Religionsdebatte
CSU schmettert Wulffs Islam-Äußerungen ab

Bundespräsident Christian Wulff hat für seine Rede zum Tag der deutschen Einheit viel Beifall bekommen. Nun regt sich vor allem in Kreisen der Union Widerstand gegen Wulffs Äußerungen zur Bedeutung des Islam in Deutschland. Politiker von CDU und CSU gingen deutlich auf Distanz zum Staatsoberhaupt.
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HB Berlin. Vor fast genau zehn Jahren löste Friedrich Merz, damals Fraktionsvorsitzender der Union im Bundestag, eine Debatte um die deutsche Leitkultur aus. In der Zeitung „Die Welt“ hatte Merz Regeln für Einwanderung und Integration als freiheitlich-demokratische deutsche Leitkultur gefordert und sich gleichzeitig gegen Multikulturalismus gewandt. Zehn Jahre später entwickelt sich die Diskussion weiter. Weitaus weniger polemisch, schließlich ist es der Bundespräsident, der bei der zentralen Feier zum 3. Oktober die Brücke von der deutschen Einheit zur Integration schlug - unter anderem mit der Aussage: „Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. (...) Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.“

Es ist dieser letzte Satz über die Bedeutung des Islam, der mittlerweile intensiv diskutiert wird. In der Union gibt es Kritik und vorsichtige Distanz zu Wulffs Äußerungen. Der CSU-Politiker Norbert Geis sagte der „Bild“-Zeitung: „Die Rede war missverständlich. Wenn der Bundespräsident den Islam in Deutschland mit dem Christentum und dem Judentum gleichsetzen wollte, hielte ich das für falsch.“

CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich würdigte Wulffs Rede als wichtigen Diskussionsbeitrag, sprach dem Islam aber ab, Teil der deutschen Kultur zu sein. „Dass der Islam Teil unserer Kultur ist, unterschreibe ich nicht. Diese Interpretation des Bundespräsidenten teile ich nicht“, sagte Friedrich am Dienstag in Berlin. Die christlich-abendländische Kultur mit jüdischen Wurzeln sei die Leitkultur, in die sich alle zu integrieren hätten, die in Deutschland leben wollten.

Friedrich sagte, Wulff habe wichtige Themen angesprochen, über die jetzt diskutiert werden müsse. „Gute Reden zeichnen sich dadurch aus, dass sie die richtigen Fragen stellen.“ Zunächst müssten dabei die Fakten zur Kenntnis genommen werden. So gebe es Millionen von Muslimen in Deutschland, die auch hier bleiben wollten. Bei aller Toleranz müsse aber auch anerkannt werden, „dass es objektive Grenzen der Integrationsfähigkeit gibt“. Als Beispiel nannte der CSU-Politiker etwa Schulklassen, in denen es keine deutschstämmigen Kinder mehr gebe.

Der Vorsitzende der CSU-Abgeordneten im Bundestag sprach sich zudem gegen eine Zuwanderungsdebatte aus wirtschaftlichen Gründen zum jetzigen Zeitpunkt aus. Zunächst müssten die Probleme der Zuwanderer auf dem Arbeitsmarkt gelöst und die Integration der Migranten bewältigt werden.

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  • Für mich war und ist falsch, in der bundesrepublik Deutschland ohne Not, Moschen zu bauen. Äußerungen zum Tag der Deutschen - Einheit des Herrn bundespräsidenten sind falsch und nicht hilfreich.
    ich möchte auf einen Artikel in der heutigen bildzeitung verweisen, in dem zu lesen ist, deutsche Schüler haben Angst auf den Pausenhof zu gehen, wegen Anfeindungen durch ausländische Schüler. Diese Anfeindungen sind all gegenwertig. Darüber sollten die befürworter des islams nachdenken.
    Danke

  • "integrationspolitik" ist Desintegrationspolitik!

    bundespräsident Wulff hat zunächst einmal selbstverständlich recht mit seiner nüchternen Feststellung, dass der islam "inzwischen auch zu Deutschland" gehört.

    Aber - genauso sicher ist, dass sich hier nur jeweils eine kleine Minderheit "Christen", "Juden" oder "Muslime" nennen. Die große Mehrheit gehört anderen der insgesamt ca. 4000 untereinander völlig gleichberechtigten religiösen oder nichtreligiösen Weltanschauungen an.
    Wenn der islam nun also z.b. gleichfalls das verbotene Privileg für einen eigenen Religionsunterricht erhält, stellt dies eindeutig eine weitere menschenrechtswidrige bevorzugung dar, welche die bevölkerung noch mehr spaltet!

