Rentenfrage
„Parteien scheuen radikalen Schnitt“

Im Wahljahr steigen die Renten, die Parteien beglücken die Ü65-Generation mit der Aussicht auf Mindestrente (SPD) oder Lebensleistungsrente (CDU). Dabei sagen Experten, dass das aktuelle Rentensystem keine Zukunft hat.
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DüsseldorfDiese Nachricht kommt der schwarz-gelben Bundesregierung wie gerufen: Im Juli 2013 – mitten in der Wahlkampf-Hochphase – werden in Deutschland die Renten steigen. Und das nicht zu knapp. So erwartet Rentner in Ostdeutschland mit 3,49 Prozent das höchste Plus seit 1997. Im Westen steigen die Altersbezüge um ein Prozent.

Das steht im bisher unveröffentlichten Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung, der am Mittwoch dem Kabinett vorgelegt wird. Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, soll die Rentenerhöhung im Sommer 2013 keine Eintagsfliege sein. Für 2014 sieht der Bericht eine Steigerung der Altersgelder von 2,33 Prozent im Westen und von 2,4 Prozent im Osten vor. Im Jahr darauf sollen die Renten in Westdeutschland um 2,55 Prozent angehoben werden, in Ostdeutschland um 2,65 Prozent. 2016 soll es in den alten Bundesländern 2,39 Prozent mehr Rente geben, in den neuen 2,47 Prozent mehr.

Die guten Zahlen stimmen allerdings nur dann, wenn es bei der wirtschaftlichen Entwicklung keinen ernsthaften Rückschlag gibt. In diesem Fall müssten die Werte für die Renten-Erhöhungen nach unten korrigiert werden.

Die Erhöhung im kommenden Jahr beruht auf einem Automatismus. Sie berechnet sich jährlich aus der Rentenformel, in die Parameter wie die Lohnentwicklung und das Verhältnis von Beitragszahlern und Empfängern eingerechnet werden.

„Wir hatten in diesem Jahr gute Tarifabschlüsse, zudem wieder mehr Beschäftigte in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen – das zahlt sich für die Rentner nun aus“, erklärt Anika Rasner, Rentenexpertin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Eine Einschränkung macht die Deutsche Rentenversicherung. „Der Rentenversicherungsbericht ist nur eine Prognose, für dieses Jahr können schließlich nur vorläufige Zahlen vorliegen“, sagt DRV-Sprecher Dirk von der Heide.

Und auch die Arbeitnehmer profitieren von der wirtschaftlichen Entwicklung: Ihr Beitragssatz wird von 19,6 auf 18,9 Prozent sinken. Was die Rentenexperten der Stiftung „Denkwerk Zukunft“ kritisieren. „Hier besteht ein Sparpotenzial, man sollte die Überschüsse lieber zurücklegen“, sagt Geschäftsführerin Stefanie Wahl.

Doch statt zu sparen arbeiten alle Parteien an Rentenkonzepten, die vor allem eines zum Ziel haben: Die Ü65-Generation nicht zu vergraulen. Denn 20 Millionen Rentner in Deutschland sind 20 Millionen potenzielle Wählerstimmen, die es zu umwerben gilt. Dabei widerspricht diese Politik der vollen Taschen vollkommen der demografischen Entwicklung, die das deutsche Rentensystem bedroht.

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„System wird aus Bequemlichkeit beibehalten“

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  • Das holländische Rentensystem ist wie ein BGE

    ein Modell für Deutschland. Es ist eine kleine Umverteilung. Hohe Renten und Pensionen werden gekappt, niedrige wie die von Frauen und Geringverdiener angehoben!!!

    siehe hier:

    http://www.youtube.com/watch?v=_rJAIKPWyxw

    Das System ist sozialer, weil es alle absichert mit einer ausreichenden Basis. Außerdem zahlen in Holland auch noch Arbeitgeber und sind beteiligt -- dort über die obligatorische Betriebsrente.

