Rechtsradikale Äußerungen
Piraten wegen Nazi-Umtrieben unter Beschuss

Wirbel um den rheinland-pfälzischen Piraten Bodo Thiesen. Trotz provokanter Äußerungen zur NS-Diktatur darf er in der Partei bleiben. Der Zentralrat der Juden ist empört und fordert Konsequenzen.
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BerlinDer Zentralrat der Juden hat die Piratenpartei aufgefordert, konsequent gegen rechtsradikale Parteimitglieder vorzugehen. Hintergrund ist die Entscheidung des Bundesschiedsgerichts der Partei, das Mitglied Bodo Thiesen trotz umstrittener Äußerungen zum Holocaust und zum Zweiten Weltkrieg nicht aus der Partei zu werfen. „Rechtsradikale Einstellungen dürfen auf gar keinen Fall in einer demokratischen Partei toleriert werden“, sagte Zentralratspräsident Dieter Graumann Handelsblatt Online. „Geschichtsrevisionismus und die Verteidigung von Holocaustleugnern dürfen daher nicht ungeahndet bleiben.“ Die Parteiführung müsse jetzt darauf achten, „dass solche Piraten ihr neues Flaggschiff nicht ganz schnell zum Sinken bringen und sie schleunigst über Bord werfen“.

Parteiangaben zufolge soll Thiesen im Jahr 2008 auf der Mailingliste „Aktive“ der Piratenpartei die Thesen eines verurteilten Holocaustleugners verteidigt haben. Thiesen schrieb unter anderem: „Wenn Polen Deutschland den Krieg erklärt hat (und das hat Polen indirekt durch die Generalmobilmachung), dann hatte Deutschland jede Legitimation, Polen anzugreifen.“ Das Parteimitglied bezog außerdem Stellung zu einem Buch des Holocaustleugners Germar Rudolf, der den Zweck und die Funktionsweise der Gaskammern in dem Konzentrationslager Auschwitz bestreitet.

Bis vor einigen Monaten habe auch er geglaubt, dass Auschwitzleugner „einfach nur pubertäre Spinner sind“, schrieb Thiesen den Unterlagen des Parteiausschlussverfahrens zufolge. Weiter wird er zitiert: „Damals hatte ich aber auch noch nicht Germar Rudolf gelesen. Sorry, aber das Buch prägt einfach - zumindest wenn man objektiv ran geht.“

Graumann sagte dazu: „Offensichtlich müssen die Piraten ihren Kompass, wenn es um den Kampf gegen Rechtsradikalismus geht, rasch neu justieren, wenn sie denn überhaupt glaubwürdig sein wollen: So werden sie sicher Schiffbruch erleiden – und zu Recht.“ Er riet der Partei, ihren Kurs „schleunigst und entschlossen“ zu korrigieren, ansonsten würden die Piraten „ihre Zukunft ganz schnell hinter sich haben, noch bevor sie begonnen hat“.

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Piraten wegen Nazi-Umtrieben unter Beschuss

Seite 2:

Grüne: Selbst CSU hätte solche Äußerungen nicht geduldet

Kommentare zu " Rechtsradikale Äußerungen: Piraten wegen Nazi-Umtrieben unter Beschuss"

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  • Werter Ichbins,

    niemand nimmt Ihnen das Recht, alle Aspekte ergründen zu wollen. Ich habe mir das recht herausgenommen, in den 80ern über die Thule zu arbeiten und zu behaupten, daß der Nationalsozialismus eine "okkulte Religion" und keine "politsche Bewegung" war. Ich hatte auch ein Buch gelesen und war beeindruckt, daß man mir etwas "verschweigt".

    Dann stellte ich fest: Niemand verschweigt mir etwas, In Masers "Sturm auf die Republik" stand alles drinne - nur hat eben niemand diesen Aspekt _betont_. Sie verstehen? Betonen ...

    Alle Ihre Kritik ist formuliert. Sie finden Sie in jeder brauchbaren Arbeit, auch Golo Mann läßt keine gute Feder an den Engländern, Russen, Franzosen

    Aber er - wie alle anderen - sehen den WALD!

