Rededuell
Der Mainzer gibt den Staatsmann

Bei der abschließenden Debatte über den neuen EU-Vertrag ist es heute zum ersten Rededuell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem möglichen SPD-Herausforderer Kurt Beck im Bundestag gekommen. Wer war der Sieger nach Punkten?

BERLIN. Die Spitze ist fein gewählt. Angela Merkel redet gerade über das Subsidiaritätsprinzip in Europa: „Es ist die Frage, wann etwas besser in Brüssel, in Berlin oder in Mainz entschieden wird“, sagt die Kanzlerin beiläufig. Der Plenarsaal lacht. Doch fünf Meter hinter der Rednerin wirkt ein seltener Gast nur wenig amüsiert.

Er macht sich eine Notiz in seine Karteikarten. „Ich finde das Beispiel mit Mainz angemessen“, kontert Kurt Beck später. Schließlich seien die Pfälzer 1832 beim Hambacher Fest schon auf dem Weg zur demokratischen Einheit gewesen, „als in Bayern noch Truppen gegen alles Mögliche kämpften“. Nun sind die Lacher aufseiten des Ministerpräsidenten.

„Zweite und dritte Lesung eines Gesetzes zum Vertrag von Lissabon“, steht auf der Tagesordnung des Bundestages. Doch um die mühsame Geschichte der Reform der Europäischen Union geht es für viele Auguren nur am Rande: Erstmals seit Becks Wahl zum SPD-Chef ergreift er im Parlament das Wort und erwidert damit direkt auf die CDU-Chefin. Wer ein heftiges Rededuell erwartet hat, der wird enttäuscht. Doch eine überraschende Antwort bietet die Debatte auf die Frage, ob der von desaströsen Umfragewerten geplagte Pfälzer der Kanzlerin auf Augenhöhe begegnen kann: Er kann.

Jedenfalls dann, wenn Merkel 20 Minuten lang tonlos einen relativ uninspirierten Text vorliest. Dort ist zwar vom „großen Projekt“ der Einigung Europas die Rede, doch dann wird es unverbindlich. Eine „spannende Sache“ werde es, wie der neue Hohe Vertreter für Außenpolitik seine Arbeit aufnehme, sagt Merkel, und dass man die Globalisierung politisch gestalten wolle. Mit dem Lissabonner Vertrag sei die EU „ein ganzes Stück näher an die Menschen herangerückt“. Das klingt wie eine Überleitung zu Beck, der immer „nah bei den Menschen“ sein möchte.

Mit angespanntem Körper hat der SPD-Chef die Rede verfolgt. Er trägt einen schwarzen Anzug und eine silberne Krawatte. Als Staatsmann will er vor die Abgeordneten treten und endlich all jene widerlegen, die ihn als provinziellen Fremdkörper auf dem Berliner Parkett karikieren.

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