    Nur wenn sehr streng und äußerst genau darauf geachtet wird, dass - gemäß den Menschenrechten - wirklich keine einzige Weltanschauung bevorzugt oder benachteiligt wird (speziell auch nicht ausgerechnet durch das Grundgesetz), ist mehr Frieden möglich!

    Gleichzeitig ist es natürlich auch friedensnotwendig, alles Menschenrechtswidrige innerhalb der Weltanschauungen zu untersagen - insbesondere die offiziell noch immer bestehenden barbarischen Absolutheitsansprüche vom islam, Christen- und Judentum, jeweils die allein wahre und gültige Religion zu sein und als solche anerkannt zu werden (welche bisher schon zu vielen Millionen Toten geführt haben)!

  • @ Torsten Steinberg (11)

    „Solange Sie allein von ihrer Meinung überzeugt bleiben und nur ihr Ernsthaftigkeit bescheinigen, während Sie abweichende Äußerungen mit der leichtfüßigen Kommentierung einer folkloristischen Veranstaltung auf eine Stufe stellen, hat eine Fortsetzung der Diskussion wenig Sinn.“

    Gott sei Dank bin nicht nur ich dieser Meinung. Schön wäre es, wenn Sie sich nur einmal der „Mühe“ unterzögen bassam Tibi (Muslim und islamologe) zu lesen, um zu erkennen, daß ihre Vorstellungen vom islam so gar nichts mit der islamischen Wirklichkeit und dessen Machtanspruch zu tun haben. Was die Folklore betrifft, - welche Verbindung stellen Sie zwischen den Fußballfans Muslim/Nichtmuslim her, dies ist doch wohl ihre leichtfüßige Kommentierung. Das islamische Recht gehört zur Gesellschaftsordnung islam und duldet kein anderes neben sich. Das werden Sie allerdings erst erfahren, wenn es in D installiert sein sollte und bestandteil einer Verfassung ist.

    „Darum halte ich es auch für richtig, acht darauf zu geben, dass die Koranschulen nicht in dem Sinne, wie Sie es beschreiben, missbraucht werden, um wenig hilfreiche oder sogar demokratiefeindliche inhalte zu vermitteln.“

    Wer soll darauf acht geben? Da wird auch nichts mißbraucht, das ist die intention des islam. Der ehemalige Präsident (bis vor 4 Wochen) des ZdM, Ayyub Axel Köhler, schreibt, daß der islam nicht mit dem GG kompatibel ist. Dies ist z.b. ein Grund, weshalb keiner der führenden islamvereine dem innenminister gegenüber bereit ist, eine verbindliche Erklärung zum GG in schriftlicher Form abzugeben. Das Theater können Sie in der HP zur DiK nachlesen; ich weiß, Sie haben keine Zeit.

    „Und was soll das bringen?“

    Es würde ihren Horizont über den islam, die Ansichten und Vorstellungen hier lebender Muslime, 3te und 4te Generation, enorm verbreitern.

    „Überhaupt werden Sie für alle ihre Anschuldigungen....“

    Welche Anschuldigungen?

    „Es soll doch manche geben, die dem islam sogar das Attribut streitig machen wollen, Religion zu sein. Kann man das glauben?“

    Der islam ist eine Gesellschaftsordnung mit Allmachts- und Wahrheitsanspruch, die im religiösen Gewande daherkommt. Wer das nicht sehen will, ist blind. ich glaube es nicht, ich weiß es. Es sollte auch ihnen zu denken geben, daß es in der islamischen Gesellschaft verboten ist am islam, dem Propheten zu zweifeln und diese Zweifel auch noch öffentlich zu äußern oder gar diskutieren zu wollen.

    Zu 10
    „Mein abendländisch geprägtes Gemüt würde dadurch unvergleichlich weniger irritiert werden als durch ein Atomkraftwerk.“

    Sie werden diese Ansicht sehr schnell ändern, wenn Sie zu nachtschlafender Zeit durch den Muezzin, der Sie gar nicht meint, geweckt werden, jeden Tag. Die Menschen, die im Einzugsgebiet einer solchen Moschee leben müssen, können ein Lied davon singen.

    Erläutern sollten Sie einmal, was für Sie ein aufgeklärter islam ist und wo der zu finden sein soll.

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