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Friedrich Merz – der Teilzeit-Abgeordnete

Friedrich Merz, von Angela Merkel in der Union kaltgestellt, verdient sein Geld längst auch wieder als Anwalt. Parteifreunde sind verärgert, denn bei dem neuen Doppeljob sind Interessenkonflikte vorprogrammiert.

BERLIN. Für die Mitglieder des Wirtschaftsrats ist Friedrich Merz ein Star. Auf der Mitgliederversammlung des CDU-Unternehmerverbandes in Berlins Interconti-Hotel grüßt er vom Podium in die Menge der 2 000 Zuhörer hinein. In den Kaffeepausen ist quasi Autogrammstunde, wenn sich die Fans um den Zwei-Meter-Mann aus dem Sauerland drängen. Noch immer rühmen sie seinen Plan, die Steuererklärung so zu vereinfachen, dass sie auf einen Bierdeckel passt.

Im Bundestag jedoch sitzt Merz jetzt oft allein auf der Hinterbank. Parteifreunde halten Distanz zu ihrem 50-jährigen Fraktionskollegen. Mann im Mittelpunkt: Das war gestern, das war, ehe Merz im November 2004 seinen Posten als Fraktionsvize im Dauerstreit mit CDU-Parteichefin Angela Merkel aufgab.

Bis dahin war der Finanzexperte der Vormann seiner Partei für Wirtschaftskompetenz. Dass er 2003 die Abgeltungsteuer, ein Lieblingsprojekt der Wirtschaft, verhinderte, schließlich gar den Bierdeckel wegwarf, weil die Reform zu teuer würde – nichts konnte die Begeisterung für Merz in Fraktion und CDU-Wirtschaftsrat trüben. Für seinen Rücktritt kritisiert wurde Merkel. Sogar sein Nachfolger Michael Meister bedauerte den Abgang des brillanten Rhetorikers aus der ersten Reihe.

Der arbeitet nun als Sozius in der US-Anwaltskanzlei Mayer, Brown, Rowe & Maw. Sein Bundestags-Direktmandat im Hochsauerlandkreis allerdings holte er bei der Wahl im vergangenen September erneut, in der Hoffnung auf einen schwarz-gelben Wahlsieg. Es wurde die große Koalition – und wieder fand Merkel keinen Platz für ihren Widersacher im Rampenlicht. Auf der Hinterbank harrt der nun schweigend aus, die Arme als Mauer oft vor der Brust verschränkt, und hofft auf das Ende der Koalition mit der SPD. Dann, so das Kalkül, werde die Union einen Wirtschaftspolitiker wie ihn brauchen, der unbelastet geblieben ist von großkoalitionären Kompromissreformen.

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