0 Bewertungen
14.09.2007 
Arbeitsmarkt

Regierung nimmt Zeitarbeit ins Visier

von Dietrich Creutzburg

Parallel zur Einführung von Mindestlöhnen für weitere Branchen treibt Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) eine Beschränkung der Zeitarbeit voran. Zeitarbeit dürfe sich nicht als „Dauerarbeit zu künstlich niedrigen Löhnen“ etablieren, sagte Müntefering in der Etatdebatte des Bundestags – die Branche ist empört.

BERLIN. Daher müsse diese Form der Beschäftigung „in vernünftige Bahnen gelenkt werden“. Näheres werde die Große Koalition Anfang 2008 zu entscheiden haben. Die Branche ist alarmiert und warnt davor, den Beitrag der Zeitarbeit zum Aufschwung am Arbeitsmarkt zunichte zu machen.

Welche Verschärfungen er genau plant, hielt sich der Vizekanzler noch offen. Er verwies auf die kürzlich bei der Kabinettsklausur in Meseberg gefassten Beschlüsse. Danach will die Regierung die Entwicklungen im Bereich Zeitarbeit „analysieren“ und „prüfen“. Auf Parteiebene will die designierte SPD-Vize Andrea Nahles indes bereits für den Parteitag Ende Oktober Eckpunkte formulieren. Unter Nahles’ Federführung hatte die SPD auch ihre Strategie zum Mindestlohn entwickelt. Diese wurde später zur Vorlage für Koalitionsbeschlüsse.

Bei der Zeitarbeit ist nun unter anderem im Gespräch, die Dauer der Verleiheinsätze bei einzelnen Betrieben wieder zu begrenzen. Dies soll garantieren, dass Firmen mit Zeitkräften kein Stammpersonal ersetzen. Die früher gültige Begrenzung der Verleihdauer war in den 90er-Jahren schrittweise gelockert und von Rot-Grün im Jahr 2003 ganz aufgehoben worden.

Daneben ist neu in der Debatte, Zeitarbeitern gesetzlich Anspruch auf gleichen Lohn wie für Stammbelegschaften zu verschaffen. Derzeit gelten für Zeitarbeiter Tarifverträge mit Einstiegslöhnen zwischen sechs und 7,50 Euro pro Stunde für einfache Tätigkeiten. Daher besteht vor allem ein Gefälle gegenüber Hochlohnbranchen wie der Metallindustrie.

Die SPD zeigt mit ihrer Marschroute, dass es ihr wie beim Mindestlohn ernst damit ist, Gewerkschaftsforderungen nachzukommen. Vor allem die IG Metall streitet seit Monaten dafür, Zeitarbeit stärker zu regulieren. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat den Kampf nun durch eine Kampagne „Gute Arbeit“ forciert. Die Linksfraktion hat bereits einen Gesetzantrag formuliert, der Zeitarbeitern gleichen Lohn wie Stammbeschäftigten sichern soll. Er wird nächste Woche im Bundestagsausschuss für Arbeit beraten.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Branche sieht sich in Defensive gedrängt.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige
Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Die Milliardärin Penny Pritzker aus Chicago soll nach US-Medienberichten Wirtschaftsministerin in der Regierung des designierten Präsidenten Barack Obama werden. Mit dieser Personalie nimmt die Regierungsmannschaft zwei Wochen nach der US-Wahl allmählich Gestalt an.Bildergalerie 

  • Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlos...

    Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlossen wurde

    Auf dem Weltfinanzgipfel in Washington wollten die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) einen Fahrplan für eine neue Weltfinanzordnung vereinbaren, die eine Finanzkrise, die die ganze Welt in die Rezession treibt, in Zukunft verhindern soll. Was beschlossen...Bildergalerie 

  • Was führende Köpfe vom Finanzgipfel e...

    Was führende Köpfe vom Finanzgipfel erwarten

    Nichts Geringeres als eine neue Weltfinanzordnung wollen die 20 Staats- und Regierungschefs der größten Wirtschaftsmächte am Wochenende in Washington aus der Taufe heben. Was Politiker, Konzernchefs, Ökonomen und andere führende Köpfe aus der Finanzwelt vom Weltfinanzg...Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kein Ausweg aus der Finanzkrise in Sicht  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Hermann-Josef Knipper

Der letzte Tag der „Euro Finance Week“ in Frankfurt hat das ganze Drama der Macht- und Ratlosigkeit der Finanzbranche deutlich gemacht. Nach der harschen Kritik von Bundespräsident Horst Köhler, der nicht weniger als ein neues Weltfinanzsystem gefordert und viele Schuldige benannt hatte, mühten sich Banker, Ökonomen und Notenbanker um Auswege aus der Krise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Deutscher Bauernstaat  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Helmut Hauschild

Die Bundesregierung tut sich mit ihrer Agrarpolitik als Industriestaat keinen Gefallen. Kommentar