Reichensteuer
Welche „Geldsäcke“ wollen wir überhaupt schröpfen?

Eine Reichensteuer ist gut fürs Gemüt, aber nicht unbedingt für die Wirtschaft. Die oberen zehn Prozent bezahlen schon die Hälfte aller Steuern. Darunter der Mittelstand, der für Jobs sorgt.
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HamburgDie Reichen werden reicher, und deshalb gehören sie geschröpft. Klar doch – umso mehr heute, da Regierungen Banken und Pleitestaaten retten, mithin Aktionäre und Investoren. Diese Lesart ist plausibel. Auch Marktliberale sprechen von „moral hazard“, vom „Anreiz zum Fehlverhalten“. Die Botschaft lief so: „Bereichert euch. Kauft Risikoanleihen, die viel mehr bringen als deutsche. Oder hochverzinste Derivate. Geht’s schief, springt Vater Staat ein. Denn es gilt: too big to fail.“

Das wissen die Absahner, also werden sie weiter zocken. So belohnt der Staat das Laster. Daraus folgt allerlei Kapitalismuskritik, diesmal nicht gegen die Dickbäuche mit der Zigarre, sondern gegen die „Märkte“. Wenn „die da“ so reich geworden sind, und zwar unter dem Schirm der Allgemeinheit, dann sollen sie auch abgeben.

Bloß: Wen wollen wir eigentlich schröpfen? Die Versicherung, die unsere Policen ausgestellt hat? Die Banken, deren Aktienfonds wir gekauft haben? Hmm, die vielleicht nicht, aber warum nicht die Reichen als solche, die sowieso zu wenig Steuern zahlen. Was ist „zu wenig“? Bezogen auf das Jahr 2007, hat eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung festgestellt: Das unterste Fünftel der Steuerpflichtigen zahlt praktisch keine Steuern – jene, die weniger als 8.200 Euro pro Jahr an Rente oder Lohn beziehen. Interessanter ist das „reichste Zehntel“: Das zahlt über die Hälfte (52 Prozent) des Steueraufkommens. Und die ganz Reichen – ein Prozent? Die waren (2002) für mehr als ein Fünftel des Steueraufkommens gut.

Wie reich sind denn die „Reichen“, die Top-Ten-Prozent? Nicht besonders. Ihr Jahreseinkommen betrug 2007 im Durchschnitt knapp 90.000 Euro. Zahlen sie auch genug? Auf den ersten Blick nein, denn der effektive Steuersatz lag nicht etwa beim höchsten (heute: 42 Prozent), sondern bei 24 Prozent, die dadurch zustande kommen, dass allerlei (legale) Abzüge die Steuerpflicht verringern. Hinterziehen die auch? Das Spiel ist heute schwerer geworden: Kapitalerträge werden inzwischen genau wie der Lohn „an der Quelle“ besteuert – neuerdings auch das Gebunkerte in der Schweiz.

Dennoch möge die Kluft zwischen Höchst- und Effektivsatz bedenken, wer die „Geldsäcke“ schröpfen will. Je mehr Einkommen einer hat, desto besser weiß er, wie man es dem Fiskus vorenthält. So entstand in Deutschland eine ganze Abschreibungs- und Subventionsindustrie, die Kapital nicht gerade in produktive Zweige lenkte. Grundsätzlich: je höher die Steuern, desto niedriger der effektive Ertrag. Das gilt vorweg für die gesenkte Unternehmenssteuer (25 Prozent). Wer sie anheben will, sollte wissen, dass Kapital scheu wie ein Reh und flüchtig wie eine Gazelle ist – jedenfalls in der globalisierten Welt. Das Kapital, das im Ausland arbeitet, schafft hier weder Jobs noch Steuererträge.

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  • Ein guter Bericht.
    Informativ und kritisch.
    Gefällt mir :o)

  • Schafft die Abgeltungssteuer ab, alle subventionierten Freibeträge, setzt das Kirchhof Modell (OK- ein paar Pünktchen mehr für die oberen Einkommensschichten)um, kontrolliert wirksam (mit strengen Strafen und nicht durch Amnestie) die Steuerflüchtlinge, beseitigt unsinnige, nicht mehr gebrauchte Behörden (Julius Haucap --> über 50 Behörden), zurrt den Amtseid mit Konsequenzen fest, stoppt Ämterhäufungen und Machtmissbrauch und stellt Steuergeldverschwendungen unter Strafe, dann sind wir einen gewaltigen Schritt weiter, was Gerechtigkeit angeht.

  • "Gewinn" ist ein buchhalterisch und gesetzlich genau definierter Begriff. "Ertrag" ebenso.

    Besorgen Sie sich eine simple BWA und lassen Sie sich erklären, was der Ertrag, der Gewinn, eine Privatentnahme ist, und wo was gebucht wird, und dann von allem: Welcher Betrag steuerlich relevant ist.

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