Reportage
Frankfurt droht kaum ein „Paris-Szenario“

Hochhausblöcke, Jugendarbeitslosigkeit, fehlende Perspektiven, Schlägereien: Die Situation in Frankfurt-Schwanheim scheint denen in französischen Vorstädten zu gleichen. Doch Sozialarbeiter halten ein „Paris-Szenario“ am Main für unwahrscheinlich.

NEWS FRANKFURT. „Im Heisenrath“ ist eine langgezogene Straße in Frankfurt-Schwanheim. Acht aneinander gereihte Hochhäuser ragen in den grauen Himmel. Rund 250 Kinder und Jugendliche leben hier auf engstem Raum.

Bei den Hochhäusern handelt es sich um sozialen Wohnungsbau, in dem hauptsächlich Migranten und sozial benachteiligte Familien leben. „Ein großes Problem ist die Jugendarbeitslosigkeit und die Perspektivlosigkeit durch soziale Benachteiligung“, berichtet Uli Kratz, Leiter der aufsuchenden Jugendarbeit im Heisenrath. Der Evangelische Verein für Jugend- und Sozialarbeit betreibt den so genannten „Bunker“ direkt neben der Hochhausstraße. Zweimal pro Woche steht das Gebäude für die Jugendlichen offen.

Viele Konflikte auf wenig Raum

Am Wochenende besteht die Möglichkeit, für eine Pauschale von 30 Euro den Raum anzumieten. „Das wird sehr intensiv genutzt. Rund zwei Drittel der hier lebenden Jugendlichen kommen in den Bunker“, sagt Kratz. Außerdem bietet der Evangelische Verein zusammen mit der Sportjugend und anderen Einrichtungen einmal im Monat Mitternachtssport in der Turnhalle der Gesamtschule an.

Doch auch das andere Drittel, welches sich der Sozialarbeit entzieht, ist Kratz bekannt. „Es ist immer noch so, dass es bei Konflikten häufig zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt. Wir versuchen mit den Jugendlichen zu reden und ihnen Hilfestellung zu geben, doch das ist nicht immer leicht“, sagt der Streetworker.

„Heisenrath Ghetto Boys“

Gerade abends hängen viele der Jugendlichen, vor allem Jungs, an der Ecke zur langen Hochhaus-Sackgasse ab. „Sie schlagen sich mit anderen Stadtteilen wie Niederrad. Am krassesten ist die Ahornstraße in Griesheim“, erzählt Giulio*, 17, Berufsschüler.

Auch die Polizei weiß über die Vorfälle Bescheid und fährt dort regelmäßig Streife. „HGB“ für „Heisenrath Ghetto Boys“ ist an die Häuserwände gesprüht. Ein Großteil ist frisch renoviert, „doch das wird wohl nicht lange so bleiben“, glaubt Giulio. Trotzdem ist die Identifikation mit der Siedlung groß. „Mir gefällt es hier. Das ist mein Zuhause“, sagt Giulio. Er gehört nicht zu den so genannten „Wächtern“, die die Zufahrt zur Straße die Hochhäuser entlang bewachen und fremde Jugendliche anpöbeln. „Manchmal kontrolliert die Polizei auch die Personalausweise oder nimmt jemanden mit.“ Meist sind es Jungs, die aus Langeweile abends vor der Siedlung herumhängen und Mist bauen.

„Weniger ethnische Probleme“

„Die machen immer Scheiße, wie in den Hausfluren die Feuerlöscher demontieren und damit herumsprühen, erzählt Giulio. Und auch in der Umgebung ist die Siedlung Heisenrath bekannt. „Gerade in der Schule wird man als Heisenräther oft erst mal schief angeschaut“, sagt Giulio. Uli Kratz und der Evangelische Verein für Jugend- und Sozialarbeit wollen auch diese Jugendlichen erreichen.

„Wir gehen in die Stadtteile, um Probleme zu erkennen und helfen zu können. Wir nehmen ihre Wünsche entgegen“, sagt der Sozialarbeiter. Und: „Im Vergleich zu Paris gibt es trotz des hohen Anteils von ausländischen Bürgern aus 175 Nationen in Frankfurt weniger ethnische Probleme.“ Trotz bestehender sozialer Spannungen droht Frankfurt kein Paris-Szenario – jedenfalls nicht im Moment.

(* Name von der Redaktion geändert)

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