Rentenangleichung in Ost und West: Die schwierige Suche nach der gerechten Lösung

Rentenangleichung in Ost und West
Die schwierige Suche nach der gerechten Lösung

Gleiche Rente in Ost und West - kommt sie oder kommt sie nicht? Die Länder machen Druck. Doch eine vollständige Angleichung brächte keineswegs für alle in Ostdeutschland Vorteile.

BerlinDie Bundesländer pochen auf eine Angleichung der Renten in Ostdeutschland an das Westniveau. Als Zwischenschritt fordern sie, wie im Koalitionsvertrag anvisiert, eine Teilangleichung der Ost- an die Westrenten im kommenden Jahr. Ohne einen solchen Teilschritt halten sie die versprochene komplette Angleichung Ende 2019 für unrealistisch. Weil das Vorhaben aber kompliziert ist, erneuerten die Länder zudem ihre Angebot, dass eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe Lösungen sucht. Eine entsprechende Stellungnahme beschloss der Bundesrat am Freitag mit Mehrheit.

„In nahezu allen Bereichen sehen sich die Ostdeutschen inzwischen auf Augenhöhe“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD). Das gelte nur nicht für Löhne und Renten. So stünden Rentnerehepaaren im Osten 2016 Euro pro Monat zur Verfügung, 500 Euro weniger als im Westen. Alleinstehende Männer hätten 270 Euro im Durchschnitt weniger. Selbst Frauen hätten trotz längerer Erwerbszeiten im Osten weniger.

Das Problem ist, dass eine komplette Angleichung nicht nur Gewinner mit sich bringen würde. Es sei schwierig, zu Lösungen zu kommen, die insgesamt gerecht seien, räumte Sellering ein.

Einerseits ist zwar der Rentenwert - quasi die monatliche Rente für ein Jahr Beschäftigung mit Durchschnittsentgelt - im Osten geringer. Laut aktuellem Rentenversicherungsbericht beträgt er ohne gesetzliche Schritte auch 2019 nur 93,5 Prozent. Andererseits aber werden die der Rente zugrundeliegenden Ostlöhne bei der Rentenberechnung aufgewertet.

Die Aufwertung soll Nachteile wegen der geringeren Löhne ausgleichen. Heute ist ein Beitrag von einem Euro quasi 1,17 Euro wert. Laut dem Sozialbeirat der Bundesregierung erwerben ostdeutsche Rentenversicherte derzeit bei gleichem Lohn um 8,5 Prozent höhere Rentenansprüche als westdeutsche Versicherte.

Käme also eine komplette Angleichung, würden heutige Rentner zwar profitieren. Würde auf die Höherwertung verzichtet, gäbe es aber unterm Strich „einen merklichen Verlust für die meisten ostdeutschen Beitragszahler und künftigen Rentner“, so der Sozialbeirat.

Der Beirat hat auch berechnet, was eine Ost-West-Angleichung kosten würde. Aktuell käme sie einer Rentenerhöhung um acht Prozent im Osten gleich - Kostenpunkt: vier Milliarden Euro.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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