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04.12.2007 

Eine sehr ungleiche Vermögensverteilung aber bremst insgesamt die Entwicklung der Gesellschaft. Bildung wird zwar immer als Himmelsleiter für den sozialen Aufstieg beschworen, doch ist sie selber zunehmend abhängig davon, ob in einer Familie Vermögen vorhanden ist oder nicht. „Wachsender wirtschaftlicher Wert kommt Eigenschaften zu, die nicht über das Bildungssystem vermittelt werden, sondern durch die Sozialisierung in begüterten Familien“, schreibt Atkinson.

Die Lösung in einer Einschränkung der Globalisierung zu suchen, wie es manchmal verlangt wird, wäre unsinnig: In Deutschland entfällt der weit überwiegende Teil der Vermögen auf Immobilien, und deren Wertentwicklung unterliegt allenfalls seit wenigen Jahren internationalen Einflüssen. Viel wichtiger ist etwas, was Ökonomen noch nicht untersucht haben: Die wunderbare Tatsache, dass wir seit über 60 Jahren im Frieden leben. Seit 60 Jahren wird Kapital akkumuliert, ohne Vernichtung durch Krieg oder Inflation und ohne Umverteilung durch Revolution und Enteignungen, was früher in Abständen von wenigen Jahrzehnten die Regel war.

So schön das ist: Nicht jeder profitiert davon. Die Politik sollte deshalb endlich ihren Blindflug beenden und darangehen, die Wirkung jedes ihrer Schritte auf die Vermögensverteilung zu studieren. Zwei kleine Beispiele: Sie würde dann nicht leichtfertig Sparerfreibeträge kürzen. Und sie käme auf die Idee, dass familienpolitische Leistungen verteilungspolitisch wirksamer sind, wenn sie nicht in Form von Barzahlungen dem Portemonnaie der Eltern zugutekommen. Steckt man sie über Gutscheine in die Bildung, wird das Handicap der Kinder wenigsten ein wenig kleiner.

Massive Umverteilungen über die Erbschaft- oder eine neue Vermögensteuer wird es dagegen kaum geben können. Das Bundesverfassungsgericht hat klargemacht, dass es einen staatlichen Zugriff, der an Enteignung grenzt, nicht tolerieren wird. Doch sollte man sich nicht täuschen: Wenn in der Bundesrepublik der Anteil der Habenichtse beim Vermögen weiter anwächst, kann die politische Großwetterlage in ein paar Jahren ganz anders aussehen.

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