    letztlich dadurch auch eine Kombi aus steuerfinanzierter Rente ohne Beitragsbemessungsgrenzen und Arbeitgeberanteilen.

    wir sind eine arbeitsteilige Gesellschaft. Die Arbeit einer Krankenpflegerin muss auch gewürdigt werden, wenn die weniger verdient. Für Frauen wäre so ein System besser. Menschen brauchen auch Sicherheit und deshalb muss man aufhören immmer beliebig dran rumzumanipulieren, sondern eine verlässliche Basis bieten!

    eines Tages wollen in DE die Jungen nur noch Beamte oder BWLer werden. Und wenn DE die Rentenfrage nicht löst, werden junge Menschen abwandern in die Länder, die bessere Preis-Leistungs-Verhältnisse bieten.

    die Rente soll nicht für die jetzigen Alten, sondern auch für künftige stabilisiert werden. Generationgerechtigkeit ist eh eine Farce als Begriff: die Generationen leben immer gegenseitig als Kostgänger voneinander. Bei einem Rentensystem wie in Holland könnten wir endlich aufhören darüber zu diskutieren, dass die arbeitende Generation allein für Renten zahlt, da es dann von Arbeit entkoppelt ist - Steuern zahlen alle und das kann man auch etwas reformieren. Da seh ich durchaus Möglichkeiten bzgl. anderer Einkommensarten statt nur Erwerbstätigkeit.

    für müssen sowieso weg von der maskulinen Vollzeitgesellschaft. Automatisierung und sinkendes Arbeitsvolumen erzwingen das geradezu. Würden alle Vollzeit arbeiten wollen, hätten wir 13 Mio. Arbeitslose.

    Holland hat die höchste Teilzeitquote Europas -- auch mit wg. dem entkoppelten Rentensystem. Arb.losigkeit niedrig.

  • @Ulrich62
    Ihre Ausführungen zu meinem Beitrag bezüglich der Zukunft es deutschen Sozialsystems, zeigt mir, dass Sie den Sinn und die Funktionsweise eines bedingungslosen Grundeinkommens nicht verstanden haben.
    Deshalb noch einmal: es handelt sich nicht um einen Einheitslohn, obwohl das Grundeinkommen sämtliche Mindestlöhne überflüssig macht. Die sollen eh nur eingeführt werden, damit der Arbeitnehmer nicht als "working poor" dem Staat zur last fällt. Grundeinkommen bedeutet Existenzsicherung für alle. Und alle bekommen es. Erwachsene !beispielsweise! 800 EUR und Kinder 400 EUR. Es soll dem Bürger nicht das Häuschen/Penthouse, das dicke Auto und die drei Urlaube im Jahr finanzieren. Um das zu finanzieren und um sich selbst zu verwirklichen, also seiner "Berufung" nachzugehen, werden die meisten Bürger weiter arbeiten gehen. Ein schöner Nebeneffekt: Der Arbeitnehmer steht nicht mehr unter Existenzdruck und kann sich so zu jeder Zeit von unliebsamen, mobbenden, schlecht zahlenden und erpressenden Arbeitgebern trennen. Umgekehrt könnte man den Kündigungsschutz einschränken. Und bezahlbar ist das Grundeinkommen auf jeden Fall, da schon heute kein Bürger in Deutschland verhungern und auf der Straße leben muss. Denn Deutschland ist ein reiches Land. Nur die Verteilung des Reichtums funktioniert nicht. Not macht zwar erfinderisch, weiß der Volksmund, doch leerer Bauch studiert nicht gern;-) Und wenn Sie für 800 EUR im Monat zuhause bleiben wollen? Bitte! Ich gönne es Ihnen.

  • """"""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""


    deraufklaerer

    Wieder so ein Dummschwätzer der im Netz seine Unwissenheit verbreiten möchte .

    Wenn man Hartz 4 ist u.die Steuerbürger abzockt,dann sollte man sich geschlossen halten .

    Geh schlafen u.demnächst keinen Alkohol mehr .

    """"""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""

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