Rente mit 67
Große Koalition gegen Müntefering

SPD-Arbeitsminister Franz Müntefering hat sich mit seinem Vorschlag, das Renteneintrittsalter schon im Jahr 2029 oder sogar 2023 auf 67 heraufzusetzen, nur wenige Freunde gemacht: Die Schar der Unterstützer ist sehr überschaubar, der Chor der Kritiker lässt sich dagegen lautstark vernehmen.

HB BERLIN. Unterstützung erhielt Müntefering nur vom sozialpolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Klaus Brandner, und von Sachsen-Anhalts CDU-Ministerpräsident Wolfgang Böhmer. Brandner sagte dem Handelsblatt: „Die Koalitionsvereinbarung regelt ganz klar, dass die Anhebung der Altersgrenze 2012 beginnt und spätestens 2035 abgeschlossen wird. In welchem Tempo die Schritte bis dahin erfolgen, ist abhängig von der jeweiligen Situation“. Parallel zur Erhöhung des Renteneintrittsalters müsse die Politik sich nachdrücklich für die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer einsetzen. „Das bringt schließlich auch eine Entlastung der Rentenkasse“, sagte Brandner.

Der Magdeburger Regierungschef Böhmer sagte: „Ich hoffe, dass sich die Arbeitsmarktsituation bald bessert und dass sie in 10 bis 15 Jahren einen solchen Schritt ermöglicht“. Wegen der demographischen Entwicklung und der enorm gestiegenen Lebenserwartung sei die Anhebung des Renteneintrittsalters ein sicher einmal „unvermeidbarer Schritt“.

Landespolitiker sorgt sich um Wahlchancen

Böhmers SPD-Herausforderer bei der bevorstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, Jens Bullerjahn, warnte dagegen davor, den Koalitionsvertrag anzutasten, der vorsieht, dass die Rente mit 67 erst im Jahr 2035 gilt. „Nach so kurzer Zeit das Koalitionspapier in Frage zu stellen, und noch dazu in einem so sensiblen Bereich, ist nicht hilfreich“, sagte Bullerjahn. „Wenn sich diese Debatte zuspitzt, wird sie Einfluss auf die Landtagswahlen haben“. Auch Juso-Chef Björn Böhning kritisierte Münteferings Vorstoß. „Es handelt sich dabei um faktische Rentenkürzungen, die in die Zukunft verschoben werden, um heute mehrheitsfähig zu sein“, sagte er.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zeigte sich ebenfalls skeptisch - wenn auch aus einem anderen Grund: „Zum jetzigen Zeitpunkt übersteigt die Lebenserwartung der Einkommensschwachen die Grenze von 67 Jahren nur um wenige Jahre“, sagte Lauterbach dem „Tagesspiegel“ . Es sei wenig bekannt, dass in Deutschland einkommensstarke Männer im Durchschnitt 12 Jahre länger leben als einkommensschwache. „Insofern habe ich die Sorge, dass mit der Rente ab 67 für diese Einkommensgruppen der Rentenbezug im Durchschnitt um ein Drittel verringert, für einige sogar halbiert wird. Daher sehe ich noch Diskussionsbedarf“, sagte der SPD-Politiker.

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