Rekruten
Deutsche Islamisten reisen in Terror-Camps

Mindestens 30 Islamisten aus Deutschland sind einem US-Zeitungsbericht zufolge seit Januar zur paramilitärischen Ausbildung in Trainingslager nach Pakistan gereist. Dies zeige, wie ernst die Lage sei, wird ein ranghoher deutscher Anti-Terror-Experte zitiert.
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WASHINGTON/RIAD. Etwa zehn Rekruten seien in diesem Jahr bereits in die Bundesrepublik zurückgekehrt, berichtete die „Washington Post“ am Montag unter Berufung auf deutsche Sicherheitskreise. Die Sorge vor neuen Anschlagsplänen gegen Ziele in Europa habe in der Konsequenz zugenommen.

Die Zahl westlicher „Rekruten“ in islamistischen Ausbildungslagern in Pakistan und Afghanistan habe in den vergangenen Monaten zugenommen – und dies trotz verstärkter Bemühungen des US-Geheimdienstes CIA, Taliban- und El-Kaida-Führer durch den gezielten Einsatz von Drohnen auszuschalten, schrieb das Blatt weiter. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums in Berlin wollte den Artikel nicht konkret kommentieren. Er erklärte aber, es sei bekannt, dass Islamisten aus Deutschland in Richtung Pakistan reisten, um sich dort ausbilden zu lassen. Diese Reisebewegungen würden beobachtet.

In Deutschland gebe es eine Reihe verschiedener Rekrutierungs-Netze, die im Dienste El Kaidas, der Taliban und anderer radikal- islamischer Gruppen stünden, berichtet die „Post“ unter Berufung auf deutsche Behörden. Allerdings operierten diese Netzwerke unabhängig voneinander, was die Ermittlungen gegen sie erschwere. „In Deutschland gibt es keine einheitliche Struktur, über die angeworben wird“, zitiert die Zeitung einen deutschen Beamten. Auch andere europäische Länder registrierten Rekrutierungen ihrer Bürger, darunter Frankreich, Schweden und Belgien. Zudem verzeichneten ebenfalls die USA eine „kleine, aber wachsende Zahl“ von Anwerbungen.

Vor der Bundestagswahl im vergangenen Monat waren mehrere islamistische Drohvideos mit Anschlagsdrohungen gegen Ziele in Deutschland aufgetaucht. Die Sicherheitskräfte wurden in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. In einem der Videos drohten die Taliban wegen des Einsatzes der Bundeswehr am Hindukusch mit Vergeltung. In der Videobotschaft wurden unter anderem Fotos des Brandenburger Tors in Berlin, des Hamburger Hauptbahnhofs und des Münchener Oktoberfests gezeigt. Nach Angaben der Bundespolizei sind Beamten nach wie vor an allen Flughäfen und an einigen Bahnhöfen verstärkt präsent.

Einen möglicherweise folgenschweren Selbstmordanschlag des Terrornetzwerks El Kaida hat Saudi-Arabiens Polizei vereitelt. Laut einem Bericht der saudischen Zeitung „Okaz“ vom Montag trugen zwei als Frauen verkleidete Terroristen, die am Dienstag vergangener Woche an der Grenze zum Jemen von der Polizei erschossen worden waren, vier Sprengstoffgürtel und zahlreiche Handgranaten bei sich. Diese hätten nach Informationen des Blattes bei einem Gruppen-Selbstmordattentat „in einer wichtigen Infrastruktureinrichtung“ eingesetzt werden sollen.

El Kaida hat in der Vergangenheit mehrfach mit Anschlägen auf die saudische Öl-Industrie gedroht. Da in den vergangenen Jahren der Fahndungsdruck in Saudi- Arabien gewachsen ist, operiert ein Teil der saudischen Terroristen inzwischen vom benachbarten Jemen aus. Dort gibt es Regionen, die weitgehend ohne staatliche Kontrolle sind.

Die Sicherheitsbehörden in Saudi-Arabien haben die beiden an der Grenze getöteten Terroristen inzwischen identifiziert. Ihre Namen standen auf einer im vergangenen Februar veröffentlichten Liste der 85 meistgesuchten Terroristen des Landes, die nach dem Tod der zwei El-Kaida-Männer in der vergangenen Woche auf nunmehr 78 Namen zusammengeschrumpft ist. Vier Terrorverdächtige hatten sich den Behörden gestellt. Ein fünfter El-Kaida-Mann hatte sich im Haus des stellvertretenden Innenministers, Prinz Mohammed bin Naif, in die Luft gesprengt.

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