Reform gefordert
Staatsgeld für die Bischöfe

Die Deutschen zahlen noch immer für Klosterauflösungen vor über 200 Jahren – mehr als 500 Millionen Euro im Jahr. Bischöfe etwa werden davon bezahlt. An eine grundlegende Reform wagt sich die Politik bisher nicht heran.
  • 26

Düsseldorf/BerlinAngesichts der Affäre um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst haben Politiker von Grünen, Linken und FDP eine umfassende Reform des Verhältnisses von Staat und Kirche gefordert. Die über 200 Jahre alten Staatsleistungen an die Kirchen seien überholt, sagte der designierte FDP-Chef Christian Lindner der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Lindner kritisierte besonders, dass Bischöfe Beamtenbezüge erhielten. Dies passe „genauso wenig in die Zeit wie das kirchliche Arbeitsrecht, das das Privatleben der Beschäftigten zensiert“.

Auch Politiker von Linken und Grünen schlossen sich dem Vorstoß an. „Ich unterstütze die Forderungen von Christian Lindner, wonach Staatsleistungen an die Kirchen überholt sind und dringend abgelöst werden müssen“, sagte der Religionsexperte der Linkspartei Raju Sharma. „Ich freue mich, dass die FDP wieder zu alten liberalen Grundsätzen zurückkehrt.“

Der Grünen-Innenpolitiker Konstantin von Notz verwies auf einen Beschluss seiner Partei. „Wir Grüne haben gerade auf unserem letzte Parteitag am vergangenen Wochenende die Einsetzung einer Kommission beschlossen, die sich mit dem Verhältnis von Kirche und Staat differenziert, tolerant und freiheitlich auseinandersetzen und ein Konzept zur Reform des Verhältnisses zwischen Staat, Kirchen und Weltanschauungsgemeinschaften erarbeiten wird“, sagte von Notz Handelsblatt Online.

Im Parteiprogramm ist zudem davon die Rede, dass auf Bund-Länder-Ebene ein Prozess initiiert werden solle, „der die vom Grundgesetz geforderten Grundsätze der Ablösung der altrechtlichen Staatsleistungen aufstellt. Darüber werden wir mit den betroffenen Religionsgemeinschaften verhandeln“.

Tatsächlich werden die Bischöfe – wie von Lindner kritisiert – in Deutschland vom Staat bezahlt. Sie sind in die Besoldungsgruppen B6 (monatlich gut 8000 Euro brutto) bis B10 (gut 11.000 Euro brutto) eingruppiert. Hinzu kommen Dienstwohnung, Dienstwagen sowie Fahrer. Den geldwerten Vorteil daraus müssen sie versteuern. So kommen sie auf etwa 10.000 bis 12.500 Euro monatlich.

Dass die öffentliche Hand die 27 Bischöfe in Deutschland sowie weiteres leitendes Personal der Kirchen bezahlt, geht auf das Jahr 1803 zurück. Damals wurden fast alle geistlichen Fürstentümer aufgelöst, Klöster und Residenzen enteignet – der kirchliche Besitz machte damals etwa ein Viertel des Besitzes aller deutschen Fürstentümer aus.

Kommentare zu " Reform gefordert: Staatsgeld für die Bischöfe"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich wünsche, dass differenzierter diskutiert und bewertet wird: Richtig und notwendig ist die Schelte wegen hoher Ausgaben, die offenkundig der persönlichen Lebensführung des Limburger Bischofs dienen. Andererseits sollte das Streben nach architektonischer Schönheit nicht pauschal diffamiert werden. Nicht nur zum Erntedankfest sollten wir unsere Kirchen und Altäre mit Gottes Gaben reich schmücken, sondern auch die unvergleichliche Gabe Gottes an uns Menschen, die Befähigung zur Schöpfung, dankbar präsentieren. Unsere Fähigkeit zur Schöpfung unterscheidet uns von allen anderen Lebewesen. In Kunst, Kultur, Technik, Medizin u.v.a. leben wir diese Fähigkeit aus. Wir sollten uns am Bau und Erhalt der Gotteshäuser in der Gegenwart genauso verwirklichen wie die Schaffenden aus der Romanik, Gotik, dem Barock bis hin zur Jugendstilzeit und dem Klassizismus. Regelmäßig besuche ich sakrale Bauwerke und betrachte mit Staunen und Bewunderung, was menschliche Genialität zu leisten vermochte und auch heute noch vermag. Mit unserem Streben sollten wir nicht hinter unseren Altvorderen zurück bleiben. Viele Christen und Angehöriger anderer Religionen leisten dazu umfangreiche Bauspenden. Auch nicht religiös gebundene Bürger unterstützen die Pflege der historischen Substanz gern, denn sie macht unsere Städte unverwechselbar, statt gesichtslos. Deshalb sollten wir Limburg als Anlass wählen, um sinnvollen Gemeinnutz von egozentrischen Ambitionen abzugrenzen.

  • Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst bleibt in Amt und Würden.
    Nur eine kleine Auszeit, verodnet von Rom, aus dem Auge aus dem Sinn.
    ICH KANN NUR EMPFEHLEN AUS DER KIRCHE AUSZUTRETEN !!!!!!
    Glauben kann man auch ohne Rom !!!

  • KLindner,
    welcher Staat hat die Ländereien bekommen? Welche Bür-
    ger?
    Die Fürsten haben die Ländereien für ihre Häuser kassiert, also privat! Das Haus zu Löwenstein z.B. kas-
    sierte große Wälder im Spessart, und, obwohl "aller-
    chrislichst", wurden mit der "Restauration" 1815 die
    neuen Besitzverhältnisse festgeschrieben.
    Wenn also eine "Entschädigung" für die Amtskirche rechtens war, dann bitte durch die Fürstenhäuser selbst!

    Über die "Rechtmäßigkeit" einer Enteignung der Amtskir-
    che durch republikanische Veränderungen kann man strei-
    ten. Woher kam der riesige Besitz einer Organisation, die sich nach ihrem ideologischen Auftrag ausschließ-
    lich der Nächstenliebe und der Armenhilfe zu widmen hatte?
    1815 legalisierte der Adel im "Wiener Kongreß" ihren Diebstahl riesiger Ländereien der Amtskirche, und ließ die Steuerzahler bis heute diesen Diebstahl bezahlen!
    Die Kirche würde zwar ärmer an Ländereien, füllte aber
    in der Folgezeit mit den Staats-Bürger-Abgaben ihre Fi-
    nanz- und Besitz-Säcke wieder auf.

    Bis 1803 waren "Thron" und "Altar" seit dem frühen Mittelalter die "Doppelspitze" in der Unterdrückung und
    Ausplünderung des Volkes!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%