Der Wirtschaftsaufschwung geht an den Senioren vorbei. Deutschlands Rentner müssen in diesem Jahr wohl mit einem deutlich geringeren Anstieg ihrer Pensionen rechnen als bisher angenommen. Zwei Faktoren könnten daran aber noch etwas ändern.
Deutschlands 20 Millionen Rentner werden wohl auch dieses Jahr nur eine magere Rentenerhöhung erhalten. Foto: AP
BERLIN. Statt um rund ein Prozent - wie noch vor wenigen Monaten prognostiziert - dürften die Altersbezüge der rund 20 Millionen Rentner in diesem Jahr nur um 0,54 Prozent steigen.
Damit würden die Renten wieder in so geringem Umfang erhöht werden wie schon im vergangenen Jahr, als sie nach drei Nullrunden ebenfalls nur um 0,54 Prozent angehoben wurden. Wer eine Monatsrente von 800 Euro hat, darf also zur Jahresmitte mit etwa vier Euro Aufschlag rechnen.
Zwar wiesen gestern die Deutsche Rentenversicherung und das Arbeitsministerium einen entsprechenden Bericht der "Bild"-Zeitung als verfrüht zurück. Die erforderlichen Daten des Statistischen Bundesamtes würden erst im Laufe des März vorliegen, hieß es zur Begründung.
Jedoch sind die Löhne im vergangenen Jahr nach ersten Daten der amtlichen Statistiker mit 1,4 Prozent deutlich geringer gestiegen, als die Bundesregierung erwartet hatte. Das weist darauf hin, dass auch die Renten entsprechend in geringem Umfang erhöht werden.
Nach der Rentenformel sollen die Renten grundsätzlich wie die Löhne im Vorjahr steigen. Allerdings hat der Gesetzgeber in den vergangenen Jahren mehrere Dämpfungsfaktoren eingeführt, um den Rentenbeitrag der Aktiven bis 2020 unter 20 Prozent des Bruttoeinkommens zu halten. So vermindert der Riesterfaktor den Anpassungssatz um 0,6 Prozentpunkte. Um weitere 0,4 Punkte sinkt die Erhöhung, weil 2007 der Rentenbeitrag von 19,5 auf 19,9 Prozent angehoben wurde.
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Zwei Faktoren könnten doch noch zu einem höheren Rentenanstieg führen, hieß es gestern bei der Rentenversicherung. Sollte die Zahl der Aktiven im vergangenen Jahr dank der positiven Beschäftigungsentwicklung stärker als die Zahl der Rentner gestiegen sein, würde dies über den sogenannten Nachhaltigkeitsfaktor zu einer höheren Anpassung führen.
Zudem könnten die für die Rentenerhöhung in Ost- und Westdeutschland maßgeblichen beitragspflichtigen West-Löhne stärker gestiegen sein als der Durchschnitt. Auch dies würde den Anpassungssatz erhöhen.
Allerdings würde auch ein Rentenplus von einem Prozent nichts daran ändern, dass die Realeinkommen der Rentner angesichts einer Inflationsrate von mehr als zwei Prozent und der geplanten Erhöhung des Pflegebeitrags um 0,25 Prozentpunkte weiterhin sinken.
Politiker von SPD und Linken forderten deshalb gestern, über eine Änderung der Rentenformel nachzudenken. Noch im August hatte sich das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) weit vorgewagt und für 2008 eine Rentenerhöhung von 1,5 Prozent prognostiziert. SPD-Chef Kurt Beck hängte sich an diese - gewagte - Prognose und stellte eine "spürbare Rentenerhöhung" in Aussicht. Die wird aber wohl ausbleiben.

