Rente mit 67
SPD wirft Regierung Schönrechnerei vor

SPD und Linke haben Arbeitsministerin Ursula von der Leyen vorgeworfen, die Lage älterer Arbeitnehmer schönzureden. Im vergangenen Jahr hätten nur knapp zehn Prozent der 64-jährigen Arbeiter und Angestellten einen sozialversicherungspflichtigen Job gehabt, 90 Prozent seien ohne Arbeitsplatz gewesen.
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HB. SPD und Linke haben Arbeitsministerin Ursula von der Leyen vorgeworfen, die Lage älterer Arbeitnehmer schönzureden. Im vergangenen Jahr hätten nur knapp zehn Prozent der 64-jährigen Arbeiter und Angestellten einen sozialversicherungspflichtigen Job gehabt, 90 Prozent seien ohne Arbeitsplatz gewesen. Diese Tatsache habe die Ministerin in ihrem Bericht zur Rente mit 67 verschwiegen. Erst eine Anfrage seiner Partei an das Ministerium habe die Zahlen zu Tage gefördert, kritisierte Linken-Chef Klaus Ernst gestern bei der Debatte zum Prüfbericht zur Rente mit 67 im Bundestag.

SPD spricht von Tascherspielertricks

SPD-Chef Sigmar Gabriel warf der Ministerin "Taschenspielertricks" vor, weil sie in ihre Berechnungen zur Erwerbsquote Älterer auch Beamte, Selbstständige, Mini- und Ein-Euro-Jobber mitgezählt habe.

Von der Leyen bestritt dies nicht, wies aber darauf hin, dass der Trend bei der Erwerbsbeteiligung Älterer eindeutig nach oben zeige. So habe sich die Erwerbsquote der 60- bis 64-Jährigen binnen zehn Jahren von 20 auf 40 Prozent verdoppelt. Dies sei maßgeblich für die Entscheidung der Bundesregierung gewesen, mit dem Einstieg in die Rente mit 67 wie geplant 2012 zu starten. Dagegen forderte die SPD erneut, den Einstieg zu verschieben. Die Linke will sie ganz abschaffen, da sie nur eine verdeckte Rentenkürzung sei.

Genau dies bestreitet der Sozialbeirat der Bundesregierung, in dem auch die Gewerkschaften vertreten sind. In seinem Gutachten zum Prüfbericht kommt er vielmehr zu dem Ergebnis, dass die schrittweise Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre bis 2029 vor allem bei Versicherten zu Renteneinbußen führt, die vor Rentenbeginn Hartz IV beziehen. Für die meisten falle die Rente dagegen höher aus als bei der Rente mit 65, da die längere Lebensarbeitszeit die Relation zwischen Beitragszahlern und Rentnern verbessere. Denn dies führe nach der Rentenformel zu höheren Rentenerhöhungen. Dies gelte auch für Versicherte, die vor Rentenbeginn Arbeitslosengeld I beziehen oder vor dem 60. Lebensjahr erwerbsunfähig werden und Erwerbsminderungsrente erhalten.

CDU-Rentenexperte Peter Weiß kündigte an, die Bundesregierung plane mögliche "Sicherungslücken" durch de Rente mit 67 zu schließen. Eine Kommission werde in Kürze Vorschläge erarbeiten, "wie zum Beispiel die rentenrechtliche Absicherung von Hartz-IV-Empfängern und die Lage von Erwerbsminderungsrentnern so gestaltet werden kann, dass Altersarmut in Zukunft gar nicht erst entsteht."

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  • @ marco, besser hätte man das nicht kommentieren können!!!!

  • im Jahr 2030 müssen 100 sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer für die Rente von rund 70 Rentnern (gerechnet auf ein Alter von 65 Jahren) aufkommen! Allein daraus ist schon zu sehen, dass wir in den nächsten Jahren das Renteneintrittsalter weiter anheben müssen. Die Diskussion um das Renteneintrittsalter ist derzeit nichts anderes als bauernfängerei! Aber da es nun mal überdurchschnittlich viele Wählerstimmen bei den über 50-jährigen gibt, versucht die Politik, sich diese Stimmen zu sichern. Daher auch die Rentengarantie, dass die Renten nicht sinken!

    Aber was ist mit der Garantie für ausreichend Kindergärten und Kindergrippen? Die ist das Papier nicht wert, auf dem sie niedergeschrieben steht!

    Und hier liegt das wahre Problem! Wir müssen viel mehr Geld in unsere Zukunft, in unsere Kinder, investieren! Um längerfristig die Überalterung zu überwinden, müssen wir es Familien ermöglichen in Schnitt 3 Kinder erfolgreich großzuziehen. Derzeit liegen wir bei 1,4 Kindern (statistisch gesehen) und schon jetzt haben wir riesige Probleme mit Kindergärten, Schulen und Universitäten!

    Das Geld wäre da, wenn man sieht, was diese Regierung an Milliarden den banken, Großkonzernen, etc. verschenkt. Laut Wirtschaft, ist auch der bedarf nach Fachleuten da! Allein durch den höheren bedarf der Kinder wird die Wirtschaftsleistung noch einmal steigen. Neue Kindergärten, neue Schulen, mehr Erzieher und Lehrer, mehr Kindersachen und Spielzeug (vorausgesetzt man lässt diesen Aufschwung in Deutschland und verlegt ihn nicht aus Profitgier nach China) und was noch schöner daran ist, die Älteren werden dann definitiv gebraucht!

    Aber ob es so kommt, liegt auch in den Händen der älteren Generation, denn sie hat momentan die Stimmenmehrheit in der Republik! Jetzt zeigt sich, ob sie lieber nur über ihre Renten jammern und die "lärmenden" Kinder von ihrem Rasen jagen oder ob sie sich ihrer Kinderzeit erinnern und dann den richtigen Weg einschlagen!

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