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04.12.2007 

Es gibt keinen hieb- und stichfesten Vergleich über mehrere Jahrzehnte hinweg. Deshalb bleiben simpelste Fragen unbeantwortet. Ist die Vermögensverteilung in Deutschland im Lauf der Jahre ungleicher geworden, oder ist sie heute gar ausgewogener als früher? Die Ökonomen bleiben eine klare Antwort schuldig. „Das lässt sich aus verschiedenen Gründen nicht sagen, unter anderem, weil manche Statistiken die Betriebsvermögen nicht berücksichtigen“, sagt Gert Wagner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Das Unwissen ist deshalb besonders absurd, weil viele politische Schritte ausdrücklich auf „mehr Verteilungsgerechtigkeit“ abzielen. Weil sie die Landkarte der Vermögensverteilung aber nicht kennt, befindet die Politik sich in der Lage eines Piloten, der zum Transatlantikflug nach New York startet, ohne Navigationsinstrumente an Bord zu haben.

Wagner ist einer derjenigen, die es wissen müssten, denn er leitet das „Sozio-oekonomische Panel (SOEP)“, eine seit 23 Jahren durchgeführte, repräsentative Befragung deutscher Haushalte. Das DIW hat vor vier Wochen eine Studie veröffentlicht, die es auf die Seite 1 der „Bild“-Zeitung geschafft hat. Erstmals wurde exakt erfasst, wie die Geld- und Realvermögen sich auf die Personen in Deutschland verteilen. Besser würde man vielleicht sagen, wie sich die Mittellosigkeit verteilt, denn zwei Drittel der Bevölkerung haben nichts oder allenfalls sehr geringe Werte. Das reichste Zehntel der Bevölkerung hält dagegen fast zwei Drittel des deutschen Nettovermögens von 5,4 Billionen Euro.

Das wichtigste Maß dafür, wie Einkommen und Vermögen streuen, ist der so genannte Gini-Koeffizient. Je niedriger, desto gleicher ist die Aufteilung. Bei 0 ist sie absolut gleich, bei 1 absolut ungleich. In Deutschland ist der Gini-Koeffizient für das Vermögen sehr hoch: 0,79. Das ist wesentlich mehr als beim Einkommen, wo er nur 0,25 beträgt. Er liegt auch über dem internationalen Durchschnitt, den die oben zitierten amerikanischen und kanadischen Ökonomen bei 0,7 ansetzen. Wagner vermutet, dass die Vermögensverteilung in Zukunft noch schiefer wird: Die Einkommensunterschiede würden größer, und Leute mit hohem Einkommen können nun einmal deutlich mehr Vermögen bilden als die mit niedrigem. Einkommensunterschiede gibt es aber nicht erst seit heute. Sind wir bereits auf einer schiefen Ebene, was die Streuung der Vermögen angeht?

Leider gibt es für die Vergangenheit keine Untersuchungen wie die jüngst vom DIW veröffentlichte. Richard Hauser von der Uni Frankfurt hat versucht, die bestehenden Lücken durch Schätzungen zu schließen, wobei er einräumt, dass die Ergebnisse „nur ein unvollständiges Bild der personellen Vermögensverteilung liefern“. Überraschenderweise bestätigt sich die Hypothese zunehmender Ungleichheit nicht – im Gegenteil: Zwischen 1973 und 1998 hat sie seinen Zahlen zufolge in Deutschland sogar sehr deutlich abgenommen. Hauser selber räumt allerdings ein, dass er in den Jahren 1988, 1993 und 1998 die Ungleichheit vermutlich unterschätzt, weil große Teile des Unternehmensvermögens nicht enthalten seien. Trifft die von ihm beobachtete Tendenz dennoch zu, würde die Realität die pessimistischen Überlegungen widerlegen.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Die Ungleichheit bei der Einkommensentwicklung in Deutschland ist weitaus weniger dramatisch. als oft befürchtet wird.

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