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04.12.2007 

In Bezug auf die Einkommen stellt Hauser fest, dass die Ungleichheit in der Verteilung zwischen 1973 und 1998 trotz Massenarbeitslosigkeit und Belastungen durch die deutsche Einheit nur geringfügig zugenommen habe. Einen langfristigen internationalen Vergleich der Einkommensverteilung vom Ende der 60er-Jahre bis zum Beginn des neuen Jahrtausends hat Anthony Atkinson versucht. Gäbe es den Titel, würde man den in Oxford lehrenden Finanzwissenschaftler den „Verteilungs-Papst“ nennen. Wohl niemand hat so intensiv über Fragen der Einkommens- und Vermögensverteilung gearbeitet wie der Brite, der heute den vom Wissenschaftszentrum Berlin verliehenen, von einem chinesischen Unternehmerpaar gestifteten Angela-und-Shu-Kai-Chan-Preis erhält.

Für Kanada, die USA und Großbritannien stellt er fest, dass die Einkommen tatsächlich wesentlich ungleicher verteilt seien als am Ende der „golden sixties“. Er führt das auf Globalisierung und technischen Wandel zurück, die Bezieher hoher Einkommen und von Kapitaleinkünften begünstigten. Hinzu komme eine geringere Umverteilung über das Steuersystem und der Effekt niedrigerer Inflationsraten, die reale Renditen aus Kapitalanlagen steigern. Mit Blick auf Deutschland stellt Atkinson für die 90er-Jahre eine nur schwach zunehmende Ungleichheit fest.

Die neueren Angaben des 2. Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung bestätigen das: Zwischen 1998 und 2003 stieg der Gini-Koeffizient bei den Markteinkommen – das heißt vor staatlicher Umverteilung durch Steuern und Sozialleistungen – von 0,44 auf 0,47 an. Bemerkenswert ist, wie sehr der Staat noch Einfluss nehmen kann: Nach staatlicher Umverteilung lag der Gini-Koeffizient 1998 wie 2003 nur bei 0,25. Jüngere Angaben des Statistischen Bundesamtes wie des SOEP lassen darauf schließen, dass die Markteinkommen bis 2007 an Streuung zugenommen haben – wegen der hohen Arbeitslosigkeit und der schwachen Zunahme der Lohneinkommen – in jüngster Zeit aber möglicherweise eine Umkehr stattfindet. Der neue Armuts- und Reichtumsbericht könnte daher im kommenden Jahr für Überraschungen sorgen.

Die Ungleichheit bei der Einkommensentwicklung in Deutschland ist also weitaus weniger dramatisch, als oft befürchtet wird. Sorgen muss man sich allerdings wegen der Vermögensverteilung machen. In einer alternden Gesellschaft wie der deutschen wird Vermögensbildung allein schon wegen der privaten Altersvorsorge zu einer bitteren Notwendigkeit. Eine Gesellschaft, in der heute zwei Drittel fast nichts haben, fährt mit hohem Tempo in eine Sackgasse, um es vorsichtig zu sagen. In den nächsten Jahren könnte sich die Schieflage verschärfen, weil der Anteil der Vermögenseinkünfte an den Gesamteinkommen wächst und durch Vererbung die -konzentration in der schrumpfenden Gesellschaft zunimmt.

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Wie die Politik ihren Blindflug bei der Vermögensverteilung beenden kann.

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