Reformprojekt Gesundheit
Private suchen eine neue Rolle

Die privaten Krankenkassen schlagen neue Wege ein. So wollen sie Kosten senken und gegen Wettbewerber bestehen.

BERLIN. Nach der Reform ist vor der Reform – das gilt nirgendwo mehr als im Gesundheitswesen. Um dem Dunst der politischen Versuchsküche praxistaugliche Rezepte entgegenzusetzen, starten viele Unternehmen der privaten Krankenversicherung (PKV) inzwischen eigene Reformversuche. Vom reinen Kostenerstatter wollen sie sich zum Gesundheitsmanager wandeln. Das Ziel: Ausgaben senken, Wettbewerbsvorteile gewinnen.

Im Gegensatz zu den gesetzlichen Kassen dürfen die Privaten keine Ärzte unter Vertrag nehmen; ihr Vertragspartner ist der Kunde. Sie haben also weniger Einfluss auf das medizinische Angebot und seine Kosten. Dennoch wollen die rund 50 PKV-Unternehmen nicht bloß zuschauen und zahlen. Schließlich haben sich ihre Aufwendungen in den vergangenen zehn Jahren auf mehr als 28 Mrd. Euro verdoppelt. Die Beitragseinnahmen wuchsen aber „nur“ um zwei Drittel auf rund 25 Mrd. Euro. Die Differenz finanzieren die Versicherer, indem sie die Beitragsgelder am Kapitalmarkt anlegen. Die Rendite ist aber seit der Aktienkrise vor vier Jahren und angesichts anhaltend niedriger Zinsen gesunken. Deshalb schnallen auch die Privaten den Gürtel enger.

Ein Instrument, Kosten zu senken, ist das Gesundheitsmanagement, das bei der Beratung der Kunden ansetzt. Vorbeugung soll verhindern, dass Versicherte überhaupt zu Patienten werden. Seit etwa drei Jahren wimmelt es im Markt vor Modellversuchen, doch ob die Rechnung aufgeht, ist fraglich: „Die allgemeinen Gesundheitsprogramme der Versicherer, wie es sie etwa für Diabetiker gibt, helfen auf Dauer wenig, weil die Patienten nach einer Weile wieder ihren ungesunden Gewohnheiten verfallen“, sagt Branchenexperte Reiner Will von der auf Versicherungen spezialisierten Ratingagentur Assekurata.

Wirkliche Einsparungen liefere hingegen vor allem das Einzelfallmanagement. Hier werden Patienten mit besonders kostenträchtigen Erkrankungen gezielt betreut, um etwa Klinikaufenthalte zu verkürzen.

Die größte private Krankenversicherung Debeka hat zudem gute Erfahrungen mit der Prüfung von Hilfsmitteln gemacht. Ziel ist, bei teuren Hilfsmitteln wie computergesteuerten Kniegelenken oder Atemmonitoren den preiswertesten Anbieter zum Zuge kommen zu lassen. „Damit können teilweise erhebliche Einsparungen erzielt werden“, sagt Debeka-Vorstand Herbert Grohe.

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