Reportage
Von der Leyens Liebling

Wie fühlt Mann sich eigentlich im Erziehungsurlaub – gut erholt? Ein Selbstversuch zu einer Zeit, in der die Politik die Einführung von „Vätermonaten“ beschließt.

KÖLN. Deep Purple, The Who, Led Zeppelin – wann hat ein Familienvater schon mal die Gelegenheit, sich in den eigenen vier Wänden die volle Dröhnung zu geben?! Bei der Hausarbeit natürlich. Wenn Frau und Tochter unterwegs sind. Ruth geht ihrem Job nach, Töchterchen Lea mischt die Spielgruppe auf. Und ich...? Falte Wäsche. Wieder einmal ist der Inhalt dreier Maschinen liegen geblieben. Handtücher, Bodys, Socken – und Roger Daltrey röhrt: „Going mobile: I’m an airconditioned mobile.“ Irgendwann war auch ich mal „on the road“ gewesen. Nun bin ich Familienvater und hab’ das Büro gegen den Haushalt getauscht. Vorübergehend. Für neun Monate. An diesem Morgen könnte ich Gitarren zertrümmern. Vor Wehmut? Frust? Glück?

„Wir müssen eine Kultur entwickeln, in der die Vaterrolle so wichtig wird wie die Mutterrolle“, sagt Familienministerin Ursula von der Leyen. Tatsächlich stellen Studien fest: „Väter üben in jeder Entwicklungsphase eines Kindes einen wichtigen Einfluss auf seine psychische, soziale und schulische Entwicklung aus. Kleinkinder können ebenso enge Bindungen zu Vätern aufbauen wie zu Müttern.“ Man muss ihnen nur die Gelegenheit geben. Folglich bin ich wohl von der Leyens Liebling!

Mein Leben als Hausmann beginnt am 1. Juni 2005. Tochter Lea kann die Farben von Wäscheklammern noch nicht unterscheiden. Und ihre Sätze sind lange nicht so gestochen wie die der Ministerin mit dem ewigen Lächeln. Dass ich eine Auszeit im Job nehmen würde, war von Anfang an klar. Denn meinen Beitrag zur Reproduktion westfälischer Dickköpfe allein auf den Moment der Konzeption beschränkt zu wissen, war mir zu wenig. Meine Frau war da schon skeptischer – zumindest anfangs: „Was ist mit dem Geld? Das wird doch alles ’was knapp.“ Ihre Weitsicht sollte sich als verblüffend herausstellen.

Tatsächlich muss, wer in die Elternzeit geht, sich darauf einstellen, dass er draufzahlt – zumindest dann, wenn der Mann, wie so oft, mehr verdient als die Partnerin. Hilfreich ist auch ein Opa, der sich an der finanziellen Frühförderung der nächsten Generation beteiligt. Besser anlegen kann man Geld sicher nicht.

Weil all das auch die Ministerin weiß, will sie Vätern auf die Sprünge helfen. Mit dem ab 2007 geplanten Elterngeld gedenkt die Politik Männern Mut zu machen, sich stärker ums Kind zu kümmern. Das Elterngeld soll 67 Prozent des letzten Nettoeinkommens betragen, maximal 1 800 Euro im Monat. Alle Erziehenden sollen einen Sockelbetrag in Höhe von 300 Euro im Monat erhalten. Zwei „Vätermonate“ zusätzlich lassen auch zusätzlich die Kasse klingeln, ansonsten bleibt es bei einem Jahr gezahlter Leistungen. Ob’s hilft?

Seite 1:

Von der Leyens Liebling

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%