Report: Notoperation Streik

Report
Notoperation Streik

Die Ärzte treibt es in Scharen auf die Straße. Sie beklagen den "Versorgungsnotstand" und warnen vor einem "Versorgungsnotstand". Eine Sprechstunde mit frustrierten Ärzten und betrübten Patienten.

DÜSSELDORF/KÖLN. Der „Herr Doktor hat sie in Gang gesetzt“, sagt die alte Dame. 75 Jahre ist sie alt, hat 19 Kilo abgenommen. „Dann hat er mich auch noch zu einem neuen Bett überredet“, sagt sie und staunt fast ein wenig über sich selbst. Die Rückenschmerzen sind schon besser, gegen ihren Beckenschiefstand hilft Akupunktur.

Internist Uwe Höller aus Bergisch Gladbach ist stolz auf sich und seine Patientin. Nicht immer gelingt es ihm, seine „Kunden“ davon zu überzeugen, dass ihr Wohlstandsspeck weg muss, dass nicht alle Gesundheitsleistungen kostenlos sind, dass auch der Patient seinen Anteil leisten muss. Im deutschen Gesundheitssystem müsse ein Umdenken stattfinden – bei allen. Höller hat umgedacht: „Ich bin kein Samariter, sondern Leistungsträger.“

Wer Andrea Göbbels, Allgemeinmedizinerin aus Langenfeld, nach den Missständen in ihrem Beruf fragt, dem erzählt sie vor allem ein Erlebnis, das ihr im Gedächtnis geblieben ist. „Bei einer Fortbildung berichtete einer der Referenten, wie sinnvoll der Einsatz von AT-2-Antagonisten zur Vorbeugung von Herzinfarkten und Schlaganfällen ist“, erzählt die 39-Jährige. Das belegten wissenschaftliche Studien. Gleichwohl habe sie im Laufe des Vortrags die Wut gepackt: „AT-2-Antagonisten sind zu teuer, sie werden von den Krankenkassen als Prophylaxe nicht bezahlt.“ Eigentlich ein harmloser Vortrag, der der Medizinerin vor allem eines klar machte: „Wir stoßen immer mehr an unsere Grenzen, wenn es darum geht, den Patienten vernünftig zu versorgen.“ Genau das wolle sie aber. Freunde und Bekannte nennen sie schon mal aus Spaß „Die mit dem Mutter-Teresa-Syndrom“.

Zwei Ärzte, zwei Beispiele für die Schwachstellen im deutschen Gesundheitssystem. Gestern gingen Deutschlands Mediziner in Berlin und anderswo zu Zehntausenden auf die Straßen. Sie prangerten die „katastrophalen Arbeitsbedingungen“ an, warnten vor „Versorgungsnotstand“.

Seite 1:

Notoperation Streik

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%