Rechtsruck der AfD

Luckes Anhänger sprechen von „Massenaustritt“

Nach der Niederlage gegen Frauke Petry bei der Wahl zum AfD-Vorsitz wollen Bernd Lucke und seine Anhänger über die Gründung einer neuen Partei entscheiden. Die AfD dementiert indes, dass es Massenaustritte gegeben habe.
Update: 07.07.2015 - 13:21 Uhr 17 Kommentare
Bernd Lucke hat am Samstag das parteiinterne Duell um den Vorsitz der AfD gegen seine Kontrahentin Frauke Petry verloren. Quelle: Reuters
Bernd Lucke

Bernd Lucke hat am Samstag das parteiinterne Duell um den Vorsitz der AfD gegen seine Kontrahentin Frauke Petry verloren.

(Foto: Reuters)

BerlinDer liberal-konservative Flügel der AfD um Parteigründer Bernd Lucke will noch in dieser Woche über eine mögliche Partei-Neugründung entscheiden. Der von Lucke und einigen Mitstreitern im vergangenen Mai gegründete Verein „Weckruf 2015“ teilte am Dienstag mit, man sei entsetzt über den Rechtsruck und den Umgang mit Lucke, der auf dem Parteitag in Essen vom Saalschutz vor aggressiven Parteimitgliedern habe geschützt werden müssen.

Unter dem Eindruck dieser Vorgänge vollziehe sich zur Zeit ein Massenaustritt aus der AfD. Luckes Anhänger vom wirtschaftsliberalen Flügel hatten bereits am Wochenende angekündigt, in den kommenden Tagen über einen kollektiven Parteiaustritt zu entscheiden.

Der AfD-Vorstand wiedersprach dieser Darstellung Luckes von einem „Massenaustritt“: „Die von vielen befürchtete Austrittswelle aufgrund der Richtungsentscheidung ist ausgeblieben. Die Mitgliederbetreuung in der Bundesgeschäftsstelle registrierte zu Dienstag (...) 512 Austritte“, schreibt Pressesprecher Christian Lüth. Das entspreche rund 2,5 Prozent der Mitgliedschaft.

Nach dem Bundesparteitag waren bekannte Gesichter aus der Parei ausgetreten, darunter Ex-BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel, die Europaabgeordnete Ulrike Trebesius, Baden-Würtembergs Landeschef Bernd Kölmel und der Ökonomie Professort Joachim Starbatty.

Am Dienstag schmiss auch AfD-Landesvorsitzender in Rheinland-Pfalz hin. Uwe Zimmermann erklärte zusammen mit zwei weiteren Vorstandsmitgliedern seinen Austritt aus der Partei erklärt. AfD-Sprecher Oliver Sieh bestätigte am Dienstag entsprechende Medienberichte. Grund sei Luckes Niederlage. Die drei Vorstandsmitglieder waren ebenfalls Unterzeichner des „Weckrufs“.

So feierte Petry, so schmollte Lucke

Der Vereinsvorstand von Luckes Weckruf wolle nun bis Donnerstag von den Mitgliedern wissen, welche Konsequenzen sie aus diesen Ereignissen ziehen wollten. Nach dieser Umfrage werde man ein „starkes Signal“ senden. Bei der Wahl zum Ersten Bundesvorsitzenden der AfD hatte Luckes Gegenspielerin Frauke Petry am Samstag mit den Stimmen der Rechtsnationalen gewonnen. Dem Weckruf-Verein hatten Ende Mai etwa 4000 der insgesamt rund 21.000 AfD-Mitglieder angehört.

Lucke hatte den Weckruf 2015 im Mai gegründet, um seine wirtschaftsliberal orientierten Anhänger in der Partei zu sammeln und sich dem nationalkonservativen Flügel entgegenzustellen. Seine Gegner hatten Lucke daraufhin vorgeworfen, die Partei spalten zu wollen. Der Weckruf 2015 erklärte nun, rund 1500 Mitglieder hätten nach dem ersten Tag des Parteitags mit den Füßen abgestimmt und die Versammlung verlassen.

Der Verein sprach von einem „beispiellosen Massenaustritt“ aus der Partei, die Anfang 2013 als Zusammenschluss wirtschaftsliberaler Eurokritiker gegründet worden war.

