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26.03.2008 

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, hatte jüngst einen Bericht zum Stand des Netzausbaus vorgelegt und vor Engpässen gewarnt. Auch die Netzbetreiber schlagen Alarm: „Die Übertragungsnetze in Nord-Süd-Richtung haben ihre Kapazitätsgrenze bereits heute erreicht“, sagte Klaus Kleinekorte, Geschäftsführer der RWE Transportnetz Strom GmbH, dem Handelsblatt. Bei starkem Wind, wenn viel Windkraft eingespeist wird, könne „bereits heute nur durch massive und kostenintensive Eingriffe in den marktbasierten Kraftwerkseinsatz ein Netzzusammenbruch verhindert werden“. Auch Eon-Chef Wulf Bernotat spricht von einer ernst zu nehmenden Situation. Allein sein Unternehmen plane 500 Kilometer Stromleitungen, komme bei der Umsetzung aber nicht voran. Der Eon-Chef hat bereits eigene Konsequenzen gezogen und stellt sein Übertragungsnetz – auch auf Druck der EU-Kommission – zum Verkauf.

Mit der geplanten Neuregelung will der Bundesgesetzgeber jetzt den Genehmigungsbehörden vor Ort die Beantwortung der Frage abnehmen, ob ein bestimmtes Vorhaben erforderlich ist oder nicht: Die Grundsatzfrage, ob eine bestimmte Leitung überhaupt gebaut werden muss, stellt sich nicht mehr, sobald die Leitung in der Auflistung des Gesetzes enthalten ist. Zusammen mit der Verkürzung des Rechtsweges kann das ein oder im Idealfall sogar mehrere Jahre Zeit sparen. RWE-Manager Kleinekorte begrüßte es „außerordentlich“, dass der Gesetzgeber Maßnahmen ergreift.

Zu dem Bau neuer Höchstspannungsleitungen gibt es keine Alternative, weil sich in Deutschland Stromproduktion und -verbrauch geografisch zunehmend auseinanderentwickeln: In küstennahen Bereichen hat es einen sprunghaften Anstieg der Zahl der Windkraftanlagen gegeben. Darüber hinaus soll in den nächsten Jahren eine Vielzahl leistungsstarker Windkraftanlagen im offenen Meer entstehen. Der im Norden produzierte Windstrom muss in die Verbrauchszentren im Westen und Südwesten gelangen. Die Dena war schon 2005 zu dem Ergebnis gekommen, dass in Deutschland bis 2020 allein 850 Kilometer Höchstspannungsnetze gebaut werden müssen, um die Windenergie in das Stromnetz aufzunehmen. Bislang konnten die vier Übertragungsnetzbetreiber – Eon, RWE, EnBW und Vattenfall – davon noch keinen Kilometer realisieren.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Unterirdische Verkabelung als Alternative

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