Rede sollte nur der Anfang gewesen sein
Konzernchefs fordern Schröder zum Handeln auf

Vorstandschefs deutscher Großkonzerne haben die Reform-Rede von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) überwiegend als zu zaghaft kritisiert und Rot-Grün aufgefordert, endlich zu handeln.

Reuters DÜSSELDORF/MÜNCHEN. „Als Unternehmer bin ich von der Rede des Bundeskanzlers eher enttäuscht“, sagte Metro-Chef Hans-Joachim Körber am Freitag in Düsseldorf. Einige der angekündigten Reformen am Arbeitsmarkt und den Sozialsystemen wiesen in die richtige Richtung, müssten aber deutlich weitgehender sein. „Die Zeit der Reden sollte nun vorbei sein, es muss gehandelt werden.“

Der Vorstandschef des Touristikkonzerns Tui, Michael Frenzel, bezeichnete die Regierungserklärung als „sehr mutige Rede“. Allerdings sei dies nur ein Anfang. „Die großen Strukturprobleme, zum Beispiel im Bereich Rente und Gesundheit, müssen ebenso energisch angepackt werden“, sagte Frenzel, der der SPD angehört.

„Wir müssen jetzt Taten sehen, und das kann nur sein: mehr Verantwortung, mehr Eigeninitiative, weniger Staat“, sagte auch BMW-Chef Helmut Panke. Zugleich forderte er eine Senkung der Beitrags- und Abgabenlast. Zu Schröders Ankündigung, auch die Unternehmer in Deutschland müssten ihren Beitrag leisten, sagte Panke: „Die Unternehmer, egal ob groß oder klein, haben in der Vergangenheit durch Einstellen, Produzieren und Dienstleisten schon Verantwortung übernommen.“

„Ein durchgängig strukturiertes Programm für den Wirtschaftsstandort Deutschland, das zu weniger Staat und zu einem nachhaltigen Wirtschaftswachstum führen sowie insbesondere die Binnenkonjunktur stärken würde, war heute weit und breit nicht zu erkennen“, kritisierte Karstadt Quelle-Chef Wolfgang Urban.

Unter dem Schlagwort „Agenda 2010“ hatte Schröder in einer mit Spannung erwarteten Regierungserklärung angekündigt, die Lohnnebenkosten zu senken und Leistungen für Arbeitslose zu kürzen. Der Bundeskanzler plant zudem, die Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammenzulegen, kommunale Investitionen zu fördern und den Kündigungsschutz für Kleinbetriebe zu lockern. Auch führende Volkswirte hatten sich enttäuscht zu den Vorschlägen geäußert und sie überwiegend als zu zaghaft kritisiert.

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