  • dpa
  • afp
  • deli
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17 Kommentare zu "Rechtsruck der AfD: Luckes Anhänger sprechen von „Massenaustritt“"

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  • Lucke hatte "aristokratische Führer-Ambitionen" - die Frau Trebesius wohl sympathischer waren als eine demokratische Partei.

    Ja, dann muss sie wohl in die NPD wechseln und Herr Lucke auch. Da fühlen sie sich dann "geführt". Die AfD jedenfalls ist basis-demokratisch.

  • "Massenaustritt"? (:
    Da haben mit Sicherheit in den letzten Jahren (prozentual und in absoluten Zahlen) viel mehr Menschen gedanklich ihren "Austritt" aus der "deutschen" Gesellschaft und aus diesem Staatswesen vollzogen, ohne daß die linksgrünen System.....medien ein solches von ihren Chefs vorgegebenes Geschrei dazu veranstalten...!

  • Frau Ina Pohl von der TAZ wechselt zur Deutschen-GEZ-Welle nach Washington Ende 2015.

    Dann bezahlen wir unfreiwillig einen weiteren GEZ-Sender der angeblich notwendig ist gegen die Russia-Today-Meinung. Frau Pohl dann "in ihrem Element" gegen Russland und für den EU-Zentral-Staat. PFUI !!

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    Frau Trude Springer und Bertelsmann Frau Mohn - als "beste Freundinnen" von Frau Merkel.

    Zustände schlimmer als im Propaganda-China von vorgestern. Jetzt Springer und PRO7/Sat1 auch noch "ehlendig vereint".

    Freie, ehrliche Meinung ADEEEE'

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    LESENSWERT !

    "Nach dem Bundesparteitag, Frauke Petry: Kein Kurs­wechsel bei der AfD.

    Frauke Petry betont, es gebe mit ihr als AfD-Vorsitzende KEINEN vielerorts kolportierten Kurswechsel nach »rechts«. Man stehe programmatisch immer noch zu den gleichen Inhalten wie 2013, nur daß es keine Zuschneidung auf eine Person mehr gebe und man wieder offener diskutiere. ..."

    Die Presse in Deutschland spukt synchron "Gift und Galle" aus dem nichts. Vorher wurde Lucke als "Führer" verunglimpft - jetzt wird er als "Retter" überhöht. Die Presse in Deutschland ist "ferngesteuert und schizophren". Anders kann man sie nicht mehr bezeichnen. Tut mir Leid.

    Frau Petry öffnet die AfD wieder für interne Demokratie und weg vom Personen-Kult. Das ist gut so.

    http://www.freiewelt.net/nachricht/frauke-petry-kein-kursshywechsel-bei-der-afd-10062594/

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    SCHÄBIGE ERPESSUNG !!

    "Erpressungen durch Lucke und Henkel gehen weiter - AfD-Mittelständler Opfer der Weckruf-Säuberungsaktionen

    Mit Drohungen versucht Hans Olaf Henkel, AfD-Mitglieder zum Beitritt zu Bernd Luckes »Weckruf« zu bewegen. Doch der Angesprochene Müller will keinen »Loyalitäts-Blankoscheck« ausstellen. ..."

    http://www.freiewelt.net/nachricht/afd-mittelstaendler-opfer-der-weckruf-saeuberungsaktionen-10062539/

    Lucke will "verbrannte Erde" hinterlassen und das ist einfach nur "mies und schäbig".

  • Laut offizieller AfD-Mitteilung sind aktuell ca. 2.5% ausgetreten. Unter einem Massenaustritt verstehe ich da etwas anderes. Es werden im Endeffekt wohl 10% und das wird die AfD auch überstehen!

  • In der CDU gab es "Massenaustritte" wegen des Linksruck! Die AfD nimmt nur den verwaisten Flügel ein. Ohne rechten Flügel dreht sich auch der Bundesadler nur flugunfähig im Kreis.

