Reportage
In gepflegtem Hochschwäbisch

Am 26. März finden die Landtagswahlen in Baden-Württemberg statt. Im Wahlkampf scheint die beiden Kontrahenten Ute Vogt (SPD) und Günther Oettinger (CDU) nur ein Ziel zu verbinden: biederer zu erscheinen, als sie sind - die Stunde der Gaukler.

STUTTGART. Nach 20 Minuten hat die Rednerin ihr Pulver verschossen. Dann ist basta mit Programm. Ute Vogt erklärt den Parteifreunden noch, warum sie am 26. März zur Wahl gehen, warum sie, selbstverständlich, SPD wählen sollen. 20 Minuten reichen für den angepeilten Machtwechsel. Dann ist der Spuk vorbei. "Ich bitte um Ihr Vertrauen!"

In Hockenheim, der Gemeinde an der berühmten Rennstrecke, tritt die passionierte Motorradfahrerin im Hosenanzug an. Braun gestreift, knalleng wie ein Lederoutfit, drunter ein orangefarbenes Top. Noch immer macht die üppig gelockte SPD-Spitzenkandidatin auf jung. Wenngleich ihre Haartracht nicht "au naturel" ist. Und noch immer verwandelt sich das Gesicht des einstigen Frollein-Wunders aus Heidelberg in eine Maske des Lächelns, sobald das Regional-TV die Leuchten anschaltet.

Grund für das Lächeln gibt es keinen. Die Prognosen sagen der 41-Jährigen bei den Landtagswahlen in eineinhalb Wochen gerade mal 29 Prozent voraus. So stehen die Chancen gut, dass in Baden-Württemberg alles beim Alten bleibt. Günther Oettinger, dem nicht gewählten Nachfolger des von ihm gestürzten Erwin Teufel, sagen sie fette 46 Prozent voraus. Mindestens. Einziger Trost: Das schlimme Ergebnis vom letzten Mal, 25,1 Prozent, wird Frau Vogt kaum unterbieten können.

Auch nicht in Hockenheim. Dort adelt sie das Städtchen in einem Atemzug mit Heidelberg und Schwarzwald zur "Weltmarke". Offenkundig hat sie nicht mitbekommen, dass die Bürger dieses Etikett satt haben. Denn der "Ring" droht die Gemeinde in den Abgrund zu reißen: 29 Millionen Euro Schulden muss die Stadt für den maroden Kurs aufbringen, obwohl sie das Geld für Kindergärten, Schulen, und Sozialamt bitter nötig hat. Panne, total.

Auch im postmodernen Bürgerhaus ist die Stimmung nicht super. Vogt ist mit Abstand die Jüngste. Ihr lauscht die Generation Teufel. 80 Prozent der Zuhörer könnten ihre Eltern sein, die anderen 20 ihre Großeltern.

Seite 1:

In gepflegtem Hochschwäbisch

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Seite 5:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%