Rede des Bundespräsidenten
„Ostdeutsche haben den größten Teil des Umbruchs geschultert“

In seiner ersten großen Rede seit dem Amtsantritt vor 100 Tagen hat Bundespräsident Christian Wulff eine stärkere Würdigung der Verdiente der Ostdeutschten nach der Einheit eingefordert. Er attestierte ihnen eine "unglaubliche Bereitschaft zu Veränderungen". Mit Blick auf die Integrationsdebatte betonte Wulff, das Land müsse Verschiedenheit aushalten und wollen.
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HB BREMEN. Bundespräsident Christian Wulff hat den Mut der Ostdeutschen bei der Überwindung der Mauer vor 20 Jahren gewürdigt. "Ich verneige mich vor allen, die für diese Freiheit gekämpft haben", sagte er am Sonntag bei der zentralen Einheitsfeier in Bremen. Die Bereitschaft der Ostdeutschen zur Veränderung sei bislang nicht ausreichend gewürdigt worden. "Die Ostdeutschen waren es, die den allergrößten Teil des Umbruchs geschultert haben, damit unser Land wieder zusammenfand", betonte der Bundespräsident in seiner ersten großen Rede seit Amtsantritt vor knapp 100 Tagen.

An der Feier in Bremen nahmen neben Wulff auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundes- und Landespolitiker sowie führende Vertreter aus Wirtschaft und Gesellschaft teil. Zuvor war im Dom der Hansestadt bei einem ökumenischen Gottesdienst des 20. Jahrestages der Deutschen Einheit gedacht worden. Am Abend will der Bundestag vor dem Berliner Reichstagsgebäude mit einem künstlerischen Programm an die Wiedervereinigung erinnern. Der Festakt findet in Bremen statt, weil das Land den Vorsitz im Bundesrat innehat.

In seiner Rede stellte klar, welche Herausforderungen die Einheit für die Menschen inOstdeutschland gebracht habe: "Sie mussten ihr Leben gewissermaßen von Neuem beginnen, ihren Alltag neu organisieren, Chancen nutzen. Sie haben es getan mit einer unglaublichen Bereitschaft zur Veränderung", sagte Wulff. Dies sei bis heute nicht ausreichend gewürdigt worden.

Der Bundespräsident fügte hinzu, durch die Wende sei auch Erhaltenswertes verloren gegangen. Unendlich viel Wertvolles sei jedoch gewonnen worden: "Die Erfahrung der Menschen, dass sie mit ihrem Mut zur Veränderung ihr eigenes Leben in Freiheit gestalten konnten. Damit haben sie unserer deutschen Geschichte ein wichtiges Kapitel hinzugefügt."

Auch 20 Jahre nach der Einheit stehe Deutschland vor der Aufgabe, mit diesem Mut zur Veränderung neuen Zusammenhalt zu finden, sagte Wulff. In einer sich rasant verändernden Welt hätten sich Alltag und Lebensentwürfe gewandelt. Das Versprechen aller Gewissheiten sei zumeist trügerisch. Ein freiheitliches Land lebe von Vielfalt und unterschiedlichen Lebensentwürfen sowie der Aufgeschlossenheit für neue Ideen. Gleichwohl gefährdeten zu große Unterschiede den Zusammenhalt. Die Aufgabe der deutschen Einheit heute laute daher: "Vielfalt schätzen, Risse in unserer Gesellschaft schließen - das bewahrt vor Illusionen, das schafft echten Zusammenhalt."

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  • Rauchen schadet nicht der Gesundheit.
    Gez. Dr. Marlboro
    Am Ende müssen wir der DDR noch dankbar sein und finanziell entschädigen!

  • Herr Wulff, ihre Zeit ist schon abgelaufen, haben Sie das noch nicht bemerkt? Niemand applaudiert oder will Sie hören. bitte schweigen Sie und gehen einfach weiter! bei C. Wulff denke ich immer nur noch an den kürzlichen Vergleich des Wall Street Journals von Wulff mit dem mit dem rumänischen Diktator Ceausescu. Das war eine Sternstunde für den kritischen Journalismus!

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