Rente
Wer zahlt die Zeche fürs Rentenplus?

Die Regierung erhöht die Rente – doch die Gegenfinanzierung ist umstritten. Denn die Erhöhung wird durch nur geringfügige Rentenerhöhungen ab 2011 erkauft. Kritiker haben Zweifel, ob das realistisch ist.

BERLIN. Das Bundeskabinett hat die außerplanmäßige Rentenerhöhung um 1,1 Prozent beschlossen. Doch auch nach der Sondererhöhung wachsen die Zweifel an der geplanten Gegenfinanzierung. „Das wird nicht einfach“, sagte Bert Rürup, der oberste Rentenberater der Bundesregierung, gestern: „Der Gesetzesentwurf fußt auf einem außerordentlich hohen Vertrauen in die rentenpolitische Standhaftigkeit der nächsten Bundesregierung.“

Das Paragrafenwerk geht nämlich davon aus, dass die außerplanmäßigen Zuschläge von 1,1 und zwei Prozent 2008 und 2009 dann in den Jahren 2011 bis 2013 durch Mini-Anpassungen von 0,3 Prozent, 0,7 Prozent und 1,1 Prozent kompensiert werden (siehe „Renten steigen nur kurzfristig“). Die Wohltat werde auf dem Papier „durch eine Schlechterstellung“ der 20 Millionen Ruheständler in der Zukunft finanziert, erläuterte Rürup auf der Handelsblatt-Jahrestagung „Betriebliche Altersversorgung“.

Nicht nur der Wirtschaftsweise hält es für fraglich, dass die ausfallende Rentendämpfung später wirklich nachgeholt wird. Auch Alexander Gunkel, der Geschäftsführer der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA), äußerte „ernste Zweifel“ an diesem Vorhaben. Der von den Senioren in seiner Partei heftig angefeindete CDU-Bundestagabgeordnete Jens Spahn sagte „Spiegel-Online“, er könne den Versprechungen der Regierung „nicht ganz“ glauben: „Wenn wir es in wirtschaftlich besseren Zeiten nicht schaffen, unseren Kurs durchzuhalten, warum sollten wir dann in möglicherweise nicht mehr so guten Zeiten den Menschen wieder weniger Rente zumuten?“

Der Riester-Faktor wurde 2001 als Ausgleich für die stärkere Belastung der Arbeitnehmer durch die private Altersvorsorge eingeführt. Er kappt die jährliche Rentenerhöhung normalerweise um etwa 0,6 Prozentpunkte. Nach dem endgültigen Entwurf für das „Gesetz zur Rentenanpassung 2008“, der dem Handelsblatt vorliegt, kostet die zweimalige Aussetzung des Faktors die Rentenkassen bis 2012 rund elf Mrd. Euro. Auf den Bund kommen zusammen mit der automatischen Anhebung der Grundsicherungs-Regelsätze mindestens 3,9 Mrd. Euro zu. Bis zum Jahr 2010 sollen die staatlichen Zusatzkosten aus dem Etat von Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) bestritten werden. Im Jahr 2011 wird das Geld etwa hälftig durch globale Minderausgaben im Scholz-Etat und im Bundeshaushalt dargestellt. Ab 2013 ergeben sich für Rentenkassen und Bundeshaushalt in dem Finanztableau keine nennenswerten Mehrbelastungen mehr. Dies setzt jedoch die Nachholung der ausgefallenen Kürzung voraus.

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