    Wenn ich über das NS System denke, dann interessieren mich auch andere Dinge "Wie konnten unsere Großeltern auf diesen schmierigen Schreihals hereinfallen?" zB. und gucke in die Gegenwart, um herauszufinden, was heute passiert und wo die Gefahr lauert. das halte ich für zielführender als das Studium rosaroter Blätter.

    Einmal in meiner Lebenszeit konnte ich verstehen, wie es fuktioniert: Als nach NineEleven die amerikanischen Journalisten sich alle selbst "gleichschalteten" und eine Justizministerin gehen musste, weil sie die Wahrheit sagte.

    Diese hirnrissigen Dösbaddel mit ihrem NS-Tick, die unbedingt Nazi spielen wollen - phhhhht, das ist Kinderk*cke, auf die zu starren vernebelt den Blick auf die wirklichen Gefahren: Genmanipulation, Selektion von babies vor der Geburt, das Sarrazinsche Denken von "wertem" und "unwertem", weil einer für den Kapitalismus nicht brauchbar ist, der Hass auf die "Anderen", die einer anderen Religion angehören.

    Warum sollte ich also die "Kriegsschuldfrage", zu der Golo Mann sagte, was zu sagen ist, diskutieren? Haben wir keine anderen Probleme?

    Nope, es gibt halt welche, die andere Probleme haben, das zb. ein bißchen Scham zu empfinden, wenn sie sich fragen: Was hat mein Großvater getan.


  • Ichbins,

    ich verstehe schon - auch wenn ich natürlich nicht zusammenzuckte, als Sie "deutsches Volk" sagten, weil, äh, ich habe keine Ahnung, was das sein soll, dieses "Volk" ... ich kenne nur eine Ansammlung von Individuen, die nun mal zufälligerweise hier geboren sind, und da sind mir eigentlich alle gleich lieb, Deutsche halt. Den meisten geht das wahrscheinlich so, für die "Nation" würden die jedenfalls keinen Krieg mehr führen, eigentlich für rein gar nichts mehr - und das ist schon okay so.

    Daß der Krieg "viele Väter" hatte, schon okay, ich bin nicht blöd, und daß man bei allen Beteiligten deren individuellen Motive herausarbeiten kann, die unangenehm sein können, kein Problem damit ... aaaaber:

    Warum macht das der Wald- und Wiesen-Revisionist. Doch nicht, weil er um die Geschichtsschreibung besorgt ist, die funktioniert hervorragend, da gibt es keine "PC", nur Individuen, die sich kaprizieren und aus der menge herausragen möchten. Das ist okay so.

    Warum macht der W&W-R das also? Weil irgendein Dödel ihm erzählt hat, er müsse sich schämen ein Deutscher zu sein ... und er will sich nicht schämen, also sucht er im Auge des gegenüber den Splitter und will den Balken vor dem eigenen Kopf nicht diskutieren ...

    Was Churchill & sein Bombergeneral sich geleistet haben, das war ein Kriegsverbrechen. Ooops, bin ich ein "Revisonist" - Nope, bin ich nicht, weil das war es - aber:

    Dieses Kapitel müssen die Engländer aufarbeiten. Stalin die Russen. Wenn wir Churchill oder Stalin "aufarbeiten" wollen, dann nur, weil wir uns nicht mit uns selbst beschäftigen wollen, weil wir uns dann schämen müssten für das, was hier auf deutschem Boden, im deutschen Namen, mit deutscher Gründlichkeit passiert ist.

    Sie verstehen? Revisionismus ist "Haltet den Dieb!" während man selbst mit dem Zahngold der Juden über die Grenze geht ...

  • Versailles und die Bildung von Satellitenstaaten war ein riesen Fehler. Man hat es nach dem 2. Wk. auf eine listige Art und Weise (mit ein bisschen Charakterwäsche hier und ein wenig Verklärung der Geschichte da) besser gemacht.

    Meine Literaturempfehlung: Gerd Schultze-Rhonhof - "Der Krieg, der viele Väter hatte"
    AJP Taylor: "The rigins of the Second World War." (Das ist der von mir o.a. Autor)
    Russell Glenfell - "Bedingungsloser Hass?"
    Sie schwirren allesamt im Netz rum.

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