Renten
Wenn Lafontaine ökonomische Nachhilfe gibt

Oskar Lafontaine ist bemüht, am Rad der Zeit zu drehen: Wie in vergangenen Tagen möchte er Ministerpräsident und Kanzlerkandidat werden – und das mit 64 Jahren. Kein Wunder also, dass der Chef der Linkspartei sich neuerdings für die Rentenpolitik interessiert.

BERLIN. Der Mann geht auf die 64 zu. In zwei Jahren möchte er Ministerpräsident des Saarlandes werden und danach mindestens Bundeskanzler. Doch die Anhebung der Altersgrenze auf 67 Jahre lehnt Oskar Lafontaine ebenso ab wie alle Rentenreformen, die Deutschland „ins vorletzte Jahrhundert zurückversetzen“.

Riester-Faktor, Nachhaltigkeitsfaktor, Nachholfaktor: alles müsse weg, forderte der Chef der Linkspartei gestern. Und dazu auch gleich der „Wortdreck“ von den Lohnnebenkosten, „der die Hirne verunreinigt“. Lafontaine will die SPD quälen, der er kürzlich gönnerhaft das Kanzleramt angeboten hatte, wenn sie nur ihre Agenda-2010-Politik revidiere. Durch etwas „Nachhilfeunterricht“ möchte er nun das „laue Lüftchen“ der innerparteilichen Rentenkritik anfachen.

Da kommt dem Populisten eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gerade recht. Zwar loben die Experten ausdrücklich, die deutschen Reformen hätten „die finanzielle Nachhaltigkeit des Systems deutlich erhöht“. Doch Lafontaine pickt sich den Vergleich der späteren Rente mit dem Bruttoverdienst eines Arbeitnehmers heraus. Hier schneidet Deutschland schlecht ab, während Länder wie die Türkei, Ungarn und Griechenland vorne landen.

Wie wenig aussagekräftig die Gegenüberstellung staatlicher Grundrenten mit dem hiesigen linearen Beitragssystem ist, zeigt der Hinweis der OECD, dass Deutschland mit 11,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts weit mehr für die Alterssicherung aufwende als der OECD-Durchschnitt (7,7 Prozent). Auch erhält ein Ruheständler hier zu Lande bis zu seinem Tod in absoluten Zahlen fast viermal so viel Geld wie in der Türkei oder in Ungarn.

Doch das hindert Lafontaine nicht, das Ergebnis zum „unfassbaren“ Skandal zu stilisieren. Seine Antwort: Das aktuelle Rentensicherungsniveau von 53 Prozent des durchschnittlichen Einkommens müsse auf Dauer festgeschrieben werden. Finanziert werden könne dies durch einen langfristigen Anstieg des Beitrags von 19,9 auf 28 Prozent.

Selbst wenn dieser Wert ausreichen sollte, würden so die Beitragszahler gegenüber den Regierungsplänen mit 50 Milliarden Euro und der Bund mit zusätzlichen zehn Milliarden belastet. Kein Problem, so Lafontaine: In anderen Ländern sei die Abgaben- und Steuerquote noch höher. Dass die Lasten ausschließlich von den Jungen zu tragen wären, stört die ergraute Linkspartei kaum. Ohnehin sei früher vieles besser gewesen: Das Rentensystem möchte Lafontaine auf den Rechtsstand von 1992 zurückführen. Das wäre Blüm pur. Fehlt nur noch der bewährte Slogan: „Die Rente ist sicher“.

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