Rente mit 67
Situation älterer Arbeitnehmer hat sich verbessert

Beim Kampf gegen die Anhebung des Rentenalters auf 67 berufen sich die Gewerkschaften auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes, nach denen sich für Ältere die Lage am Arbeitsmarkt nicht wirklich verbessert hat. Ganz anders sieht das die Bundesregierung in ihrem Lagebericht, den das Kabinett am Mittwoch verabschieden soll.
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BERLIN. Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Nach dieser Devise kämpfen Regierung und Gewerkschaften derzeit um die Datenhoheit bei der Frage, ob sich für Ältere die Lage am Arbeitsmarkt verbessert hat und es deshalb beim Einstieg in die Rente mit 67 ab 2012 bleiben darf.

Die Gewerkschaften berufen sich auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes, nach denen immer noch weniger als zehn Prozent der 64-Jährigen einen sozialversicherungspflichtigen Job haben. Davon wiederum ist jeder Zweite nur als Mini-Jobber, Leiharbeiter oder in Teilzeit beschäftigt. Deshalb müsse das Projekt gestoppt werden und der Rentenbeitrag langfristig um 0,5 Prozentpunkte steigen, fordern die Gewerkschaften.

Die Regierung hält mit ihrem Bericht zur Lage Älterer, den das Kabinett am Mittwoch verabschieden soll, dagegen. Es sei falsch, den Blick auf die 64-Jährigen zu verengen, betont Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Da die Rente mit 67 erst 2029 volle Wirkung entfalte, komme es auf den Trend an. Und der lasse sich nur ablesen, wenn man alle Älteren in die Analyse einbeziehe. Ähnlich argumentiert der Sachverständigenrat in seinem Jahresgutachten: Die aktuelle Lage der 64-Jährigen lasse keine Aussage darüber zu, wie es den heute 46-Jährigen ergehen wird, wenn sie in mehr als 20 Jahren als erster Jahrgang mit 67 in Rente gehen.

Dass sie weit zuversichtlicher in die Zukunft blicken können, als die Gewerkschaften glauben machen wollen, bestätigen auch aktuelle Daten des Instituts der Deutschen Wirtschaft. Danach hat sich die Zahl der Erwerbstätigen im Alter von 50 bis 65 nicht nur um fast 2,4 Millionen erhöht. Der Anteil der Erwerbstätigen an der entsprechenden Altersgruppe ist darüber hinaus von 48 Prozent im Jahr 1999 auf 65 Prozent gestiegen. Auch der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die durch ihre Sozialabgaben zur Sicherung der Rentenfinanzen beitragen, wuchs von 31,8 auf 44 Prozent.

Vehement weist das IW die These zurück, ein großer Teil der über 50-Jährigen habe nur schlechte Jobs. Der Trend gehe eher in die entgegengesetzte Richtung, sagt IW-Arbeitsmarktexperte Holger Schäfer. Selbst von den 1,7 Millionen Erwerbstätigen über 60 habe mit 1,1 Millionen die Mehrzahl einen sozialversicherungspflichtigen Job: 330 000 waren selbstständig, 150 000 Beamte.

Die CSU plädiert nach anfänglichem Widerstand ihres Chefs Horst Seehofer inzwischen ebenfalls dafür, an der Rente mit 67 nicht zu rütteln. Ihr Sozialexperte Max Straubinger forderte am Dienstag aber bessere Erwerbsminderungsrenten, um Arbeitnehmer, die bis 67 gesundheitlich nicht durchhalten, vor Altersarmut zu bewahren. So soll die Riesterrente künftig auch bei Erwerbsunfähigkeit gezahlt werden. Den gesetzlichen Rentenanspruch bei Erwerbsminderung will Straubinger ebenfalls schrittweise erhöhen. Dies werde die Rentenkassen bis 2029 maximal mit einer Mrd. Euro zusätzlich belasten und verhindern, dass die Rente mit 67 für viele Versicherte zur bloßen Rentenkürzung wird.

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  • Absolut meiner meinung !!!! ihr wisst ja aus welchen "stall"die leute kommen ,mit dem leben des kleinen "mannes " haben die noch nie was zu tun gehabt aber herrschen und bestimmen ; das wollen sie und dabei noch schön fett die taschen voll machen . bin ja gespannt was die kinder der leyen-tussi dann für ministerposten bekommen (zur ehrlicher arbeit werden die genausowenig taugen wie die mutter. Schluß mit der zivildiktatur !!!! Aber dem deutschen tuts noch nicht weh genug .Wenigstens habens schon viele leute aus anderen staaten kapiert von welchen nasen wir regiert werden !! und drum gehen die hier weg ; oder kommen erst gar nicht her .

  • Weniger als 10% der jetzt 64-jährigen haben einen sozialversicherungspflichtigen Job! Unter berücksichtigung von beamten und Selbsständigen bekommen also über 50% dieser Altersgruppe eine gekürzte Rente. Mit der Rente mit 67 wird dieser Anteil und der Kürzungsbetrag deutlich steigen.

  • Weshalb nimmt man nicht die pragmatische Lösung?

    Das offizielle Renteneintrittsalter steigt auf 67, aber jeder, der möchte, kann früher in Rente gehen (z. b. mit 65), wenn er die entsprechenden Abschläge in Kauf nimmt (z. b. 3.6 % pro Jahr so wie heute). Jeder, der das nutzen will, kann ja entsprechend Vorsorge treffen, z. b. durch Riester-Rente und/oder Eigenheim.

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