Regierung prämiert Henkel und Weleda für Familienfreundlichkeit
Kanzler winkt mit Erziehungsgeld

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat Familienministerin Renate Schmidt (SPD) grundsätzliche Unterstützung für ihren Plan zugesagt, nach der Wahl ein einkommensabhängiges Elterngeld einzuführen. Das sagte Schmidt in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Das Elterngeld soll das bisherige Erziehungsgeld ablösen. Eltern, die zu Hause ein Kind betreuen, bekämen ähnlich wie Arbeitslose für ein Jahr rund zwei Drittel der bisherigen Bezüge.

bag BERLIN. Angesichts der niedrigen Geburtenrate und Frauenerwerbsquote in Deutschland hat der Kanzler die Parole ausgegeben, Deutschland bis 2010 zu einem der familienfreundlichsten Länder Europas machen zu wollen. Instrument sind neben dem Elterngeld der Ausbau der Kinderbetreuung. Daneben sieht die Regierung die Wirtschaft in der Pflicht.

Viele Unternehmen hätten mittlerweile erkannt, dass es sich „sogar betriebswirtschaftlich rechnet, auf die Belange von Familien Rücksicht zu nehmen“, sagte der Kanzler bei der Preisverleihung im Wettbewerb des Bundesfamilienministeriums „Erfolgsfaktor Familie 2005“. Nur Eltern, die ihre Kinder gut betreut wüssten, könnten sich mit ganzer Kraft auf ihre Arbeit konzentrieren. Flexible Arbeitszeiten und familienfreundliche Personalpolitik seien also „ein gutes Geschäft, weil beide Seiten profitieren“, sagte Schröder.

Das Interesse am Wettbewerb zeige, dass Familienfreundlichkeit längst zu einem „harten Wirtschaftsthema“ geworden sei. Die Zahl der Bewerber habe sich seit 2000 auf 366 verfünffacht. Prämiert wurden diesmal die Düsseldorfer Henkel AG und der Kosmetikhersteller Weleda sowie zwei kleine Betriebe.

Nach einer Modellrechnung der Prognos AG für das Familienministerium kann etwa ein Unternehmen mit 1 500 Mitarbeitern durch die Einrichtung von 30 Kindergartenplätzen, fünf Telearbeitsplätzen und einer Beratungsstelle für rund 300 000 Euro unter dem Strich profitieren. Denn die so vermiedenen Kosten für die Suche nach Ersatzkräften, die Überbrückung für Eltern in Elternzeit oder für Zusatz-Fehlzeiten von gestressten Eltern lägen zumindest im Modell bei rund 375 000 Euro und damit höher. Dazu komme der „Wettbewerbsvorteil“ bei der Suche nach knappen Fachkräften, warb Schmidt.

Lange Tradition hat die Familienförderung beim Waschmittelhersteller Henkel. Sein Angebot reicht von flächendeckenden flexiblen Arbeitszeitmodellen über die Kindertagesstätte, die schon seit 1940 existiert, bis zu einem Wohnprojekt für ehemalige Henkel-Mitarbeiter. Zudem bietet das Unternehmen zwei Jahre zusätzlichen Erziehungsurlaub und bis zu sechs Wochen unbezahlten Sonderurlaub pro Jahr im Pflegefall. Wenn ein Kind krank wird, können Eltern zusätzlich zur gesetzlichen Freistellung von zehn Tagen zwei weitere Tage bezahlt frei nehmen. Wechselschicht-Mitarbeiter fahren auf Henkel-Kosten in Kur oder neuerdings auch in Aktiv-Urlaub.

An der sächsischen Komsa AG lobte die Jury vor allem den ganzjährig und ganztägig geöffneten Firmenkindergarten, der zudem zweisprachig ist. Schulungen der 400 Mitarbeiter finden immer vormittags statt, damit auch Teilzeit-Mitarbeiter teilnehmen können. Unter den Kleinbetrieben qualifizierte sich das Oberpfälzer Stahlbauunternehmen Schönberger: Die 28 Mitarbeiter können ihre Kinder jederzeit mitbringen und im firmeneigenen Spielzimmer unterbringen. Zum Kindergeburtstag gibt es Extra-Urlaub – Rücksicht auf die Familie ist auch bei der Baustellenplanung üblich. Der Innovationspreis fiel an das „Generationennetzwerk“ der Weleda AG in Schwäbisch Gmünd. Gartenhilfe, Einkaufsservice oder Wäschedienst werden getauscht oder bezahlt – Rentner stehen für die Kinderbetreuung bereit.

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