist sie Trägerin des Bundesverdienstordens.

  • Patricia Casale, stellvertretende Sprecherin

    Casale wurde 1973 geboren. Sie steht für ein durch die Bürger legitimiertes Europa. Das kann aus ihrer Sicht "zwangsläufig nur ein Europa der Vielfalt und der Toleranz sein, in dem die Einbindung aller demokratisch legitimierten Parteien unserer EU-Partner selbstverständlich ist". Sie ist zudem überzeugt, dass die Wahrheit nie populistisch sein könne, sondern nur die Lüge. "Demokratie lebt von der offenen Diskussion - wir eröffnen sie wieder", sagt sie.

  • Alexander Gauland, stellvertretender Sprecher

    Gauland war bis 2011 Mitglied der CDU und in den 1980er Jahren Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei unter Ministerpräsident Walter Wallmann. Gauland beklagt den Verlust des Konservativen in der CDU und ist ein vehementer Gegner des „Brüsseler Großstaats“. Er war schon immer ein Euro-Skeptiker. Für ihn ist Europa ein „Kontinent der Nationen“ ohne gemeinsame europäische Kultur. Die Einführung des Euro sieht er vornehmlich
    dem Interesse der anderen Staaten geschuldet, ein zu starkes Erstarken Deutschlands zu verhindern.

  • Hans-Olaf Henkel, stellvertretender Sprecher

    Der frühere Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel, wurde auf dem Erfurter Parteitag zum stellvertretenden Sprecher der AfD gewählt. Henkel steht auch auf Listenplatz 2 für die Europawahl.

Lucke hatte zuvor bestätigt, dass einige AfD-Mitglieder früher Parteien aus dem rechten Spektrum angehörten. Er bestritt aber zugleich den von der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung geäußerten Vorwurf der Rechtslastigkeit. "Es gibt keinerlei rechte Unterwanderung", sagte Lucke Handelsblatt Online. Er warnte davor, aus einer Partei mit mehr als 13.000 Mitgliedern "selektiv" einzelne Personen herauszugreifen und dann "in sehr tendenziöser Weise" einen Rechtsruck davon abzuleiten. 

Lucke bestätigte allerdings, dass "einzelne unserer Mitglieder" früher der rechtspopulistischen "Freiheit" angehörten. "Diese sind überwiegend deshalb aus der Freiheit ausgetreten, weil sie islamfeindliche Züge annahm. Das spricht für diese Personen", betonte er. Die "Freiheit" wird inzwischen vom deutschen Inlandsgeheimdienst überwacht. Der bayrische Verfassungsschutz hat im April 2013 den bayrischen Landesverband der Partei zum Beobachtungsobjekt erklärt. 

Lucke verteidigte auch Beatrix von Storch, die für die AfD Berlin auf Listenplatz 2 kandidiert. Von Storch war für die Rückgabe von Ländereien und Schlössern zwischen Sachsen und Neubrandenburg zu Felde gezogen, die den meist adligen Besitzern von der Sowjetunion 1945 bis 1949 "unrechtmäßig entrissen" wurden. Privatrechtliche Auseinandersetzungen der Familie von Storch kenne er nicht und kommentiere sie daher auch nicht. "Frau von Storch hat sich mit ihrem Kampf gegen die angebliche Rettungspolitik große Verdienste erworben", sagte Lucke. Und fügte hinzu: "Sie ist eine untadelige Demokratin."

Die Einschätzung der Adenauer-Stiftung, wonach von Storch eine "vielfach als rechts eingestufte" Internet- und Blogzeitung betreibe, teilt Lucke nicht. "Die ,Experteneinschätzung' der CDU ist offenbar ohne Substanz und rein interessengeleitet." FDP-Politiker Wissing sagte dazu: „Ob man die Kritik der CDU an der AfD nun teilt oder nicht, Herr Lucke zeigt, dass ihm die notwendige Sensibilität im Umgang mit Rechtspopulismus und damit ein Stück demokratisches Verantwortungsbewusstsein fehlt.“

398 Kommentare

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  • 21.09.2013, 00:45 Uhritsme

    Ich finde es jedenfalls erschreckend, mit welch' mangelnder Sensibilität in der öffentlichen Diskussion heute gerne die "Rechtspopulismus"-Keule geschwungen wird, um unliebsame politische Gegner zu diskreditieren. Immerhin gilt in Deutschland noch die Unschuldsvermutung - und das Recht auf guten Ruf.

  • 30.08.2013, 07:57 Uhrgoldeneye

    ICH wähle auch Afd.. und nicht nur ich!

  • 18.08.2013, 07:34 Uhrlensoes


    Bei all den hier versammelten Antidemokraten und deren intoleranten "Billigwundertütensprüch" wähl ich mit Freude und tiefer Üeberzeugung AfD. Schon um "degenererierten Antichristen" eins auszuwischen.

    FDP und Grüne/ CDU-SPD : Garanten von Moral und Demokratie.
    So wird es wohl immer gewesen sein. Schlaf Deutschland schlaf. Die Mutter ist im Euroland...

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