Renaturierung der unteren Havel
Trittin fordert Konsequenzen aus Jahrhundertflut

Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hat am Mittwoch zum Auftakt seiner Sommerreise ökologische Konsequenzen aus der Jahrhundertflut vom August 2002 gefordert. Dazu gehöre eine angemessene landwirtschaftliche Nutzung der flussnahen Gebiete, sagte Trittin im brandenburgischen Strodehne an der Havel.

dpa STRODEHNE. Im Rahmen eines Renaturierungsprojektes solle die bisherige intensive Landwirtschaft durch eine extensive Grünland-Nutzung ersetzt werden. Die untere Havel wird gleichzeitig vor 2006 als Bundeswasserstraße aufgegeben. Für die Renaturierung stellte Trittin Bundesmittel in zweistelliger Millionenhöhe in Aussicht. Vorbeugender Hochwasserschutz stehe nicht im Gegensatz zu wirtschaftlichen Interessen, sagte Trittin weiter, sondern komme am Ende billiger.

Angesichts der extremen Hitze und Trockenheit in Deutschland genau ein Jahr nach der großen Flut stehen neben dem Hochwasserschutz auch Probleme des Klimawandels im Zentrum der Gespräche, die Trittin auf seiner Sommerreise führt. Am Donnerstag besucht er Magdeburg. Auf dem Domfelsen wird ihm der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) einen Bericht zur Lage der Elbe überreichen. Mit dem Hubschrauber wird der Minister dann die Elbe entlang nach Tschechien fliegen. In Obristvi wird er eine vom Hochwasser zerstörte Messstation an der Elbe wieder in Betrieb nehmen. Am Abend wird Trittin in Dresden erwartet.

"Ausbaustopp der Elbe wird unterlaufen

Bei der Vorstellung seines „Berichts zur Lage der Elbe“ forderte der BUND am Mittwoch in Berlin einen eindeutigen Kurswechsel in der Verkehrspolitik. Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe müsse dem weiteren Ausbau der Elbe und der Planung des „wirtschaftlich sinnlosen Saale-Seiten-Kanals“ eine klare Absage erteilen, sagte BUND-Experte Ernst Paul Dörfler. Er nannte die Elbe „eine drittklassige Wasserstraße, aber einen erstklassigen Fluss.“ Seine Zukunft liege nicht im Güterverkehr, sondern im Tourismus und in der Personenschifffahrt.

Der vor einem Jahr beschlossene Ausbaustopp der Elbe werde von Teilen der Verwaltung bereits unterlaufen, kritisierte der BUND. Diese Darstellung wurde von einem Sprecher des Verkehrsministeriums zurückgewiesen. „An der Befürchtung ist nichts dran“, sagte der Sprecher. Allerdings sei eine regelmäßige Pflege der Wasserstraßen notwendig. Insgesamt hat sich der Zustand der Elbe nach BUND-Angaben ein Jahr nach der Flut verbessert. Probleme gebe es noch durch Belastungen von Fischen, Sedimenten und landwirtschaftlichen Flächen mit ausgeschwemmten Schwermetallen. Das Hochwasser habe gezeigt, wie schnell gefährliche chemische Altlasten mobilisiert werden könnten.

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