  • Wer ist heutzutage "Rechts"? Heute ist in der veröffentlichten Meinung schon "Rechts", wer
    -aus einer "normalen" Familie stammt und auch selbst der Meinung ist, eine Familie bestehe aus Mann, Frau und Kindern.
    -einer geregelten Arbeit nachgeht und wer
    -NICHT schon von Anfang an beabsichtigt, als Dauerzustandsstudent oder ähnlich Parasitäres der Allgemeinheit zur Last zu liegen,
    -die Meinung vertritt, deutsche Politik müsse gemäß ihres Amtseides zunächst vorrangig die Interessen des eigenen Volkes vertreten
    -die Meinung vertritt, es sei absolut überheblich und unmöglich, das Sozialamt für die halbe Welt sein zu wollen und alle "Mühseligen und Beladenen" hier aufnehmen zu können.
    Wer darüber hinaus dann noch die Dreistigkeit besitzt zu behaupten, Der ISlam gehöre nicht zu Deutschland, ist in der veröffentlichten Meinung, nicht nur "Rächtz", sondern geradezu das Allerletzte, völlig "unten durch", unvorzeigbar in den staatlich indoktrinierenden Massenmedien und absolut IGITTPFUIBÄH!!

  • Also ich bleibe Mitglied, wieso auch nicht, weil wir keine FDP 2.0 oder CDU hörige Partei die zur Mehrheitsbeschaffung dienen soll, werden wollen ?.
    Natürlich geht es darum den Altparteien gehörig auf die Nerven zu gehen und möglichst viele Prozente einzusammeln.
    Und die werden jetzt sicherlich so ganz langsam nervös, ich persönlich kenne auch viele die gerade jetzt eintreten, sowas sollte man dann auch erwähnen

  • @Fred Schmitz
    Mit ihrem Kommentar zeigen Sie nur,dass Sie bis dato noch nicht verstanden haben, was die AfD wirklich ausmacht. Das ist die Offenheit und den Mut zur Wahrheit über Tabuthemen der deutschen Einheits-Politik-Medienfront zu sprechen und zu diskutieren.
    Und die Flüchtlingspolitik ist nur ein Thema von vielen, vielen anderen.
    Alleine in der Energiepolitik gibt es soviel offen und ehrlich zu diskutieren. Dieser Genderwahn, der von den Grün-Sozialisten eingeführt werden soll bzw. zum Teil schon eingeführt ist. Mit der Wahl von Petry hat die AfD ihre Offenheit über Themen zu diskutieren und zu sprechen erhalten. Das wäre unter Bernd Lucke nicht mehr möglich gewesen. Bernd Lucke will bestimmte Themen als Tabu für die AfD sehen. Und nur SEINE Themen wären dann auch die Themen der AfD. Das hatte mit Offenheit und Freiheit (Mut zur Wahrheit) nichts mehr zu tun.

  • Es gibt keinen Massenaustritt, ich bleibe auch drin.

  • Ob es den Diskutanten hier nun gefällt oder nicht, kenne ich [als keiner Partei je zugehörig] doch schon einige, die nicht wegen dem "Weckruf", sondern dem für sie nicht akzeptablem Rechtsruck der AfD auf der Stelle ausgetreten sind. Wir sollten nicht verkennen, dass unzählige Bürger die AfD ausschließlich deswegen gewählt haben, weil sie der unseligen, unendlich teueren und zudem nutzlosen Euro-„Rettungspolitik“, die keine ist, entgegen treten wollte, nachdem die FDP – die mehrheitlich nur zu gerne zur „EU-Elite“ gehören wollte – in dem Punkt 2010 kläglich versagt hatte. Auch ich werfe der AfD vor, dass sie - nun im EU-Parlament - sich in den letzten Monaten um allerlei Nebenkriegsschauplätze gekümmert hat, aber nicht mit der erwarteten Konsequenz um das, wofür sie einst angetreten ist: um mehr und energischere Opposition gegen das Verschleudern von Milliarden Euro für s. g. "Eurorettungs"-Pakete zu Lasten Ihres und meines Steueraufkommens. Auch beim Thema "Eintreten für mehr Bürgerrechte und gegen das hemmungslose Ausspähen" herrscht Funkstille. Das politische Überleben der AfD wird weniger von der Zahl ihrer Mitglieder abhängen, als von den Wählern, die für sie stimmen. Es ist anzunehmen, dass nach der Wende in der Partei eine beachtliche Zahl abhanden kommen. Nur zur Klarstellung: mir geht es nicht um die Abschaffung des Euros als gemeinsame Währung, allenfalls um eine Reduzierung der Währungsunion auf "stabile" [und disziplinierte] Länder, in jedem Fall aber um einen Stopp dieser nutzlosen Transfers. Genau die sind die Totengräber eines gemeinsamen Europas!

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