Religiöse Tradition
Bundestag will Beschneidungen nicht bestrafen

Mit großer Mehrheit hat sich der Bundestag am Donnerstag dafür ausgesprochen, dass religiöse Beschneidungen bei Jungen gesetzlich geschützt werden. Die Straffreiheit soll jedoch an Bedingungen geknüpft werden.
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BerlinBeschneidungen aus religiösen Gründen sollen in Deutschland auch nach dem Willen des Bundestages nicht unter Strafe gestellt werden können. Das Parlament forderte am Donnerstag die Bundesregierung mit überwältigender Mehrheit auf, die rituelle Entfernung der Vorhaut bei Jungen per Gesetz grundsätzlich für zulässig zu erklären.

Union, SPD und FDP hatten einen fraktionsübergreifenden Antrag vorgelegt. "Jüdisches und muslimisches religiöses Leben muss weiterhin in Deutschland möglich sein", heißt es in dem Beschluss. Die Beschneidung von Jungen habe für Juden und Muslime eine große religiöse Bedeutung. Allerdings müsse der Eingriff medizinisch fachgerecht erfolgen und unnötige Schmerzen vermeiden, wird betont.

Der Entschließungsantrag ist vor allem als schnelles politisches Signal gedacht, um Ärzten die Sorge vor Strafverfolgung zu nehmen. Die eigentliche parlamentarische Debatte wird stattfinden, wenn die Regierung einen Gesetzentwurf vorgelegt hat.

In der Debatte betonten Redner wie Günter Krings (CDU), Christine Lambrecht (SPD) und Volker Beck (Grüne), dass bei dem Thema verschiedene Grundrechte abgewogen werden müssten. Lambrecht forderte eine Entscheidung durch das Bundesverfassungsgericht. Krings und Beck mahnten, dass man sehr gute Gründe haben müsse, in Deutschland eine Praxis unter Strafe zu stellen, die weltweit üblich sei.

Der FDP-Abgeordnete Jörg van Essen betonte, dass die Beschneidung etwas völlig anderes als die vorsätzliche Verstümmelung weiblicher Genitalien in einigen Kulturen sei. Diese wird in dem Entschließungsantrag kategorisch abgelehnt.

Für die Linkspartei, die dem Antrag nicht zustimmte, forderte der Abgeordnete Jens Petermann, zunächst eine symbolische Beschneidung des Babys vorzunehmen und medizinische Eingriffe den Heranwachsenden überlassen. Dies sei in einigen jüdischen Gemeinden in Großbritannien Praxis.

Auslöser der Bundestagsdebatte war ein Urteil des Landgerichts Köln, das die Beschneidung eines muslimischen Jungen als Körperverletzung wertete. Bei ihm war es nach dem Eingriff zu Komplikationen gekommen. Das Urteil löste einen Proteststurm jüdischer und muslimischer Gruppen und Sorgen bei Ärzten vor möglicher Strafverfolgung aus. (Reporter: Hans-Edzard Busemann und Andreas Rinke; redigiert von Thomas

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Religiöse Tradition: Bundestag will Beschneidungen nicht bestrafen"

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  • So eine Entscheidung nimmt Deutschland das Recht zu behaupten ein modernes,aufgeklärtes
    Land zu sein .

  • Hier war ein Löschzug unterwegs um grüßeren Schaden vom Volke abzuwenden !

  • Wenn „Beschneidung “ hier erlaubt ist, schadet das mit Sicherheit dem Tourismus in Länder wo das erlaubt ist !

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