Rentenversicherungsbericht
Müntefering beerdigt Sichere-Renten-These

„Die Rente ist sicher“, versicherte Helmut Kohls Arbeits- und Sozialminister Norbert Blüm einst. Sein SPD-Nachfolger Franz Müntefering hat diese These jetzt mit Pauken und Trompeten beerdigt: Er sagt, die gesetzliche Rente werde derart verkümmern, dass sie für ein auskömmliches Leben nicht mehr reiche.

HB BERLIN. Im Rentenversicherungsbericht, den Müntefering am Mittwoch in Berlin vorstellte, heißt es, nur wer zusätzlich kräftig spare - mehr als die meisten Menschen es heute tun - werde es sich so viel leisten können wie als Berufstätiger. „In Zukunft wird der erworbene Lebensstandard nur erhalten bleiben, wenn die finanziellen Spielräume des Alterseinkünftegesetzes und die staatliche Förderung der privaten Vorsorge (Riesterrente) genutzt weden, um eine private Vorsorge aufzubauen“, heißt es.

Der Bericht stellt nach Modellrechnungen Prognosen für die Entwicklung der Altersvorsorge in Deutschland bis zum Jahr 2019 auf. Demnach soll der Beitrag zur Rentenversicherung im kommenden Jahr von heute 19,5 auf 19,9 Prozent steigen. Dieser Wert soll bis 2012 gehalten werden. Um dies zu leisten, müsste wegen der nach wie vor äußerst dünnen Finanzdecke der Rentenkassen aus heutiger Sicht im Jahr 2008 der Bund 600 Millionen Euro zusätzlich zuschießen. Darüber soll aber erst 2007 entschieden werden. Für das Jahr 2013 wird ein Beitragssatz von 19,6 Prozent angenommen, für die Jahre danach bis 2019 eine Verringerung auf 19,4 Prozent.

Das Rentenniveau vor Steuern wird sich dem Bericht zufolge bereits bis 2009 spürbar verringern. So kann ein Arbeitnehmer, der in diesem Jahr in den Ruhestand geht, noch mit 52,2 Prozent „Sicherungsniveau“ rechnen. Der Wert bezieht sich auf die Durchschnittseinkommen nach Abzug der Sozialabgaben aber vor Steuern. Schon 2009 sollen es nur noch 49,9 Prozent sein, 2019 dann 46,3 Prozent. Dies sind Zielwerte, die bereits mit der jüngsten Rentenreform gesetzt wurden. Bis 2030 soll das Niveau demnach nur noch 43 Prozent betragen.

In Modellrechnungen ergibt sich daraus eine Bruttostandardrente von 1 176 Euro für das laufende Jahr. Angesichts geplanter Nullrunden verändert sich der Wert in den Modellrechnungen für 2007 und 2008 nicht und steigt dann auf 1 180 Euro. 2014 soll er mit 1 263 Euro kaum spürbar darüber liegen. Für 2019 ist ein Wert von 1 414 in Aussicht gestellt.

Wer heute konsequent privat vorsorgt, kann das Sinken des gesetzlichen Rentenniveaus abfedern. Wer 2010 in Rente geht, kann sich als „Standardrentner“ bis dahin im besten Fall 33 Euro pro Monat zusätzlich an Riesterrente zusammensparen. Bis 2019 sind 110 Euro im Monat möglich. Damit käme der Standardrentner immerhin noch auf ein Sicherungsniveau von insgesamt 49,9 Prozent, also knapp drei Prozentpunkte weniger als der heutige Neurentner mit der gesetzlichen Rente allein.

Müntefering betont in dem Bericht, dass die Rentenprognosen auch deshalb etwas schlechter ausfallen als in früheren Jahresberichten, weil geringere Werte für Wirtschaftswachstum und Lohnentwicklung eingesetzt worden seien. Die Annahmen der rot-grünen Regierung hatten sich regelmäßig als zu optimistisch erwiesen. Müntefering geht nun für die mittlere Variante seiner Modellrechnungen von 2,5 Prozent Lohnzuwachs aus sowie langfristig von 1,7 Prozent Wirtschaftswachstum pro Jahr.

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