Reiner Hoffmann
Künftiger DGB-Chef bejaht flexible Renteneintritte

Der künftige DGB-Vorsitzende, Reiner Hoffmann, ist offen für mehr Flexibilität beim Renteneintritt. Er sei bereit, sich mit Politik und Arbeitgebern zusammenzusetzen, um eine geeignete Strategie zu entwickeln.
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Berlin/HamburgKnapp drei Monate vor dem geplanten Inkrafttreten der Rente mit 63 ist die Reform weiter umstritten: Die Metall-Arbeitgeber warnten am Wochenende vor einem Schaden für die deutsche Wettbewerbsfähigkeit. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warf den Arbeitgebern indes vor, selbst Ältere aus den Betrieben zu verdrängen. Derweil will sich der DGB daran beteiligen, Strategien für ein längeres Arbeitsleben zu entwerfen.

Die große Koalition will Arbeitnehmern ermöglichen, nach 45 Beitragsjahren schon mit 63 ohne Abschläge in Rente zu gehen. Das Rentenpaket, zu dem auch die Mütterrente und die Erwerbsminderungsrente gehören, soll Ende Mai im Bundestag beschlossen werden und im Juli in Kraft treten.

Über die Einzelheiten der Reform wird aber noch kontrovers diskutiert, zum Beispiel darüber, inwieweit Zeiten der Arbeitslosigkeit bei der Berechnung der Beitragsjahre einbezogen werden. Problematisch ist hier, dass Unternehmen ihre Beschäftigten mit 61 Jahren in die Arbeitslosigkeit schicken könnten, damit diese dann zwei Jahre später die abschlagsfreie Rente in Anspruch nehmen können.

CDU-Generalsekretär Peter Tauber forderte deshalb im Magazin "Focus" Nachbesserungen am Gesetzentwurf von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). Bei der Berechnung müsse gelten, dass "45 Jahre auch 45 Beitragsjahre sind und Zeiten von Arbeitslosigkeit künftig nicht zählen", sagte Tauber.

Nach Ansicht der Metall-Arbeitgeber gefährden die Regierungspläne für die Rente und den Mindestlohn die deutsche Wettbewerbsfähigkeit. Deutschland drohe gerade zu verspielen, "was wir in zehn Jahren mühsam aufgebaut haben", sagte Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Samstag. Durch die geplante abschlagfreie Rente mit 63 könnten nach Ansicht Dulgers in der Metall- und Elektroindustrie in den nächsten zehn Jahren bis zu 200.000 Arbeitnehmer vorzeitig in den Ruhestand gehen. "Das ist erschreckend, weil damit viel Know-how verloren gehen würde", sagte Dulger.

"Das Geschrei der Arbeitgeber, die Rente mit 63 dürfe nicht zu einem Frühverrentungsprogramm werden, ist an Scheinheiligkeit nicht zu übertreffen", sagte dazu der künftige Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, in der "Welt am Sonntag". Schließlich trügen die Unternehmen die Verantwortung dafür, dass die Älteren "als Erstes aussortiert" würden.

Hoffmann will sich als DGB-Vorsitzender künftig für mehr Flexibilität beim Renteneintritt einsetzen. "Ich bin nicht dagegen, dass die Menschen länger arbeiten, wenn sie wollen", sagte er der "WamS". Die Arbeitnehmer müssten aber dafür qualifiziert werden, zudem müsse mehr in vernünftige Arbeitsbedingungen und die Gesundheit der Mitarbeiter investiert werden. Er sei bereit, sich mit Politik und Arbeitgebern zusammenzusetzen, um eine Strategie zu entwickeln, damit die Menschen länger arbeiten könnten.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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