Rednerhonorare: Steinbrück in der Defensive

Rednerhonorare
Steinbrück in der Defensive

Sein üppiges Rednerhonorar aus Bochum lastet immer schwerer auf dem designierten SPD-Kanzlerkandidat. Nun räumte er erstmals ein, er habe „Fehler“ gemacht. Und schon gibt es neue Vorwürfe aus der Schweiz.
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HamburgIn der Debatte um seine Nebeneinkünfte hat der designierte SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück Fehler eingeräumt. Es sei falsch gewesen, das Honorar von 25.000 Euro für den Auftritt bei den Bochumer Stadtwerken anzunehmen, sagte der SPD-Politiker nach Berichten von „Spiegel Online“ und „sueddeutsche.de“ am Sonntag bei einer Veranstaltung in Hamburg. Ihm habe hier das „Fingerspitzengefühl gefehlt“. Ein solches Honorar sei unverhältnismäßig. „Ich dokumentiere diesen Fehler jetzt indirekt dadurch, dass ich das Honorar an drei wohltätige Organisationen spende“, sagte er den Berichten zufolge weiter.

Am Wochenende wurde ein neuer Vorwurf laut. Nach einem Bericht der „Neuen Zürcher Zeitung am Sonntag“ hat der SPD-Politiker einen Nebenverdienst in der Schweiz in Höhe von 1500 Euro nicht deklariert.

Schon am Samstag hatte Steinbrück beim Landesparteitag der niedersächsischen SPD in Wolfsburg selbstkritisch eingeräumt: „Der Wind bläst mir im Augenblick ins Gesicht. Ich weiß, dass Teile der Partei etwas davon abkriegen.“ Zugleich sagte der designierte Kanzlerkandidat vor den Delegierten, er verstehe nicht, warum immer nur die anderen Geld verdienen sollen und kein Sozialdemokrat. In Niedersachsen wird am 20. Januar ein neuer Landtag gewählt.

Dass er das Honorar aus Bochum spenden wolle, war bereits am Freitag bekannt geworden. Weil der frühere Finanzminister das Vortragshonorar bereits komplett versteuert zahlt er zusätzlich 13.000 Euro aus eigener Tasche drauf, berichtete die „Bild“.

Bei dem neuen Vorwurf aus der Schweiz geht es laut „NZZ am Sonntag“ um ein Honorar von 1500 Euro, das der Politiker vor zwei Jahren für einen Vortrag beim Ringier-Verlag, dem größten privaten Medienunternehmen der Schweiz, erhalten habe.


Steinbrücks Sprecher Michael Donnermeyer dementierte dem Bericht zufolge. Der Ringier-Verlag habe für Steinbrücks Auftritt in Zürich kein Honorar gezahlt, sondern eine Spende überwiesen. „Deshalb musste er den Anlass auch nicht deklarieren“, wird der Sprecher zitiert. „Ringier hat für Steinbrücks Rede Geld gespendet.“ Ein Sprecher des Verlags sagte dagegen, das Geld sei an Steinbrück gezahlt worden. „Er hat dafür das in solchen Fällen übliche Honorar von 1500 Euro erhalten.“

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Müntefering stellt sich hinter Steinbrück

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  • Bevor ich jemals wieder SPD GRÜNE CDU CSU FDP LINKE wähle, stecke ich lieber einen Espressolöffel in die Steckdose und genieße die voll Dröhnung, um danach die zu wählen, vor denen diese Räuber warnen.

    Da ist mir Jugend forscht lieber, mit neuem Wahlverhalten, als durch immer mehr und länger arbeiten zu verarmen, erbärmlich meinen Untergang untätig zuzusehen!

    Ich bin doch nicht BLÖD
    und wähle bei vollem Verstand meine Abschaffung
    durch SPD GRÜNE CDU CSU FDP LINKE …

    Intelligent ist …
    mal was Neues zu probieren!

    Noch beschissener kann´s doch für uns Deutsche gar nicht mehr werden,
    als mit SPD GRÜNE CDU CSU FDP LINKE!

    Ich entschuldige mich natürlich auch für meinen Verstoß gegen Community Richtlinien sowie die Netiquette.

    Wie soll ich denn die Kontenance bewahren,
    wenn ich kontinuierlich immer mehr ausgeraubt werde,
    und mein Land vor die Hunde geht?

    Ich wähle jetzt erst RECHT ANDERS!

  • Na, wenn Vortrags-Peer auf "Mitarbeiter" wie Ulrich 62 angewiesen ist, um seine "Vortrags-Flecken" reinzuwaschen, kann er gleich seinen Kandidatenstatus an Steinmeier oder Gabriel abgeben.
    Ulrich62 ist leider nur penlich und schadet Steinbrück mit seinen schrägen "Argumenten" mehr als dass er ihm irgend einen Nutzen bringt.
    Steinbrück ist durch die unverhältnismäßig reichlichen Honorare ein "angefütterter" Kandidat.
    "Anfüttert sein" ist die Bezeichnung für einen Begünstigten im Vorfeld von Korruption.

  • • Steinbrück erklärte die IKB für »systemrelevant« (vermutlich hatte das damit zu tun, dass Steinbrück den Banken, die bei einer Insolvenz Geld verloren hätten, einen Gefallen tun wollte!), mit sogenannten Produktinnovationen, neuen Formen der Verbriefung und Derivaten, wollte den Finanzstandort Deutschland auf Augenhöhe mit London und New York bringen. Diese Papiere sollten wenige Jahre später als ABS, CDO und CDS zu weltweit (trauriger) Berühmtheit gelangen. Zudem war Steinbrück während der IKB-Krise im Vorstand der BfW. Er hat also in der von ihm mit verursachten Krise seine Pflichten als Aufsichtsrat verletzt.
    • Bereits ein Jahr vor dem Zusammenbruch von Lehman Brothers geriet die deutsche Mittelstandsbank IKB in Schieflage. Die Gläubiger wurden mit rund 10 Milliarden Euro Steuergeldern ausbezahlt. Das Mantra der Systemrelevanz war geboren, doch nie war es unzutreffender als bei der unbedeutenden IKB.
    • Noch teurer kam den Steuerzahler ein Jahr später Steinbrücks Blankoscheck für die Gläubiger der Hypo Real Estate (HRE) zu stehen. Zusammen mit seinem Staatssekretär Jörg Asmussen ließ sich Steinbrück von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in einer Nacht-und-Nebel-Aktion über den Tisch ziehen. Er sicherte den Banken eine Übernahme der Verbindlichkeiten der HRE zu, die den Steuerzahler insgesamt wahrscheinlich mehr als 100 Milliarden Euro kosten wird.
    • An der Einführung der Abgeltungsteuer für Kapitalerträge war Steinbrück 2009 als Finanzminister der Großen Koalition ebenfalls maßgeblich beteiligt, mit 25 Prozent liegt sie deutlich unter dem Einkommenssteuersatz.
    • Nennenswerte Gesetzesinitiativen zur Regulierung der Finanzmärkte blieben während seiner Amtszeit aus.
    • Während des Krisenjahres 2008 lehnte er jegliche konjunkturpolitische Antwort auf die Finanzkrise so lange ab, bis er von der Realität überholt wurde und zähneknirschend den Mini-Konjunkturprogrammen zustimmte, die im November 2008 beschlossen wurden. Im Folgejahr erlebte Deutschland die stärkste Rez

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