Rede während der zentralen Gedenkveranstaltung im Reichstagsgebäude in Berlin
Köhler: Es gibt keinen Schlussstrich

Bundespräsident Horst Köhler hat von dauernder Scham der Deutschen angesichts des von ihnen entfesselten Zweiten Weltkrieges und des Juden-Mordes gesprochen, zugleich dem Land aber 60 Jahre nach Kriegsende einen tiefen Wandel attestiert.

HB BERLIN. „Wir haben die Verantwortung, die Erinnerung an all dieses Leid und an seiner Ursachen wachzuhalten, und wir müssen dafür sorgen, dass es nie wieder dazu kommt“, sagte Köhler am Sonntag bei der zentralen Gedenkveranstaltung im Reichstagsgebäude in Berlin. „Es gibt keinen Schlussstrich.“ Er machte aber auch deutlich: „Das Land hat sich von seinem Inneren her verändert, und das ist erst recht ein Grund zur Freude und Dankbarkeit.“ Dieser Dank werde vor allem den Siegern geschuldet, die den Deutschen eine Chance gegeben hätten. „Wir haben aber auch die Gewissheit, dass wir Deutsche den Weg zu unserer freien und demokratischen Gesellschaft aus eigener Begabung zur Freiheit gegangen sind“, sagte Köhler. Deutschland werde in der Welt wieder geachtet. „Wir haben heute guten Grund, stolz auf unser Land zu sein.“ Auch Künstler und Intellektuelle hätten nach dem Krieg Aufräumarbeit geleistet und die Gesellschaft durchlüftet: „Deutschland hat geistige Weite wiedergewonnen.“

Der Bundespräsident räumte ein, es gebe in Deutschland auch noch Unbelehrbare, die zurück zu Rechtsextremismus und Rassismus wollten. „Aber sie haben keine Chance“, sagte er.

Nicht direkt ging Köhler auf die diskutierte Frage ein, ob die Deutschen sich durch das Kriegsende befreit gefühlt hätten. „Die meisten Deutschen waren erleichtert darüber“, sagte er. Er verwies auf die millionenfache Morde in deutschem Namen an Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen und Behinderten genauso wie an die Opfer deutschen Wütens vor allem in Polen und der Sowjetunion. Köhler sprach aber auch das Leid der zivilen Opfer des Bombenkrieges gegen Deutschland, der Vertriebenen und der massenhaft vergewaltigten deutschen Frauen an. „Wir trauern um alle Opfer, weil wir gerecht gegen alle Völker sein wollen, auch gegen unser eigenes."

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