Regierungsbeauftragter
"Organspende-Skandal wird viele Leben kosten"

Deutsche Kliniken, die gegen Geld gespendete Organe vermitteln: Dieser Verdacht werde „viele Menschen das Leben kosten“, sagt der Patientenbeauftragte des Bundes. Noch Jahre dürften nun weniger Organe gespendet werden.
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BerlinDer Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller, befürchtet, dass der Transplantationsskandal an den Unikliniken in Regensburg und Göttingen viele Opfer fordern wird. „Was hier gemacht wurde, wird in Zukunft viele Menschen leider das Leben kosten“, sagte der CSU-Politiker den Zeitungen der „WAZ“-Gruppe mit Blick auf eine nachlassende Organspendebereitschaft in der Bevölkerung.

„Schlimmer hätte es kaum kommen können“, sagte Zöller. Gerade jetzt, da man mit dem Transplantationsgesetz Vertrauen wecken wolle, komme dieser Fall auf. „Es wird garantiert Monate, wenn nicht Jahre dauern, um das Vertrauen in die Organspende wiederherzustellen.“

Zöller forderte eine „hohe Strafe“ für den verantwortlichen Arzt, wenn dessen Schuld, Patientenakten manipuliert zu haben, erwiesen ist. „So ein Mensch hat im Gesundheitswesen nichts mehr verloren. Einen Entzug der Approbation würde ich begrüßen.“

In Göttingen und am Uniklinikum Regensburg wurden offenbar in großem Stil Daten manipuliert, um ausgewählten Patienten gegen Geld Spenderlebern zu verschaffen. Der in Göttingen unter Tatverdacht stehende Transplantationschirurg war von 2003 bis 2008 leitender Oberarzt in Regensburg. An der Universitätsklinik Göttingen soll er in mehr als 20 Fällen Patienten durch Datenmanipulationen Spenderlebern verschafft haben. Gegen ihn wird wegen Bestechlichkeit und Tötungsdelikten ermittelt.

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, der beurlaubte Chirurgie-Chef des Universitätsklinikums Regensburg und der Hauptverdächtige im Transplantationsskandal von Göttingen und Regensburg seien seit Jahren sehr vertraut gewesen. Demnach trat der Chefarzt noch in dem Jahr als Bürge vor der Vereinigung der bayerischen Chirurgen für den Oberarzt ein, als gegen diesen wegen einer nach Jordanien verschleppten Leber ermittelt wurde.

Die beiden Ärzte hatten sich bereits Mitte der 1990er-Jahre an der Medizinischen Hochschule Hannover kennengelernt. Als der Chefarzt in Regensburg den Lehrstuhl für Chirurgie übernahm, holte er den Oberarzt in seine Abteilung. Beide flogen häufiger ins arabische Ausland, um dort zu transplantieren. In Regensburg brachte der Chefarzt die bis dahin schleppend verlaufene Karriere des Oberarztes in Gang, der bei ihm promovierte.

Auch nach dem Weggang des Oberarztes nach Göttingen publizierten die beiden noch zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten miteinander. Der Chefarzt verhalf sogar der Ehefrau des Oberarztes zur Doktorwürde: Die Zahnärztin promovierte bei ihm über Behandlungsmöglichkeiten bei Leberkrebs.

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  • Bis der Spendenskandal endgültig aufgeklärt, die Intransparenz beseitigt ist und die nötigen Kontrollen greifen, sollte man auf Nummer sicher gehen und sich einen Nichtorganspender-Ausweis zulegen, denn wer will schon, dass die Spenderorgane in Jordanien oder im übrigen arabischen Raum verkauft werden, da das Spenden von Organen im islamischen Bereich äußerst gering ist.

  • +++ Beitrag von der Redaktion gelöscht+++

  • vielleicht ist es ja gerade anders rum. vielleicht hat die organspende ja schon viele leben irgendwo auf der welt gekostet. wer das nötige geld und korrupte ärzte kennt kann ja anscheinend alles.

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