Register für Kredite
Bofinger will globale Schufa für Bankkredite

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger fordert angesichts der Instabilität des globalen Finanzsystems Konsequenzen für die Finanzinstitute. Um die Transparenz der Geldhäuser deutlich zu erhöhen schlägt er im Gespräch mit Handelsblatt.com ein weltweites Register für Kredite vor.

DÜSSELDORF. Um dies zu beheben, müsse eine globale Finanzdatenbank eingerichtet werden, "der als globale Schufa alle Bankkredite (auch Verbriefungen) von mehr als eine Millionen Euro gemeldet werden müssen", sagte Bofinger. Diese Verpflichtung sollte aus seiner Sicht auch für Versicherungen gelten.

Zudem müsse ein solches "globales Kreditregister" für alle nationalen Aufsichtsbehörden sowie für die teilnehmenden Finanzinstitute zugänglich sein, verlangte der Professor an der Universität Würzburg und fügte hinzu: "Es wäre zudem der Nukleus für ein globales, beim IWF anzusiedelndes Frühwarnsystem."

Der Wirtschaftsweise forderte überdies ein größeres Konjunkturprogramm im Kampf gegen die Rezession. Es könne nicht damit gerechnet werden, dass Deutschland in den nächsten Jahren vom Ausland mitgezogen werde. "Deshalb ist für dieses und nächstes Jahr jeweils ein Schub in Höhe von 25 Mrd. Euro, sprich einem Prozentpunkt vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) nötig", sagte er der "Frankfurter Rundschau". Damit präzisierte er die Forderung des Sachverständigenrates.

Angesichts der Rezession in der Eurozone müsse auch die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen weiter kräftig senken. "Ich persönlich halte zwei Prozent für durchaus vertretbar", sagte Bofinger. Derzeit liegt der Leitzins bei 3,25 Prozent.

Der Wirtschaftsweise warf der EZB vor, durch ihr "falsches Zuteilungsverfahren" von Geld die Krise verschärft zu haben. Das Auktionsverfahren bei festgesetzter Zentralbankgeldmenge habe dazu geführt, "dass die Banken am 8. Oktober, als die Finanzkrise so richtig wütete, mit 4,99 Prozent den höchsten Zinssatz aller Zeiten in der Währungsunion zahlen mussten. Das hat die Bankenkrise in Euroland verschärft", sagte Bofinger. Die EZB hatte später ihren Kurs geändert und bietet das reguläre Zentralbankgeld inzwischen zum festen Zinssatz, dem Leitzins, an.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik
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