Rede am Brandenburger Tor
Wowereit heizt Obama-Streit an

Klaus Wowereit trommelt weiter kräftig für einen Auftritt Barack Obamas vor dem Brandenburger Tor. Er würde sich freuen, wenn Obama "Berlin als Plattform nutzt, um eine bedeutende Rede zu halten", sagte der SPD-Politiker. Doch genau das will Kanzlerin Merkel verhindern.

HB BERLIN. Es wäre die perfekte Kulisse für Barack Obama - das Brandenburger Tor in Berlin. Vor dem Symbol für die Teilung und die Einheit Deutschlands könnte der Präsidentschaftskandidat in gut zwei Wochen erklären, wohin er die USA außenpolitisch steuern will, falls er im November der 44. US-Präsident wird. Der in den USA bei vielen als politischer Messias geltende Demokrat könnte den Europäern Antworten auf die Frage geben, was er - der außenpolitische Nobody - denn anders als Amtsinhaber George W. Bush machen will.

Aber nun könnte ausgerechnet die als große Befürworterin einer starken transatlantischen Partnerschaft geltende Bundeskanzlerin die Rede-Pläne von Obamas Beratern durchkreuzt haben. Über den stellvertretenden Regierungssprecher Thomas Steg ließ Angela Merkel praktisch auf dem Rückflug vom G8-Treffen in Japan mitteilen, dass sie die Rede-Absicht mit "gewissem Befremden" aufgenommen habe.

Wahlkampfauftritte im Ausland seien "unüblich", gab Steg die Meinung seiner Chefin wider. "Kein deutscher Spitzenkandidat käme - weil es nicht als angemessen empfunden wird - auf die Idee, die National Mall (in Washington) oder den Roten Platz (in Moskau) für Kundgebungen zu nutzen."

Grund für die Skepsis der Kanzlerin: Eine solche Obama-Show würde der 71-jährige republikanische Kandidat John McCain wohl kaum toppen können - gleichgültig, wie herzlich er von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) empfangen würde, wenn er vor der Wahl im November ebenfalls eine Reise in die deutsche Hauptstadt antritt. Deutschland, so die Befürchtung, müsste sich Einmischung in den US-Wahlkampf vorwerfen lassen.

Doch vor allem in der SPD in man anderer Ansicht. So macht sich vor allem Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit eine Rede von Barack Obama am Brandenburger Tor stark. Er würde eine Ansprache des US-Senators dort begrüßen. Er würde sich freuen, wenn Obama "Berlin als Plattform nutzt, um eine bedeutende Rede zu halten", sagte er der "Berliner Zeitung". Der Senat werde den Auftritt unterstützen, ihn aber nicht organisieren. "Die Veranstaltung muss von den Amerikanern gemacht werden."

Selbstverständlich werde man die Sicherheit garantieren - das sei die Aufgabe des Landes bei jeder Veranstaltung auf dem Pariser Platz, betonte Wowereit. Den Einwand, Obama sei noch nicht einmal als Präsidentschaftskandidat der Demokraten gekürt und reise daher als Privatmann, ließ er nicht gelten: "Wenn Senator Obama hier spricht, können wir nicht sagen, das ist eine private Veranstaltung."

Auch Außenminister und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat nichts gegen einen Obama-Auftritt an dem Symbolort. "Die Amerikaner haben entscheidend zur Rettung der Stadt Berlin beigetragen, drum sollten wir ihnen auch ermöglichen, an historischen Stätten wie dem Brandenburger Tor aufzutreten", sagte Steinmeier der "Frankfurter Rundschau". Er hoffe, dass die innerdeutsche Diskussion darüber "keinen falschen, gar abweisenden Eindruck erweckt." Der SPD-Politiker fügte hinzu: "Wenn sich Barack Obama entscheidet, eine Europa-Reise zu machen und neben Großbritannien und Frankreich auch Berlin zu besuchen, sollte uns das hochwillkommen sein."

Obama wird am 24. Juli in Berlin erwartet. Er soll beabsichtigen, in einer Rede in Berlin seinen außenpolitischen Kurs deutlich zu machen. Er hoffe, sich damit in die Reihe der US-Präsidenten John F. Kennedy und Ronald Reagan stellen zu können, die 1963 und und 1987 in Berlin weltweit beachtete Reden gehalten hatten, hieß es in der britischen Zeitung "Independent".

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